Versunkene Bibliotheken! Heute: Die Titanic

14 Apr

Die Zahl der Internet-Seiten, die sich mit dem Untergang der Titanic befassen, liegt um die 200.000. Eine Stecknadel in diesem Heuhaufen ist die Geschichte der Bord-Bibliothek. Genau genommen gab es zwei. Wobei sie in der 1. Klasse nur aus einem Bücher-Schrank bestand, der in den Lese- und Schreibsälen aufgestellt war. Tom McCluskie beschreibt die Räumlichkeiten in seinem Buch „Die Titanic im Detail“ (1998):
„Anhand der weißen Wände und der zierlichen, eleganten Möbel in den Lese- und Schreibsälen war leicht zu erkennen, dass diese Räume speziell für die Frauen eingerichtet waren. Durch die großen Bogenfenster, die sich fast über die gesamte Breite der Räume erstreckten, konnte man auf das Promenadendeck sehen, wo andere Passagiere spazieren gingen und hatte einen herrlichen Ausblick auf das Meer und den Himmel. Ein offner Kamin sorgte für eine anheimelnde Atmosphäre.“

Und zur eigentlichen Bibliothek bemerkt er:
„Ein Glanzstück war die Bibliothek der 2. Klasse, ausgestattet mit Wandvertäfelungen aus Platanenholz und gepolsterten Möbeln, die wie die Säulen aus Mahagoni bestanden. Das große Bücherregal stand auf der Vorderseite direkt an einem Schott, die Fenster waren auf beiden Seiten mit seidenen Gardinen verhängt. Der Wilton-Teppich auf dem Fußboden verlieh dem Raum eine komfortable Atmosphäre und einen Hauch von Luxus.“

Lawrence Beesley, Passagier der 2. Klasse und Überlebender erinnert in seinem Augenzeugenbericht an den letzten Tag in der kurzen Geschichte dieser Bibliothek: „Die Bibliothek war schon nachmittags bevölkert, auch wegen der Kälte an Deck, aber durch die Fenster konnten wir den klaren Himmel sehen mit herrlichem Sonnenlicht. Das Wetter versprach eine sternklare Nacht und auch einen klaren morgigen Tag, mit ruhigem Wetter bis nach New York. Für uns alle war das ein Grund mehr, den Sonntag in aller Zufriedenheit zu verbringen. Ich kann zurückblicken und sehe jede Einzelheit jenes Nachmittags vor mir – der wundervoll ausgestattete Bibliotheksraum mit Sofas, Sesseln, schmalen Schreib- und Konsoltischen und Stehpulten an den Wänden; die Bibliothek selbst mit ihren durchsichtigen Regalen, das Ganze ausgeführt in Mahagoni mit hölzernen Säulen.“

Für die Passagiere der 3. Klasse gab es keinen Lesestoff. Sie mussten sich mit einem Rauchsalon und einem Aufenthaltsraum begnügen.

 Einen Bibliothekar befand sich nicht auf der Titanic. Für die Aus- und Rückgabe der Bücher war der 18jährige Library Steward Thomas Kelland zuständig. Vermutlich war dies einer der angenehmsten Jobs auf dem Schiff. Tragischer Umstand seines Todes war ein Tausch der Route mit seinem Bruder Edger, der ursprünglich auf der Titanic eingeplant war. Weil dieser aber die Atlantik-Route schon kannte, tauschte er sie gegen einen Äquator-Trip ein.

27 Jahre alt war der amerikanische Geschäftsmann und Buchsammler Harry Elkins Widener, der ebenfalls beim Untergang starb. Seine Mutter Eleanor Elkins Widener spendete daraufhin der Harvard University 3,5 Millionen Dollar für den Bau einer Bibliothek, die seinen Namen tragen sollte. Die 1915 gebaute Harry Elkins Widener Memorial Library stellt bis heute das Herzstück des größten universitären Bibliothekssystems der Welt dar.

gp

Bilder:
Titanic – wikimedia commons
Bibliothek der 2. Klasse – via allisonkraft.blogspot.de
Harry Elkins Widener – wikimedia commons
Widener Bibliothek – wikimedia commons
P.S.: Ein Bild von Thomas Kelland habe ich im Internet nicht gefunden.

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