Klötzchenbauen oder was wir mit Minecraft am Hut haben

16 Mai

Am 8. Mai besuchten wir die Clash of Realities Konferenz in Köln.

Hier tauschen sich alle zwei Jahre Bildungswissenschaftler, Pädagogen, Journalisten und Verbandsvertreter der Spielebranche zur Medienforschung und -pädagogik im Bereich von Computerspielen aus. Ein Spiel und dessen abwechslungsreiche Möglichkeiten waren gleich mehrmals Thema der Vortragsblöcke: Minecraft.

Minecraft ist ein sogenanntes Sandbox Game (Sandkastenspiel). Nutzt man den Kreativmodus sind dem Spieler – wie auch dem Kind im Sandkasten – kaum Grenzen gesetzt. Bei Minecraft baut der Spieler mit Blöcken, das was ihm auch immer in den Sinn kommt. Von einem detailgetreuen lebensgroßen Modell eines Baums bis zum Kölner Dom ist – rein theoretisch – alles möglich. Eine klare Einteilung in richtig und falsch, wie man sie häufig im traditionellen Unterricht findet, gibt es nicht.

Das Projekt MinecraftEdu nutzt diesen offenen Bausatz, um Schülern die Möglichkeit zugeben, sich während des Unterrichts kreativ mit den verschiedensten Fächern auseinanderzusetzen. Santeri Koivisto aus Finnland seinerseits als „Minecraft-Lehrer“ und Gründer von MinecraftEdu bekannt, nutzt das Spiel z.B. im Fach Mathematik.

„Die Länge einer Leiste ist 1 Meter. 1 Block ist 1 m³. Baue unser Klassenzimmer maßstabsgetreu nach!“

Eine kurze und knappe Anweisung, keine weitere Einleitung, sondern Ausprobieren ist angesagt. Tipp auf seiner Vortragfolie für Lehrer: „Then, shut up!“ So kommen die Schüler in eine Diskussion, bilden selbst Gruppen und schaffen eigene kreative Lösungen.

Ihm geht es dabei vor allem um die Einbindung des Spielens in einen größeren Kontext. In seinem Beispiel wird der eigene Klassenraum nachgebildet, werden andere Spiele genutzt, muss die Verbindung zum Unterricht gefunden werden. Empire – ein Strategiespiel, indem man eine Großmacht des 18. Jahrhunderts spielen kann – kann zunächst angespielt werden, um dann zu unterbrechen und den Schülern im Fach Geschichte, die verschiedenen historischen Zusammenhänge zu erklären.

Eindruckvolle Beispiele zur Nutzung von MinecraftEdu aus deutschen Schulen gab es ebenfalls zu bestaunen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projektes peer³ führten Daniel Zils und Gerrit Neundorf in Sömmerda und Wittlich mit 9.Klässlern ein Minecraft-Projekt durch.
Bedingung: Es soll etwas von Schülern für Schüler geschaffen werden.

Die fünfköpfige Jungsgruppe aus Wittlich entschied sich in Eigenregie für das Fach Biologie und baute im großen Stil ein Modell eines Laubbaumes samt Wurzeln und Blättern. In verschiedenen Aufgaben werden die einzelnen Schüler durch den Baum geführt und müssen Aufgaben lösen. Damit der Weg fortgesetzt werden kann, muss die richtige Antwort mittels eines Schalters bestätigt werden. Ist die Antwort falsch, verliert der Schüler Zeit und muss ein Jump’n’Run Level absolvieren, bevor er weitergehen kann. Damit die Schalter funktionieren, musste die Schülergruppe nicht nur den sichtbaren bespielbaren Teil des Baum bauen, sondern auch noch „Hinterzimmer“, die für die Schüler nicht sichtbar sind. In diesem Räumen sorgen sogenannte Redstone-Kabel für die Übertragung von Signalen. Die Kabel sind dabei mit echten Leiterbahnen zu vergleichen.

Bild

© Stadtbibliothek Köln

Eine Schülergruppe aus Sömmerda baute ein Wasserstoffatom nach, eine andere beschäftigte sich mit der Umsetzung der Regeln der Digitaltechnik innerhalb der Pixelwelt. Die Beispiele zeigen, dass Minecraft viele Möglichkeiten bietet. Sofern kreative Ideen vorhanden sind, kann fast alles umgesetzt werden.

Besonderheit der MinecraftEdu Version ist außerdem die Möglichkeit zwischen Lehrer- und Schülersicht zu wechseln. Zusätzlich zum normalen Spiel bieten sogenannte Infoblöcke die Chance Texte ins Spiel einzubinden. Die Spielversion kann von Schulen und Organisationen im Bildungssektor genutzt werden. Die von den Schülern erstellten Module, werden im Nachhinein allen Interessierten in einer Online-Bibliothek zur Verfügung gestellt und können somit auch in anderen Schulen zur Unterrichtsvermittlung genutzt werden.

Minecraft bleibt ein spannendes Thema – auch für uns. Im Herbst möchten wir selbst mit euch zusammen Minecraft entdecken. Dazu bald mehr! Wer schon mal einen Einblick bekommen möchte, was Bibliotheken mit Minecraft machen können, klickt hier und erfährt etwas zum in der Stadtbibliothek Wolfsburg durchgeführten BibCraft.

In Kürze erfahrt ihr hier noch mehr zu den anderen Themen der Clash of Realities.

(si)

2 Antworten to “Klötzchenbauen oder was wir mit Minecraft am Hut haben”

  1. tobiasfoltyn 26/05/2014 um 20:04 #

    Finde ich eine interessante Idee das ganze in den Unterricht einzubinden. Aber genau für sowas bietet sich das Spiel ja bestens an 🙂

Trackbacks/Pingbacks

  1. Kreative Pixelwelten – Mit Minecraft in der Bibliothek | die Stadtbibliothek Köln bloggt - 02/12/2014

    […] Klötzchenbauen oder was wir mit Minecraft am Hut haben […]

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