Versunkene Bibliotheken: Die Universitätsbibliothek von Löwen

25 Aug

IMGP4117

Das Pulverfass explodierte heute vor 100 Jahren. Sechs Tage nachdem deutsche Truppen die flämische Stadt Löwen besetzt hatten, wurden die Befürchtungen der Bewohner brutale Wirklichkeit.

Seit dem 4. August 1914 hatten die deutschen Soldaten bei ihrem Einmarsch ins neutrale Belgien eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Die Begründung für die Massaker an der Zivilbevölkerung folgte einem Muster. Verantwortlich gemacht wurden angebliche Angriffe von Freischärlern. Deshalb, so die offizielle Lesart, wurde mit härtesten Repressalien reagiert.

Am 25. August, um 20 Uhr, fielen in Löwen eine halbe Stunde lang Schüsse. Noch in der Nacht erfolgte die Vergeltung,  „Strafgericht“ genannt. Die Bilanz: 248 Einwohner starben, 1081 Wohnhäuser nur noch Schutt und Asche und zerstörte öffentliche Gebäude (die Kirche Sint Pieter, Theater, Konzertsaal, Kunstakademie, Gericht, mehrere Universitätsgebäude).

Kurz vor Mitternacht wurden die Kellertüren der Universitätsbibliothek aufgebrochen und Feuer gelegt. Noch mehrere Tage brannte das Gebäude. Ein Dutzend Handschriften, 800 Inkunabeln und über 230.00 Bücher schwelten in der Glut.

Der Bibliotheksbrand hatte weitreichende Folgen, denen sich einiges über den Umgang mit Kultur im Krieg entnehmen lässt. Er spielte eine wichtige Rolle in der wechselseitigen Kriegspropaganda. Er warf bezeichnende Lichter auf die Reaktionen der Intellektuellen und die der Bibliothekswelt und bewirkte internationale Kooperationen bei der Wiedergutmachung und des Wiederaufbaus. All das schützte die Bibliothek nicht vor ihrer erneuten Zerstörung im 2. Weltkrieg.

Wer dieser Tage nach Löwen kommt, kann nicht übersehen, wie die Erinnerung an den August 1914 wach gehalten wird. Auf den Plätzen und Straßen des Zentrums stehen großformatige Bildergruppen mit Fotos des Infernos. Mehrere Ausstellungen sind Kriegsthemen gewidmet. Eine befasst sich nur mit der Bibliotheksgeschichte und kann im Turm des Gebäudes besucht werden.

gp

Bild (oben) aus der Ausstellung: Die Bibliothek vor und nach ihrer Zerstörung 1914.

Quelle: Wolfgang Schivelbusch: Die Bibliothek von Löwen. 1988.

Bisherige Beiträge zu „Versunkene Bibliotheken„.

 

Eine Antwort to “Versunkene Bibliotheken: Die Universitätsbibliothek von Löwen”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Versunkene Bibliotheken: “Biblioteca international” Formentera | die Stadtbibliothek Köln bloggt - 07/05/2015

    […] Die Universitätsbibliothek von Löwen […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: