Versunkene Bibliotheken: Nationalbibliothek Bosnien und Herzegowina

Heute vor 100 Jahren fielen die Schüsse, die nach gängiger Geschichtsschreibung den 1. Weltkrieg auslösten. Nach einem Besuch des Rathauses von Sarajevo starben der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie durch ein Attentat, verübt durch den bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip.

Das Rathaus-Gebäude, vor 120 Jahre gebaut und bekannt unter dem Namen Vijećnica, gilt als bedeutendstes Bespiel des so genannten pseudo-maurischen Stils. Bedeutung erlangte das Haus ab 1947 als bosnische National- und Universitätsbibliothek mit einem Bestand von 1,5 Millionen Büchern.

Besiegelt wurde das Schicksal der Bibliothek in der Nacht zum 25. August 1992 durch den Feuerbefehl des serbischen Nationalisten Ratko Mladic. Brandgeschosse schlugen ins Dach der Bibliothek ein und setzten sie in Brand. Viele Einwohner von Sarajevo versuchten die Bücher aus den Flammen zu retten. Ums Leben kam dabei die Bibliotheksmitarbeiterin Aida Buturovic. Auch die herbeigeeilte Feuerwehr wurde beschossen. Asche und angebrannte Buchseiten flatterten über der Stadt. Nahezu der komplette Bestand wurde vernichtet.

Die Vijećnica war nicht die einzige Bibliothek, die von serbischen Nationalisten angegriffen wurde. Angriffe auf Archive, Museen und Bildungseinrichtungen sollten die Erinnerung an die große kulturelle Vielfalt des Landes zerstören.

Im Mai dieses Jahres wurde das Haus feierlich wieder eröffnet. Heute sind darin Teile der Stadtverwaltung und der Nationalbibliothek sowie ein Café untergebracht. Und es soll als Aufführungsort für Konzerte und Veranstaltungen dienen. Vor allem aber soll es als Symbol für die reichhaltige Diversität Sarajevos neuen Glanz verbreiten.

gp

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2 Antworten auf „Versunkene Bibliotheken: Nationalbibliothek Bosnien und Herzegowina“

  1. Ein sehr schöner und wichtiger Bericht über mehr als ein Symbol, vielmehr das kulturelle Gedächtnis eines kleinen, gebeutelten Landes. Was für eine Barbarei, die Kultur eines Volkes zerstören zu wollen, was für eine unglaubliche Anmassung.
    Danke für den Bericht, Kai

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