„Hope Street – Wie ich einmal englischer Meister wurde“ von Campino
Eigentlich bin ich Ärzte-Fan, aber Campinos Autobiografie hat mich dann doch gereizt, als ich von seiner Liebe zu England erfuhr.
Campinos Mutter kam aus England und so erklärt sich auch seine Begeisterung. Aufgewachsen in einer Großfamilie, die in Deutschland lebte und die Urlaube beim Familienteil in England verbrachte, wuchs Campino in zwei Kulturkreisen auf. Sein Faible für Fußball entwickelte sich schon in jungen Jahren und sein Herz schlägt bis heute für den FC Liverpool, dessen Stadion er als seine zweite Heimat bezeichnet.
„Hope Street – Wie ich einmal englischer Meister wurde“
Sooft es geht, ist er bei den Spielen dabei und so hat er sich ein enormes Wissen über die Reds, so wird der Verein auch genannt, angeeignet. Mit Jürgen Klopp (seit 2015 Trainer der Mannschaft) ist er befreundet und teilt die Leidenschaft für den Verein. Seine zweite Fußball-Liebe gilt der Fortuna Düsseldorf und die Toten Hosen unterstützen den Verein schon seit Jahrzehnten.
In seiner Autobiografie erfährt man so einiges aus Campinos Leben und wie er aufwuchs, aber noch viel mehr über Fußball. Der 355-seitige Spiegelbestseller liest sich flüssig und weckt auch bei Fußballmuffeln das Interesse an dem Sport.
Britischer Humor ist trocken und aus dem Bauch heraus und einer der berühmtesten, britischen Humoristen ist P.G. Wodehouse.
Ich stieß auf ihn, als mein Interesse für Stephen Fry und Hugh Laurie zur populären Serie „Jeeves & Wooster“ führte, die auf Erzählungen von Wodehouse basiert.
Nach 23 sehr unterhaltsamen Folgen, wollte ich mehr über den Kopf hinter der Idee erfahren und was wäre da besser als eine Autobiografie des Autors?
„Reiner Wein“ ist keine Autobiografie im klassischen Sinne und deshalb hat das Buch den Zusatztitel „Biografische Ausschweifungen“. Wodehouse erzählt von seinen Anfängen im Berufsleben als Bankangestellter und wie es ihn zu seiner Berufung und dem Durchbruch als Autor führte.
Auf 215 Seiten schildert der Autor mit feinstem britischen Humor allerlei Anekdoten aus seinem Leben und animiert den Leser damit, noch mehr aus seiner Feder lesen zu wollen. In unserem Katalog findet man viele seiner Romane in deutscher Sprache, die meisten davon in der Onleihe.
„Was und wenn sind zwei völlig harmlose Wörter. Aber setzt man sie nebeneinander haben sie plötzlich die Macht einen für den Rest des Lebens zu verfolgen. Was wenn…?“ – Briefe an Julia (Concorde Entertainment, 2010)
Jeder kennt wohl das Gefühl, nicht zu wissen, ob eine Entscheidung, die man getroffen hat, richtig war und fragt sich hin und wieder, was gewesen wäre, hätte man nicht diesen, sondern jenen Weg im Leben eingeschlagen. Nicht selten sind solche Überlegungen mit Schuld und Sorge verknüpft. Hätte man nicht diese Karriere gemacht, in einer bestimmten Situation anders reagiert, ein Familienmitglied öfter angerufen. Was wenn? Ein Gedankenspiel zu solchen Überlegungen bietet dieses Buch.
Auf Hinterlassenschaften der Römer trifft man in Köln und Umgebung überall. Warum nicht mal der Route eines römischen Bauwerks folgen, das sich von Nettersheim in der Eifel bis nach Köln zieht?
Um schönes frisches Quellwasser für Thermen & Co. in Colonia Claudia Ara Agrippinensium zu haben, bauten römische Ingenieure um das Jahr 80 n. u. Z. eine 120 Kilometer lange Wasserleitung, den Römerkanal.
Der Römerkanal-Wanderweg folgt der Route dieser Wasserleitung, führt zu römischen Relikten – wie z. B. Aufschlüssen des Kanals oder Aquädukten – inklusive Infotafeln und vor allem durch die wunderschöne Eifellandschaft bis nach Köln. Dabei startet man im malerischen ruhigen Naturpark Nordeifel und arbeitet sich in sieben Etappen in eine immer städtischer werdende Umgebung bis ins quirlige Köln-Sülz vor.
Mögt ihr Geheimnisse? Fiebert ihr bei der Aufklärung von Mordfällen mit? Dann könnte „One of us is lying“ von Karen M. McManus genau das richtige Buch für euch sein. Denn hier geht es um fünf Jugendliche, die alle mindestens ein Geheimnis haben. Oder vielmehr vier von ihnen, denn Simon ist derjenige, der die Fehltritte und Geheimnisse der anderen aufdeckt und das über seine App. Doch als er beim Nachsitzen plötzlich einen anaphylaktischen Schock bekommt und kurz darauf stirbt, geraten die vier anderen immer mehr in den Fokus der Ermittlungen. Denn Simon hatte für den nächsten Tag Enthüllungen über die vier in seiner App geplant. Und so stellt sich die Frage: Wer lügt?
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, besonders, weil abwechselnd alle vier Beteiligten (Bronwyn, Nate, Abby und Cooper) zu Wort kommen und man sich so nicht nur dem Rätsel um Simons Tod immer weiter nähert, sondern auch allen Geheimnissen nach und nach auf die Spur kommt. Man weiß nicht, inwieweit man den Vieren trauen kann und so habe ich beim Lesen immer wieder versucht, hinter die Worte zu blicken, ob nicht vielleicht doch mehr dahinter steckt. Und trotzdem konnte ich nicht vermeiden, die Protagonist*innen zu mögen. Am Ende konnte mich die Autorin mit ihrer Auflösung erstaunen und begeistern.
Obwohl es ein Jugendthriller ist, kann der Roman durchaus auch erwachsene Leser*innen für sich einnehmen. Wer auf spannende Rätsel steht, kommt hier voll auf seine Kosten.
Das Buch könnt ihr nicht nur bei uns im Regal finden, sondern auch als eBook und eAudio in der Onleihe und wer es gerne auf Englisch lesen möchte, findet es zusätzlich bei Overdrive. Und wer danach noch nicht genug hat, kann bei uns auch den Nachfolgeband „One of us is next“ finden.
Bei dem aktuell trüben Wetter ist das Fernweh besonders groß. Man träumt von fernen, sonnigeren Orten. Getreu dem Motto “Lesen ist Reisen im Kopf” unternehmen wir deshalb eine Krimireise durch verschiedene Länder und Regionen.
Wer mit auf die Reise gehen möchte, findet die Bücher und Hörbücher in der Bibliothek oder der Onleihe.
Wir starten im Nachbarland Frankreich, das mit seinen vielfältigen Regionen wunderbare Schauplätze für viele Kriminalgeschichten bietet.
Bild von tony knight auf Pixabay
Los geht es im Norden Frankreichs, in der Normandie.
Malerische Landschaften und die Küste mit ihren imposanten Kreidefelsen bieten eine traumhafte Kulisse für diverse Krimis. Im idyllischen Badeort Deauville spielt das kürzlich erschienene Buch „Schattenland“ von Benjamin Cors. Hierbei handelt es sich um den sechsten Band der Reihe um Personenschützer Nicolas Guerlain.
Benjamin Cors
Reihe: Nicolas Guerlain
Strandgut
Küstenstrich
Gezeitenspiel
Leuchtfeuer
Sturmwand
Schattenland
In der Normandie sind auch Philippe Lagarde und Kommissar Leblanc für die Aufklärung von Verbrechen zuständig.
Maria Dries
Reihe: Philippe Lagarde ermittelt
Der Kommissar von Barfleur
Die schöne Tote von Barfleur
Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint-Michel
Der Kommissar und der Mörder vom Cap de la Hague
Der Kommissar und der Tote von Gonneville
Der Kommissar und die Morde von Verdon
Der Kommissar und die verschwundenen Frauen von Barneville
Der Kommissar und das Rätsel von Biscarrosse
Der Kommissar und das Biest von Marcouf
Der Kommissar und die Toten von der Loire
Der Kommissar und die Tote von Saint-Georges
Der Kommissar und der Teufel von Port Blanc
Catherine Simon
Reihe: Ein Fall für Kommissar Leblanc
Kein Tag für Jakobsmuscheln
Wintergäste in Trouville
Bitterer Calvados
Falsche Austern
Kalter Hummer
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Weiter geht unsere Reise in die Bretagne. Die westlichste Region Frankreichs bietet mit ihren Gegensätzen zwischen rauer Küste, malerischen Stränden und beschaulichen Dörfern unter anderem die Kulisse für die Fälle von Kommissar Dupin, die bereits fürs Fernsehen verfilmt wurden. Für Juni ist “Bretonische Idylle”, der zehnte Band der Reihe, angekündigt.
Jean-Luc Bannalec
Reihe: Kommissar Dupin
Bretonische Verhältnisse
Bretonische Brandung
Bretonisches Gold
Bretonischer Stolz
Bretonische Flut
Bretonisches Leuchten
Bretonische Geheimnisse
Bretonisches Vermächtnis
Bretonische Spezialitäten
“Im Zeichen der Triskele” von Eva Bernier, “Späte Vergeltung” von Emmanuel Grand und “Das dunkle Haus am Meer” von Susanne Mischke sind ebenfalls Vertreter bretonischer Krimis.
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Blau und lila sind die Farben, die die Buchcover vieler Provence-Krimisprägen. Autor*innen wie Sophie Bonnet, Christine Cazon, Remy Eyssen und Pierre Martin schicken ihre Protagonist*innen auf Ermittlungen, bei denen immer ein Hauch Meeresbrise und Lavendelduft mitschwingen.
Sophie Bonnet
Reihe: Pierre Durand
Provenzalische Verwicklungen
Provenzalische Geheimnisse
Provenzalische Intrige
Provenzalisches Feuer
Provenzalische Schuld
Provenzalischer Rosenkrieg
Provenzalischer Stolz
Christine Cazon
Reihe: Kommissar Duval
Mörderische Côte d’Azur
Intrigen an der Côte d’Azur
Stürmische Côte d’Azur
Endstation Côte d’Azur
Wölfe an der Côte d’Azur
Das tiefe blaue Meer der Côte d’Azur
Vollmond über der Côte d’Azur
Lange Schatten über der Côte d’Azur
Anthony Coles
Reihe: Peter Smith
Ein Gentleman in Arles – Mörderische Machenschaften
Ein Gentleman in Arles – Gefährliche Geschäfte
Ein Gentleman in Arles – Tödliche Täuschung
Remy Eyssen
Reihe: Leon Ritter
Tödlicher Lavendel
Schwarzer Lavendel
Gefährlicher Lavendel
Das Grab unter Zedern
Mörderisches Lavandou
Dunkles Lavandou
JulieLescault
Reihe: Rosalie
Rosalie und der Duft der Provence
Rosalie und die Farben des Südens
Rosalie und das Land des Lichts
Mademoiselle Rosalie und der tote Chocolatier
Pierre Martin
Reihe: Madame le Commissaire
Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer
Madame le Commissaire und die späte Rache
Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs
Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild
Madame le Commissaire und die tote Nonne
Madame le Commissaire und der tote Liebhaber
Madame le Commissaire und die Frau ohne Gedächtnis
Cay Rademacher
Reihe: Capitaine Roger Blanc
Mörderischer Mistral
Tödliche Camargue
Brennender Midi
Gefährliche Côte Bleue
Dunkles Arles
Verhängnisvolles Calès
Verlorenes Vernègues
“Stille Nacht in der Provence” und “Ein letzter Sommer in Méjean” sind weitere Provence-Krimis von Cay Rademacher, welche unabhängig von der Reihe um Roger Blanc erschienen sind.
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Unsere Reise endet heute auf der Mittelmeerinsel Korsika. Zwischen Bergen und Meer ist Krimi-Schriftsteller Eric Marchand dem Verbrechen auf der Spur.
Vitu Falconi
Reihe: Ein Fall für Eric Marchand
Das korsische Begräbnis
Korsische Gezeiten
Korsische Vendetta
Mit sonnigen Regionen geht es nächstes Mal weiter: Das nächste Ziel unserer Krimireise ist Spanien.
Jedes Jahr kürt eine Jury bestehend aus Kölner Stadt-Anzeiger, Literaturhaus und Vertreter*innen aus dem Kölner Buchhandel das „Buch für die Stadt“. Der Roman wird im Sommer in einer günstigen Sonderausgabe neu herausgegeben. Im Herbst wird das Buch dann Gegenstand vieler verschiedener Veranstaltungen in Köln und Umgebung. In diesem Jahr hat es Jackie Thomaes Roman „Brüder“ geschafft und wird uns also in den nächsten Monaten begleiten.
Jackie Thomae, 1972 in Halle an der Saale geboren, Tochter einer ostdeutschen Mutter und eines Vaters aus Guinea, hat bereits mehrere Bücher – Ratgeber und zwei Romane – veröffentlicht und arbeitet außerdem als Journalistin. Ihr Roman „Brüder“ ist von der Presse gefeiert oder zumindest sehr positiv besprochen worden (alle überregionalen Zeitungen außer die NZZ) und verrissen worden (NZZ).
Der Roman handelt von den Lebenswegen zweier sehr unterschiedlicher Männer, die nur ihr gemeinsamer Vater verbindet. Der Vater, ein Austauschstudent aus dem Senegal, bleibt den Brüdern lange Zeit unbekannt. Sie werden bei zwei unterschiedlichen Müttern groß, ohne voneinander zu wissen. Zwei Schwarze Jungen wachsen in der DDR auf – und ihr Leben und Streben verläuft komplett verschieden. Mick lebt in den Tag hinein, zieht durch die Berliner Clubs, ein sympathischer Hedonist, Charmeur und Taugenichts. Gabriel macht Karriere als Architekt in London, gründet eine Familie und wird Teil des steifen Gesellschaftslebens der gehobenen englischen Mittelklasse.
Positiv bemerken die Rezensentinnen, dass die Frage der Identität, die Frage der Hautfarbe eine so untergeordnete Rolle im Roman spielt. Für Marie Schmidt von der Süddeutschen Zeitung ist der Roman „deswegen so beeindruckend, weil es Thomae schafft, dass darin ‚race, class and gender‘ Thema sind und gleichzeitig nicht das Thema sind“. Auch „Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland ist nicht das Thema des Romans“, stellt Katrin Bettina Müller in der taz fest:
„Zwar erleben Idris [der Vater der Brüder] – als Student in Leipzig – und Mick – in den Nachwendejahren in Pankow – rassistische Übergriffe, ziehen es aber vor, die nicht zur grundierenden Erfahrung ihres Lebens zu machen. Das ist zwar einerseits eine Leistung von Verdrängung, die ihnen aber andererseits auch ihre Offenheit und Zugewandtheit erhält. Ob diese Konstruktion der Wahrnehmung ihrer Wirklichkeit womöglich auch eine Verklärung ist, um Anpassung zu erleichtern – darüber denken sie nach, aber nur gelegentlich.“
Immer wieder werden Parallelen zu angloamerikanischen Erzähltraditionen gezogen, die Paul Jandl in der Neuen Zürcher Zeitung allerdings für ein Missverständnis hält. Für ihn strotzt „Brüder“ nur so von Klischees, Oberflächlichkeit, Trivialitäten. „Ist das der Trommelwirbel eines positiven Rassismus oder einfach nur Quatsch?“, fragt er sich.
Die SZ dagegen feiert „Brüder“ als deutsches Pendant zur „Great American Novel“ (SZ). „Brüder“ sei auf eine „angelsächsisch anmutende Art ungemein intelligent, humorvoll und unterhaltsam zugleich geschrieben und bringt damit eine sonst weitgehend fehlende Qualität in die deutsche Literatur ein“, findet auch Katharina Granzin in der Frankfurter Rundschau.
Den Vergleich mit Zadie Smith findet man gleich mehrfach (DIE ZEIT, FAZ). Andrea Diener schreibt dazu:
„So, da ist er, der Vergleich, es wundert einen, dass er nicht schon viel früher irgendwo gefallen ist. Er liegt auch auf der Oberfläche so nahe: Die eine Autorin jamaikanisch-britisch, die andere mit einer ostdeutschen Mutter und einem Vater aus Guinea, beide aufgewachsen in Europa. Aber die Sache geht tiefer, denn beide, Smith wie Thomae, haben sich für das Prinzip des Erzählens entschieden und füllen ihre Bücher mit überbordenden, fiktionalen Biographien, beide haben ein Händchen für und einen sehr genauen Blick auf Lebensläufe und Zeitgeistumstände und einen Humor, der nie ins Zynische kippt – um jetzt nicht auch noch das fürchterliche Wort „warmherzig“ zu verwenden, auch wenn es die Sache trifft.“
Soviel zu den Meinungen in der überregionalen Presse. Der Kölner Stadt-Anzeiger bespricht sein „Buch für die Stadt“ auch sehr positiv. Für Anne Burgmer ist „Brüder“ „ein großer deutscher Gesellschaftsroman, in dem Thomae mit erstaunlicher Leichtigkeit die schwierigsten Themen verhandelt“.
Überwiegend positive Kritiken also, in denen die Leichtigkeit des Erzählers in eine angloamerikanische Tradition gestellt wird. Es ist auch im Kontext gesellschaftlicher Debatten zum Thema Identitätspolitik interessant, dass in allen Rezensionen thematisiert wird, dass es im Roman erstaunlich wenig um Rassismus geht, obwohl die Protagonisten doch Schwarz sind. Darf es in Deutschland etwa nur in Romanen mit Weißen Protagonist*innen um allgemeinmenschliche Themen gehen?
Hier gibt es also viel Diskussionsstoff. Genug Gelegenheit zum Diskutieren wird es im Laufe des Jahres geben. Wer schon jetzt anfangen möchte, sich ein eigenes Bild zu machen, findet das Buch natürlich in der Bibliothek, als Buch und E-Book.
„84 Charing Cross Road – Eine Freundschaft in Briefen“ und „Die Herzogin der Bloomsbury Street – Eine Amerikanerin in London“ von Helene Hanff
Auf der Suche nach interessanter Literatur über London stolperte ich über ein Buch der amerikanischen Autorin Helene Hanff. Die Wahl-New-Yorkerin war, wie ich, eine England- und Bücher-Närrin, die auf der Suche nach Büchern von britischen Autoren auf eine Anzeige der Londoner Buchhandlung „Marks & Co.“ stieß. Da sie antiquarische Bücher bevorzugte, die zugleich günstig waren und die Geschichte der Vorbesitzer in sich trugen, schrieb sie die Buchhandlung 1949 an und nannte ihnen ein paar Titel, an denen sie Interesse hatte.
Einer der Mitarbeiter, Frank Doel, antwortete ihr ein paar Wochen später und schickte ihr direkt ein paar der gewünschten Titel zu.
In „84 Charing Cross Road – Eine Freundschaft in Briefen“veröffentlicht Helene Hanff den Briefwechsel zwischen ihr und Doel, dessen Ehefrau und auch einiger anderer Mitarbeiter*innen von Marks & Co., der sich über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren aufrecht erhält.
Was mit einer einfachen Anfrage beginnt, entwickelt sich zu einer Freundschaft mit dem Ziel der Autorin, einmal ihr geliebtes London zu besuchen und damit auch die Buchhandlung.
1971 schafft sie es endlich, sich ihren Traum zu erfüllen.
In „Die Herzogin der Bloomsbury Street – Eine Amerikanerin in London“erzählt sie in Tagebuchform, was sie dort erlebt.
Der Film „Zwischen den Zeilen“ mit Anne Bancroft als Helene Hanff und Anthony Hopkins als Frank Doel ist sehr sehenswert und meiner Meinung nach wundervoll umgesetzt.
Die Bücher und der Film können unabhängig voneinander genossen werden, ergeben aber ein schönes Gesamtbild dieser besonderen Freundschaft.
“Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht” von Andrea Petković
Autorinnen und Autoren, die über Sport geschrieben haben, fallen mir einige ein – aber Sportler*innen, die literarisch schreiben?
Die ehemalige Top-Ten-Tennisspielerin Andrea Petković hat letztes Jahr einen Erzählband veröffentlicht – und er ist fantastisch! Ich schaue kein Tennis, spiele kein Tennis und doch haben mich die Erzählungen, die alle autobiographisch sind und im Paralleluniversum des Profi-Tennis spielen, eingesogen in diese fremde Welt. Dabei geht es um viel mehr als Tennis.
Erzählt wird eine Coming-of-Age-Geschichte: wie es ist, als Kind eines serbischen Vaters und einer bosnischen Mutter in Darmstadt aufzuwachsen. Der Vater ist Tennistrainer und schuftet von morgens bis abends – bis die Familie es geschafft hat: Das Reihenhaus wird für Petković Zeichen des Ankommens in der deutschen Gesellschaft. Bald rollt die kleine Andrea nicht mehr das R, strengt sich in der Schule besonders an und aus dem Spiel auf dem Tennisplatz wird Ernst. Nicht auffallen und gleichzeitig die Beste sein wird zum ihrem Mantra.
Und Literatur wird Andrea Petković, die bereits als Jugendliche ständig von Turnier zu Turnier reist, zur treuen Begleiterin: David Foster Wallace und Philip Roth sind ihre TOP 2, irgendwo dahinter folgen Haruki Murakami, Jonathan Franzen, Dostojewski, Zadie Smith, Sylvia Plath, Odessa Moshfegh und Virginia Woolf.
Andrea Petković ist eine leidenschaftliche Sportlerin, kompetitiv, emotional – für ihre Wutausbrüche und das Zertrümmern ihrer Schläger ebenso bekannt wie für den „Petko Dance“, wenn sie gewonnen hat. Auch ihr Erzählen lebt von Extremen. Dabei macht Petkovićs Stil der Kontrast aus: Fast schon weise essayistische Passagen über Literatur, Freundschaft, Rivalität, Selbstzweifel und Größenwahn oder den Mut zur Hässlichkeit gehen über in ihren manchmal schnoddrigen Ton, wobei sie immer einen empathischen Blick auf ihre Figuren wahrt. Oft ist das witzig. Und oft wird man nachdenklich. Auf jeden Fall aber wird man am Ende „andrea petkovic vs maria sharapova“ bei Youtube eintippen.
Andrea Petković, Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht. Erzählungen. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2020. Als Buch und E-Book in der Bibliothek.
Aus welchem Roman war das nochmal? Das ist natürlich der Anfang von “Moby Dick” von Herman Melville.
Und doch ist der Text irgendwie … anders. Es handelt sich nicht um das Original, sondern um eine Version in Einfacher Sprache (Herman Melville: Moby Dick. In Einfacher Sprache. Spaß am Lesen Verlag: Münster 2018).
Leichte Sprache, Einfache Sprache – was ist das?
Leichte Sprache folgt einem festen Regelwerk (wobei es mehrere gibt, z. B. die Regeln des Netzwerks Leichter Sprache oder die Empfehlungen von Inclusion Europe). Leichte Sprache verwendet kurze Sätze (maximal sieben Wörter pro Satz), keine Passivkonstruktionen, keinen Konjunktiv und keine Fremdwörter. Der Text soll übersichtlich gegliedert sein, so steht beispielsweise jeder Satz in einer eigenen Zeile.
Einfache Sprache ist demgegenüber ein wenig freier. Hier werden die Regeln der Leichten Sprache als Empfehlung verstanden. In einem Text in Einfacher Sprache wird vielleicht auch einmal der Konjunktiv verwendet oder nicht jeder Satz steht in einer eigenen Zeile.
An wen wendet sich die Leichte/Einfache Sprache?
Die Leichte Sprache soll Menschen das Verstehen von Texten erleichtern, die aus verschiedensten Gründen über eine geringere Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen. Das können Menschen mit Lernschwierigkeiten sein genauso wie Menschen mit Demenz, mit einer anderen Muttersprache oder funktionale Analphabet*innen.
Seit einigen Jahren bietet die Stadtbibliothek Literatur in Einfacher Sprache an (einfach mal in unserem Katalog mit “einfache sprache” suchen). Die meisten Titel stehen im Fachgebiet “Sprache” in der “Zentralbibliothek”.
Es kann sich dabei um Adaptionen klassischer oder zeitgenössischer Texte handeln oder um Texte, die im Original in Einfacher Sprache geschrieben sind.
Dabei ermöglicht Leichte/Einfache Sprache auch denjenigen Menschen einen Zugang zu Literatur, denen dieser bislang versperrt war. Die Schriftstellerin Alexandra Lüthen schreibt in ihrem Plädoyer für Leichte Sprache “Allen eine Chance”, das 2019 im Duden Verlag erschienen ist:
“Lesen war im Fall von Menschen mit Behinderungen etwas für andere, im Fall von Menschen mit degenerativen Gehirnerkrankungen etwas, das man früher gern gemacht hat, jetzt aber nicht mehr kann, bei den Deutsch-als-Zweitsprache-Lesern etwas, für das man erst noch besser Deutsch lernen muss, und bei Menschen mit funktionalem Analphabetismus erfahrungsgemäß etwas, das mit Scham verbunden ist. Ein Großteil dieser Menschen würde aber gern lesen […]” (S. 47).
Und das ist auch möglich! Besonders beeindruckend ist das Projekt, das das Literaturhaus Frankfurt am Main mit der Anthologie “LIES. Literatur in Einfacher Sprache” vorstellt (auch als E-Audio): Hier hat man namhafte Autor*innen wie Arno Geiger, Judith Hermann oder Olga Grjasnowa gebeten, einen Text in Leichter Sprache beizusteuern. Entstanden ist eine für alle lesenswerte Anthologie von Kurzgeschichten, die den Vergleich mit Texten in Standardsprache nicht scheuen müssen.
Und natürlich gibt es in der Bibliothek neben dem erwähnten Band von Alexandra Lüthen auch andere Bücher, die sich theoretisch mit Leichter oder Einfacher Sprache auseinandersetzen, wie z. B. den „Ratgeber Leichte Sprache“.