Gert Scobel zu Gast in der Stadtbibliothek Köln

20 Mrz

Am Donnerstag, 30. März 2017 um 19:30 Uhr, präsentiert Gert Scobel im Gespräch mit Gisela Steinhauer sein aktuelles Buch „Der fliegende Teppich. Eine Diagnose der Moderne“.

Gert Scobel (© Gaby Gerster) und das Buchcover (© S. Fischer Verlag)

Speziell für unsere Veranstaltung hat uns Gert Scobel den folgenden Kommentar geschickt:

„Auch wenn sich die Grenzen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, Fakten und Fiktion derzeit immer wieder stark verschieben, sich überlappen und ein schwer begehbares Brachland hinterlassen: Fest steht, dass die Moderne eine Zeit der sich zuspitzenden, zugleich aber immer deutlicher hervortretenden Komplexität ist.

Mag die Komplexität auch schon lange dagewesen sein: Neu ist der Zuwachs an Sichtbarkeit doch. Dieser stellt die bisher immer noch stark auf sich selbst bezogenen, voneinander abgegrenzten Wissenschaftsdisziplinen vor große Herausforderungen. 

Denn komplexe Probleme erfordern interdisziplinäre Lösungen. Leider stehen wir erst am Anfang eines wirklich interdisziplinären Denkens und Handelns.

Es würde sich daher lohnen, schon jetzt damit zu beginnen, die Methoden und Strategien inter- und transdisziplinärer Forschung stärker zu berücksichtigen als es in der Ausbildung junger Menschen geschieht.

Auch wenn es häufig verdrängt wird und es äußerst unangenehm sein kann, die Grenzen des Wissens zu erkennen, vor die komplexe Probleme uns stellen: Klar ist, dass sie ein inter- und transdisziplinäres Denken erforderlich machen, um die Zukunft zu bewältigen. 

Komplexität erfordert den Mut zu sagen, was man nicht weiß und den Willen, ernsthaft miteinander zu kooperieren und zusammen zu arbeiten. Nur wenn man sich den Problemen unserer Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven nähert, hat man eine Chance, sie zu lösen – auch auf die Gefahr hin, auf dem Weg zur Lösung von denen, die immer noch an den alten Vorgehensweisen hängen, für dumm gehalten zu werden.“

Als weitere Einstimmung auf die Veranstaltung hier noch ein Zitat aus Kapitel 4 „Fiktiver Realismus“ (mit freundlicher Genehmigung von S. Fischer Verlage) des voraussichtlich am 23. März erscheinenden Buches:

„Ein interessanter Bereich zukünftiger Forschung wird die Beantwortung der Frage sein, ob und wie künstliche Systeme – Roboter und lernfähige, neuronale Computernetzwerke – selbständig zu ihrer Sprache und ihren Bildern der Welt finden werden. Sind künstliche Systeme dazu fähig, ihre Welt zu erfinden und sich selbst kritisch auf diese zu beziehen?
Die Fragestellung zeigt, dass gegenwärtige Philosophie als interdisziplinäre Form kritischer Analyse von Welt und Fiktion zugleich auch experimentelle Philosophie sein muss.

Es gilt herauszufinden, wie natürliche und (möglicherweise) künstlich erzeugte Systeme miteinander interagieren und es zu einer Wechselbeziehung zwischen Fiktion und Realität

kommt, die nicht nur neuartig, sondern ebenso vielschichtig, komplex und pluralistisch ist wie unsere eigene.“

Gert Scobel wurde mehrfach als Wissenschaftsjournalist ausge­zeichnet. Er moderierte 14 Jahre „Kulturzeit“ bei 3sat, war Anchor­man des ARD-Morgenmagazins und ist seit 2008 verantwortlich für die Wissenschaftssendung Sendung „scobel“ (3sat). Seit 2016 ist er Professor für Philosophie und Interdisziplinarität an der Hoch­schule Bonn-Rhein-Sieg.

Gisela Steinhauer arbeitet als freie Journalistin vor allem für den WDR. Sie moderiert Sendungen wie „Mittagsmagazin“ und „Mon­talk“. Für ihr Format „Sonntagsfragen“ erhielt sie den Deutschen Radiopreis 2012 in der Kategorie „Bestes Interview“.

Das Gespräch findet in der Zentralbibliothek am Neumarkt statt und ist Teil unserer Reihe „wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit“.

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