Overlock vs. Nähmaschine

6 Mai

Seit neuestem steht eine Overlock-Nähmaschine in unserem Makerspace. Das wirft mehrere Fragen auf: Was macht eine Overlock so besonders?  Und was hat sie in einer Bibliothek zu suchen? Ganz kurz haben wir das ja hier schon erklärt. Darf es etwas ausführlicher sein?

Was kann eine Overlock-Maschine, was eine normale Nähmaschine nicht kann?

Nähmaschine und Overlock unterscheiden sich in wichtigen Punkten.

Eine Nähmaschine näht normalerweise mit einer Nadel und zwei Fäden (Nadelfaden und Unterfaden). Meist gerade Stiche, gerne auch Zickzack- oder Zierstiche. Manchmal bearbeitet man nur eine Schicht Stoff (z.B. indem man einen Zierstich anbringt), manchmal heftet man mehrere Lagen aufeinander (z.B. bei Kleidung). Man kann mitten auf dem Stoff nähen (z.B. um Applikationen anzubringen) oder am Rand. Wer es genauer wissen will, sollte mal bei der Sendung mit der Maus reinschauen: .

Eine Overlock kann fast nichts davon. Aber sie kann andere Tricks! Sie kann nichts mitten auf dem Stoff nähen, umso professioneller aber den Rand eines Stoffes bearbeiten. In einem Arbeitsschritt umschlingen zwei Fäden den Rand des Stoffs, während ein oder mehrere zusätzliche Fäden parallel zum Rand nähen – dadurch wird der Rand gesichert und stabilisiert. Gleichzeitig schneidet ein Messer den Rand gleichmäßig ab, bevor er versäubert wird (so nennt man das Umschlingen). Das klappt mit einer Lage Stoff, aber auch mit mehreren Lagen, die man damit zusammennäht. Schaut euch mal eure gekauften T-Shirts näher an, das sind Overlock-Nähte.

Probe_4faden_gr

Beispiel für eine vierfädige Overlock-Naht. Die Greiferfäden sind blau und grün, die Nadelfäden rot und gelb.

Es kommt noch besser: Die Overlock-Naht ist auch noch dehnbar ! Das erleichtert das An- und Ausziehen von Kleidungsstücken. Und während dehnbare Stoffe (Jersey oder Strick) auf einer normalen Nähmaschine gar nicht so leicht zu nähen sind, weil sich der Stoff auseinanderzieht und wellig wird, kann eine Overlock das ausgleichen. Dafür ist der sogenannte Differentialtransport zuständig. Der transportiert den Stoff immer gleichmäßig, ohne zu dehnen und zu ziehen.  So gibt es keine Wellen (jedenfalls nicht, wenn man das nicht will). Das ist auch bei sehr glatten, dünnen, rutschigen Stoffen praktisch. Aber die Ovi kann noch mehr. Sie näht mit bis zu 5 Fäden und überrascht mit dekorativen Effekten, z.B. Wellenstich oder Rollsaum. Und es gibt einen Trick, mit dem man auch bei der Overlock nicht ganz am Rand näht, sondern etwas nach innen versetzt: mit dem Flatlockstich. Durch geschicktes Zusammenklappen, Nähen und Auseinanderziehen kann man mit diesem Stich z.B. Bündchen nähen.

Ovi_Collage

 

Warum gibt es eine Overlock in der Stadtbibliothek?

Stimmt, mit Lesen hat das erst mal gar nicht viel zu tun. Aber mit dem Selbermachen, dem Makerspace und dem gemeinsamen Erarbeiten von neuem Wissen. Habt ihr zu Hause zu wenig Platz für eine zusätzliche Maschine? Braucht ihr einen Raum, um mit Freunden zusammen am Gruppenkostüm für Karneval zu arbeiten? Und vielleicht noch etwas weiterführende Literatur, um euer Repertoire an Stichen und Techniken zu erweitern? Neue Schnittmuster?

Wer noch keine Overlock-Maschine zu Hause stehen hat, aber neugierig ist, kann sich bei uns informieren. Wer selten näht und die (meist) teure Anschaffung scheut, kann unsere Maschine nutzen. Wer wissen will, wie so eine Maschine funktioniert, kann bei uns selbst damit arbeiten, ohne unter Kaufzwang zu geraten.

 

Das Prozedere hier noch mal in Kürze:

Ihr reserviert euch einen Nähtermin bei den Kollegen auf der 4. Etage der ZB. Dort liegt eine Anmeldeliste aus.

Zum Termin bringt ihr Folgendes mit:

  • den zugeschnittenen Stoff
  • Klammern (oder wenn’s sein muss, Stecknadeln) zum Heften
  • passendes Nähgarn, mindestens zwei Rollen oder Konen
  • Stoffschere, Nahttrenner und ähnliches Zubehör, was ihr sonst noch zum Nähen braucht

Wenn ihr möchtet, können wir euch kurz in die Maschine einweisen. Ihr erhaltet die ausführliche Bedienungsanleitung sowie eine Kurzanleitung und zwei Bücher zum Nachschlagen. Nach dem Nähen hinterlasst ihr bitte den Platz, wie ihr ihn vorgefunden habt – und selbst auch vorfinden möchtet. Und wir freuen uns wie Bolle, wenn ihr uns teilhaben lasst, was ihr bei uns genäht habt!

Traut ihr euch nicht richtig ran? Nächste Woche Mittwoch, am 11.05., findet um 16 Uhr wieder eine Vorführung statt, kostenlos und ohne Anmeldung. Kommt vorbei!

(cd)

4 Antworten to “Overlock vs. Nähmaschine”

  1. Julia Lange 26/09/2016 um 22:05 #

    Schade… auch wenn ich den Termin verpasst habe, stolz auf meine Overlock bin ich allemal. Ich bin super froh, mir im Frühjahr eine angeschafft zu haben. Man hat einfach mega viele Vorteile und große Zeitersparnis, die man mit einer normalen Nähmaschine nicht kann.

    Danke für den schönen Beitrag. Weiter so 🙂

    • Stadtbibliothek Köln 27/09/2016 um 08:57 #

      Liebe Julia, danke für das Lob 🙂 Wir bieten übrigens auch weiterhin Vorführtermine an, z.B. am 11.10., 15.11., und 06.12., jeweils 16-17 Uhr. Aber mit einer eigenen Maschine brauchst du die ja nicht mehr … Viel Spaß mit deiner Maschine! Falls du mal neue Schnittmuster brauchst, weißt du ja, wo du uns findest 🙂

      • Jenny Menzel 21/07/2017 um 11:46 #

        Auf die Schnittmuster komme ich zurück! 🙂
        Ich habe eine Overlock als Zweitmaschine zum Säumen.
        Wenn man etwas mehr näht, ist es die Anschaffung allemal wert.

        Liebe Grüße!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Overlock – Das Easy-Peasy-Shirt | die Stadtbibliothek Köln bloggt - 13/05/2016

    […] wir euch jetzt schon so viel über unsere neue Overlock-Maschine erzählt haben (hier und hier), sollt ihr heute auch mal sehen, was man damit genau machen kann. Dafür habe ich mir […]

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