Kurzfilmbibliothek

6 Apr
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Kurzfilmbibliothek

Seit Kurzem stehen auf der 4. Etage der Zentralbibliothek am Neumarkt zwei Sichtungsplätze des Kurzfilmfestivals Köln (KFFK) zur Verfügung. Unter dem Namen „AVA – Die Kurzfilmbibliothek“ ist hier erstmals eine eindrucksvolle Kurzfilmsammlung entstanden, die KFFK zur Verfügung gestellt wird. Alle Besucherinnen und Besucher der Stadtbibliothek können nun während der Öffnungszeiten kostenlos Filme anschauen, die sonst nur während des Festivals gezeigt werden.

 

Zum Start mehr als 50 national und international erfolgreiche Kurzfilme

Die Installation AudioVisualAccess (AVA) hat das Kurzfilmfestival mit der Stadtbibliothek Köln vereint, was eine Bereicherung für alle darstellt. Die Filmemacherinnen und Filmemacher haben so die große Chance ihre Zielgruppe dauerhaft zu erreichen. Die Suchmöglichkeiten sind vielseitig und das System ist einfach zu bedienen.

Für Kinder wurde ein Filmprogramm mit Altersempfehlung zusammengestellt, das sie ganz einfach auswählen und anschauen können. Studierende und Interessierte der Richtungen Medien und Film können die breit gefächerte Kurzfilmsammlung für Studien- und Recherchezwecke nutzen.

Das Kölner Kurzfilmfestival ermöglicht somit einen Zugang zu den Produktionen der erfolgreichsten lokalen und internationalen Künstler und Künstlerinnen. Auch einzelne Filme oder ganze Programme der letzten zwei Festivalausgaben sind dort zu finden: Von den stärksten deutschen Produktionen und Koproduktionen, die im Deutschen Wettbewerb gegeneinander antraten, über Beiträge der Sonderprogramme bis hin zu den internationalen Festivalgewinnern ist alles vertreten und das Programm wird weiter ausgebaut.

Gezeigt wird etwa „Kaputt” von Volker Schlecht und Alexander Lahl. Der dokumentarische Animationsfilm über Hoheneck, das berüchtigste Frauengefängnis der DDR, gewann nicht nur den Ersten Jurypreis des KFFK N°10, er wurde auch etwa bei dem Sundance Film Festival als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Das mit dem Europäischen Kurzfilmpreis prämierte Werk „9 Days – From My Window In Aleppo” dokumentiert hingegen die Aufzeichnungen des renommierten syrischen Fotografen Issa Touma aus seinem Fenster in der Altstadt Aleppos zu Beginn des dortigen Aufstands. Aber auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz.

Wir freuen uns, damit unser Medienangebot zu erweitern und Cineasten und allen anderen Interessierten damit einen Zugang zu interessanten Filmbeiträgen geben zu können.

Se, Tr

Steffi I. – unsere Kirschblütenprinzessin 2017!

5 Apr

Copyright: Stadtbibliothek Köln

Gestern war es wieder soweit! Bei schönstem Sonnenschein haben wir die diesjährige Kirschblütenprinzessin gekrönt!
Die Jury hielt kurz untereinander Rücksprache und nachdem alle zustimmend nickten, wurde Steffi, die I. mit einem Blumenstrauß überrascht. Strahlend nahm Sie diesen in Empfang und ließ sich auch das Krönchen aufsetzen.

Das sind die Facts, die ihr über Steffi, die I. wissen solltet: Sie ist 26 Jahre alt, und lebt seit einem halben Jahr in Köln. Als Volontärin ist sie beim WDR angestellt und geht heute zum 1. Mal in die Stadtbibliothek am Neumarkt, um dort den 3-Drucker zu inspizieren.

Zum Thema Japan fällt ihr spontan natürlich die Kirschblütenzeit ein. Sushi, die wohl bekannteste Spezialität aus Japan, mag sie selber nicht so gerne, weil sie keinen Fisch isst. Letztens hat sie dann aber stattdessen vegetarisches Sushi probiert, mit Avocado und Frischkäse. Mmmh, das würde sie noch mal essen.
Steffi, die I. war bisher noch nicht in Japan. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Zumindest ihr Bruder war jetzt vor kurzem schon mal in Japan und hat ihr was vorgeschwärmt. Von verkleideten Leuten, die in Manga-Outfits am Straßenverkehr teilnehmen, als wäre es das normalste der Welt.

 

Copyright: Stadtbibliothek Köln

Zum Schluss noch schnell ein paar bezaubernde Bilder vom Josef-Haubrich-Hof mit Sonne, Blütenmeer und Bibliothek im Hintergrund. Und dann schwebte Steffi, die I. von dannen.

Die Kirschblütenprinzessinnen aus den Jahren 2014-2016 findet ihr hier:

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Mit unserem NAO auf der CeBIT 2017

3 Apr

Als wir die Einladung erhielten, waren wir euphorisch: Ein Stand auf der CeBIT 2017 für uns und unseren NAO-Roboter! Im gemeinsamen Bereich der Behörden und Einrichtungen Nordrhein-Westfalens, Stand B28 in Halle 7, dem „Public Sector Parc”. Wir durchliefen die Anmeldungen, schickten Fotos und Texte, gaben beim Messebau einen Tisch mit Plexiglaswänden in Auftrag und rückten am 19. März zum Aufbau an. Am 20. März öffnete die CeBIT dann ihre Tore. Viele der diesjährigen Messethemen passten gut zu dem was uns momentan beschäftigt: Digitalisierung, Robotik, Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität.

Perfekt positioniert an einem der Hauptgänge der Halle 7 zog unser Roboter viel Aufmerksamkeit auf sich. Selten verging eine Minute ohne dass jemand fasziniert stehen blieb und mehr über unseren NAO erfahren wollte. Oft bildeten sich richtige Menschentrauben oder wir gingen wie ein Staffelstab vom einem zum nächsten Gesprächspartner.

Anfangs schien es schwierig von dem allgegenwärtigen „Und was kann der so?“ wegzukommen, doch nach kurzer Zeit hatten wir den Bogen raus. „Der Roboter stellt sich Ihnen am besten erstmal selbst vor.“ Und schon erzählte NAO von seiner Mission: Mit seinem niedlichen Auftreten ist er die perfekte Motivationshilfe, um Kindern und Erwachsenen den Einstieg in die Programmierung zu versüßen. Er bringt eine ganze Reihe von Sensoren, Motoren und Basiseigenschaften mit, um verblüffend komplexe Programme zu erlauben. Allerdings fällt der Einstieg leicht, da in der Programmierumgebung „Choregraphe“ sowohl mit echtem Python-Code als auch mit vorgefertigten Code-Blöcken gearbeitet werden kann. NAO ist nicht unser erster Roboter (wir hatten bereits Kurse mit Lego Mindstorms und Finch-Robotern) aber wir sehen ihn als unseren Einstieg in das Thema Robotik, mit dem sich auch unsere Veranstaltungsreihen geeks@cologne und wissenswert beschäftigen werden. Und da sich die Stadtbibliothek auch in der MINT-Förderung stark macht, wird NAO Vorlesestunden begleiten, in denen Kinder mehr über Wissenschaft und Technik erfahren und kleine Experimente durchführen.

Auf dieser Basis fielen die Gespräch mit den Messebesuchern leicht. Viele informierten sich über die Eigenschaften des Roboters, ließen sich die Programmierumgebung erklären, philosophierten über die Zukunft der Mensch-Roboter-Interaktion, gaben uns ihre Visitenkarten für zukünftige Kooperationen oder zeigten sich verblüfft über die Angebote unserer Bibliothek. Unsere Antwort zu letzterem: Wir sind eine Kultur- und Bildungseinrichtung, ein Ort jenseits des Konsumzwangs. Ja, wir verleihen Bücher und engagieren uns in der Leseförderung, aber wir beschränken uns bei weitem nicht auf das Medium Buch und das geschriebene Wort. Wir sind nicht passiv und statisch, sondern ein aktiver Ort, der Wissen vermittelt, Kreativität fördert und zum Selbertun aufruft. Dazu dienen unser Makerspace, unsere Workshops und unsere Veranstaltungen.

Über unsere Angebote in der digitalen Bildung hielt unsere Direktorin Dr. Hannelore Vogt am 23. März einen Vortrag auf der CeBIT.

Da wir uns nur weiterentwickeln können, wenn wir am Ball bleiben, nutzten wir den CeBIT-Besuch natürlich auch für eine Erkundung der insgesamt 14 Hallen. Hier zum Beispiel unsere Erlebnisse vom 24. März:

Wir fuhren mit einem selbstfahrenden Schweizer Postbus, der uns den Weg durch eine der weitläufigen Hallen ersparte. Dieser Bus ist bereits auf einer 1,5km langen Rundstrecke in Sitten im Testbetrieb.

Neben unserem Stand in Halle 7 präsentierte die Bundesdruckerei die ID MiniFab. Diese kompakte Maschine ist mit Roboterarmen, Förderbändern, Rollen, Fräsen und Nähmaschinen ausgestattet und produziert den neuen Reisepass. Sie ist eine Eigenproduktion der Bundesdruckerei und kann ohne Umrüstzeiten zwischen den verschiedenen Reisepass-Varianten wechseln.

Am Stand des Fraunhofer Instituts konnte man u.a. bei einer Hacking-Schnitzeljagd mitmachen und sein Alter durch ein neuronales Netzwerk schätzen lassen (Merke: Lächeln macht dich jung!). Spannend war es, in die Haut eines KFZ-Mechanikers zu schlüpfen, der sich Montageanleitungen per Augmented Reality direkt am Objekt ansehen kann, indem er ein Tablet davorhält oder eine AR-Brille aufsetzt. Hier wurde mir zum ersten Mal die Microsoft HoloLens aufgesetzt durch deren durchsichtige Gläser ich meine Umgebung immer noch normal wahrnahm, aber gleichzeitig durch Fingerbewegungen einzelne Bauteile anwählen und virtuell herausheben konnte. Dann wurden mir die Platzierung der Schrauben und die empfohlenen Drehmomente angezeigt. Stand ich an der Seite des Autos konnte ich mit der AR-Brille das Innenleben der Fahrertür sehen.

Am Stand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) kam dann unsere nächste AR-Erfahrung. Mit der HoloLens konnte ich Greifarme und Roboterfahrzeuge im per Webcam live dazugeschalteten DFKI-Labor in Saarbrücken bewegen. Hier zeigte sich wie klein der AR-Bildschirm der Hololens ist. Als sich ein Roboter partout nicht anwählen lassen wollte, musste ich feststellen, dass sich das gesuchte Bewegungsmenü schon längst geöffnet hatte: es schwebte aber außerhalb meines AR-Sichtfeldes, so dass ich erst hochgucken musste. An einer anderen Station des DFKI zeigte ein Mitarbeiter wie er mithilfe eines Oberkörper-Exoskeletts die Roboterdame AILA steuern kann. Alle Bewegungen die er mit seinen Armen und Fingern ausführte, übertrugen sich auf den Roboter, der dadurch kleine Kippschalter umlegen konnte. Nebenan konnte sich eine DFKI-Mitarbeiterin per Videochat auf einen Amy-Roboter schalten und so als Telepräsenz herumfahren und mit Besuchern sprechen. Als Einsatzgebiet kommen zum Beispiel allein lebende Senioren in Frage. Ein weiterer Roboter am Stand des DFKI: der kleine NAO. Hier war er in ein Sporttrikot gehüllt und gehörte dem RoboCup-Team B-Human, das ihm seit Jahren höchst erfolgreich das Fußballspielen anprogrammiert. Bei den Fußballwettkämpfen des RoboCup ersetzt der humanoide NAO seit 2007 den Roboterhund AIBO.

Am Stand der Telekom wurde ein Projekt vorgestellt, welches in Kooperation mit der Hansestadt Hamburg ein stadtweites digitales Parkleitsystem etablieren soll. Autofahrer können mit diesem System per App freie Parkplätze suchen. Hierfür werden Narrowband-IoT-Sensoren genutzt, also Sensoren die in einem Netz miteinander kommunizieren, welches für geringe Datenmengen, aber lange Distanzen und eine stabile Übertragung optimiert ist.


Bei IBM stand die Künstliche Intelligenz „Watson“ im Vordergrund. Im selbstfahrenden Bus Olli wird Watson zur Konversation mit den Fahrgästen eingesetzt: die KI beantwortet Fragen zur Wegstrecke und zu seinen Funktionen. Hat man Hunger, so schlägt sie passende Restaurants vor. Dabei muss man sich bei Fragen kaum an die KI anpassen. Hat man von Olli den Wetterberichte erhalten, kann man „Und wie sieht es morgen aus?“ fragen, ohne dabei das Wort Wetter noch einmal zu wiederholen. Olli erkennt den Zusammenhang und antwortet entsprechend. Mit der Hilfe von Watson soll Olli sogar in der Lage sein, sarkastische Antworten der Mitfahrer zu erkennen und darauf adäquat zu reagieren. Ebenfalls am Stand von IBM trafen wir zum ersten Mal NAOs große Schwester Pepper, die ebenfalls an Watson angeschlossen war und Fragen zu Finanzdienstleistungen beantworten konnte. Wie unser NAO kam sie mit der heftigen Geräuschkulisse der Messe aber nicht gut zurecht. Wenn man sie ansprechen wollte, musste man die Umgebung übertönen.

Am Stand von Huawei fiel vor allem das Intelligent Operation Center ins Auge. Auf mehreren verbundenen Großbildschirmen waren Informationen zu Peking visualisiert: Bruttoinlandsprodukt, Verkehrsindex, Luftqualität, Live-Bilder von Videoüberwachungsanlagen, Anzahl und Verteilung von Rettungskräften im gesamten Stadtgebiet und speziell im Nationalstadion.

Ein zweites Mal trafen wir Pepper am Stand ihres Herstellers Aldebaran/SoftBank. Hier war sie mit Apps von Humanizing Technologies ausgestattet und konnte zum Beispiel personalisierte Grüße wiedergeben. Pepper ist im Gegensatz zu NAO übrigens kein Forschungsroboter sondern soll als Service-Roboter zum Beispiel in Kaufhäusern eingesetzt werden. Sie ist 1,20m groß, hat Räder statt Beinen und ein Akku das stattliche 12 Stunden hält.

 

Eine ganze Roboterfamilie trafen wir am Stand von Henan Tanscorp Technology. Der Smart Robot UU tanzte vor großem Publikum während der kleine UNO und der mittelgroße Baymax (Eva aus Wall-E?) eine Pause einlegten.

Nebenan fand gerade ein FPV-Racing-Event statt. Dabei wurden kleine, mit Kameras ausgestattete Drohnen von ihren Piloten durch einen Parcour gesteuert. Die Piloten trugen Brillen, an die das jeweilige Kamerabild live übertragen wurde, so dass sie den Flug im First-Person-View (FPV) erlebten.

Partnerland der CeBIT 2017 war Japan. Hier nur drei beispielhafte Stände der vielen japanischen Unternehmen: So gab es einen Stand an dem ein neuronales Netz in einem kleinen Bauteil implementiert war, welches dann den Weg zwischen 4 Zielobjekten lernte. An einem anderen Stand konnte man mit einem bloßen Blick ein Objekt auswählen, welches dann durch einen Greifarm herbeigeholt wurde (ich habe mich für den Fuji entschieden). Ein weiterer Stand bot Schuhe an, die einem in einer Virtual-Reality-Umgebung unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten vorgaukeln sollen (Wasser, Schnee, Sand etc.) und gleichzeitig die Position der Füße an die Software weitergeben können.

Wie ihr seht hatten wir in jeder Hinsicht einen erfolgreichen CeBIT-Aufenthalt. Wir konnten unsere Geschichte erzählen und haben viel gesehen und gelernt. Vielen Dank an IT.NRW für die Einladung, auf der CeBIT als Aussteller dabei zu sein und für die großartige Standorga! Ebenso einen lieben Gruß an die Kolleginnen und Kollegen, die die anderen Stationen des NRW-Standes betreut und so die Woche mit uns verbracht haben. Ein riesiges Dankeschön an unseren NAO-Praktikanten, der dem NAO-Team der Stadtbibliothek mächtig unter die Arme gegriffen hat und den Roboter mit kleinen Beispielprogrammen und einer Menüstruktur messetauglich gemacht hat.

Und wir drücken der CeBIT die Daumen, denn nächstes Jahr will sie sich neu erfinden. Statt einer Messe möchte sie sich zur einem Innovationsfestival wandeln. Gutes Gelingen!

(ba)

Urban Screens in der Zentralbibliothek

1 Apr

Dass das Digitale und das Analoge schon seit Jahrzehnten verschmelzen, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Manche finden das gut, manche finden das schlecht. Wir halten es mit Richard David Precht: Die Digitalisierung ist ohnehin nicht aufzuhalten! Darum brauche man positive Utopien, statt nur zu sagen: „Mag ich nicht.“

Wir wären nicht wir, wenn wir nicht an der Umsetzung dieser positiven Utopien arbeiten würden.

Smart City Cologne – die Stadtbibliothek zieht vor

Smart ist eine City, wenn sie u.a. technologisch fortgeschritten ist. Aus diesem Grund installieren wir ab sofort in der gesamten Zentralbibliothek so genannte Urban Screens. Das besondere: Es sind nicht einfach Bildschirme, die an der Wand hängen oder in der Gegend herumstehen, sondern diese Urban Screens ersetzen sämtliche Fenster im Gebäude.

Die Fenster werden mit einer touch-sensitiven AMOLED-Folie beschichtet, sodass sie weiterhin transparent bleiben. Es lassen sich aber alle möglichen denkbaren Anwendungen hinzuschalten. Unsere Auszubildende Eileen hat den serienreifen Prototypen für euch getestet.

Der Urban Screen in der Praxis

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Eileen kann die Beleuchtung der Etagen über Schieberegler am Urban Screen steuern. Foto: Stadtbibliothek Köln

Es handelt sich hier um ein effizientes Werkzeug für das Gebäudemanagement. Statt dass der Hausmeister das Licht auf jeder Etage separat an- und ausschalten muss, kann er nun an einem beliebigen Fenster die Innenlichtsteuerung aufrufen. Das selbe gilt für die Aufzugsteuerung und alle anderen vitalen Gebäudefunktionen.

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Pause! Eileen entspannt mit einer Runde DOOM. Foto: Stadtbibliothek Köln

Selbstverständlich kann der Urban Screen jedwede Anwendung aufrufen, die an anderem Ort, quasi in der Cloud, betrieben wird. Das Computerspiel im Bild wird von einem leistungsfähigen Zentralrechner aus gestreamt. Nutzerinnen und Nutzer vor Ort werden ihre Geräte via WLAN mit einem Urban Screen verbinden können.

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Stadtbild: ein Fluss in Oklahoma. Foto: Stadtbibliothek Köln

Stellt es euch so vor: Ihr sitzt auf der zweiten Etage und büffelt für eine Klausur. Hebt ihr den Blick, seht ihr nicht die – durchaus attraktive – Umgebung des Kölner Neumarktes, sondern einen Sandstrand in der Karibik, ein Pyrenäen-Panorama oder den Westerwald. Mehr Holodeck geht nicht! Die Urban Screens vermögen, in Reihe geschaltet, ein ganzes Stadtbild neu zu prägen.

Durch eine spezielle Beschichtung ist es außerdem möglich geworden, dass der Urban Screen Wärme abstrahlt. Gerade in den kalten Jahreszeiten können wir unsere Heizung so entlasten.

Und jetzt?

Dies sind nur einige wenige Anwendungsbeispiele – die wahre Wirkungsmacht der Urban Screens wird sich in Zukunft zeigen. Ab sofort werden wir das neuartige Display nach und nach in der Zentralbibliothek installieren. Bald auch schon auf eurer Lieblingsetage!

Eure Stadtbibliothek Köln – die Smart Library für Smart People in der Smart City Cologne.

P.S.: Übrigens können wir die Screens auch so bespielen, dass sie von außen sichtbar sind. Wir planen, künftig alle FC-Spiele auf der Außenfläche unseres Gebäudes zu übertragen.

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EDIT:

Ihr werdet es schon vermutet haben: Nach dem Einsatz von Google Glass 2014, dem Transport von Medien per Quadrokopter 2015 und der Dating-Plattform 2016 waren die Urban Screens unser Aprilscherz 2017! 😉 Aber: Tatsächlich gibt es für eine unserer Zweigstellen Planungen für Urban Screens. Wie sich dieses Projekt entwickelt, werden wir natürlich auch hier im Blog berichten.

Bildungspartnerschaften – fast wie eine gute Ehe

29 Mrz

Gute Partnerschaften müssen zwar im Alltag ihre Beständigkeit beweisen, aber manchmal ist es auch ganz schön, sie aus dem Alltag herauszuheben und zu feiern. Man feiert die Zeit, die hinter einem liegt, und freut sich auf das, was man noch gemeinsam erleben wird.

Am Montag dieser Woche gab es einen solchen Anlass zum Feiern: Die Initiative Bildungspartnerschaften NRW hat  sozusagen einen neuen Ehevertrag aufgesetzt, nämlich die Gemeinsame Erklärung „Kommunale Bildungs- und Kultureinrichtungen und Schulen sind Bildungspartner in NRW“. Damit werden die Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und außerschulischen Bildungs- und Kultureinrichtungen bis 2025 gestärkt.

(c) Stadtbibliothek Köln

Unterzeichnet wurde diese Erklärung von hochrangigen Gästen: den Ministerinnen Sylvia Löhrmann und Christina Kampmann sowie den Geschäftsführern der kommunalen Spitzenverbände. Neben den politischen Akteuren waren auch Vertreter der Schulen (Lehrerinnen und SchülerInnen) und der außerschulischen Einrichtungen anwesend. Alle Beteiligten konnten noch einmal kurz resümmieren, wie sie diese Partnerschaft erleben und bewerten. So kam ein vielfältiges Bild von ganz praktischen Bildungsbeispielen zusammen. Fazit war, dass das theoretische Lernen in der Schule durch die außerschulischen Lernorte erst erfahrbar gemacht wird und die praktische Komponente für die Schüler und Schülerinnen ganz wichtig ist, um Unterrichtsinhalte wirklich zu begreifen. Die regelmäßigen Besuche helfen dabei, die Partnerschaft zu pflegen und zu intensivieren, und sie betonen den Wert, den die Veranstaltungen für beide Partner haben.

Auch wir waren mit Vertretern unserer Partnerschule bei der Unterzeichnung anwesend. Frau Dr. Küpper-Popp, Chiara, Greta und Finn vom Gymnasium Kreuzgasse und Constanze Döring vom Schulservice der Stadtbibliothek konnten von den Erfahrungen mit dem Methodentraining für die Facharbeit berichten. Und trotz des hochoffiziellen Rahmens im Landtag in Düsseldorf war die Atmosphäre während der Veranstaltung heiter, locker und inspiriert. So kann es mit den Bildungspartnerschaften gerne weitergehen!

(c) Nicole Schäfer (LVR-ZMB)

Edit: Gerade sind noch einige Fotos eingetroffen, die wir euch nicht vorenthalten wollen (alle (c) Nicole Schäfer, LVR-ZMB):

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Aufenthaltstitel, Schwippschwager und Schneegestöber – eine Ehrenamtliche erzählt aus dem sprachraum

22 Mrz

Was bedeutet „Anstand“? Der Herr mit persischer Muttersprache ist hartnäckig. Fast jeden Tag sitzt er hier und büffelt lange Listen mit Satzkonstruktionen. Jetzt versuche ich, ihm die subtilen Bedeutungsebenen von „anständig“ in der deutschen Sprache und dann noch den Begriff aus der Jägersprache zu vermitteln. Ganz schön knifflig, wir schauen schließlich sogar in das gute alte Wörterbuch der Gebrüder Grimm, um uns gemeinsam über die Wortherkunft schlauer zu machen.

Der sprachraum als Angebot der Stadtbibliothek wird täglich nachmittags von einem Team aus zwei Ehrenamtlichen betreut – das bedeutet in erster Linie eine Art „Aufsicht“ über den Raum, verbunden mit Beratung, wo sie gewünscht wird. Und sie wird gewünscht! Am Anfang hatte ich mir noch manchmal etwas zum Arbeiten und mein eigenes Notebook mitgebracht, oder mit meiner Partnerin geplaudert. In letzter Zeit hingegen sitzen wir fast mit der Stoppuhr in den Gesprächen, weil es schon eine kleine Schlange von Wartenden gibt, die ein Anliegen haben. Die Themen sind vielfältig, und es sind längst nicht nur Refugees, die den sprachraum nutzen, sondern eben generell Menschen, die Deutsch lernen. Ob aus Syrien, der Ukraine, Eritrea oder Taiwan.

Ehrenamtliche helfen beim Deutschlernen im sprachraum

 

Ich lerne, du lernst, er sie es lernt …

Und manchmal ist es nicht nur Deutsch: einmal saß ich mit einem jungen Mann mit französischer Muttersprache zusammen, der einfache deutsche Konjugationen („Ich lerne, du lernst, er sie es lernt …“) aufschrieb, und immer eine Zeile frei ließ. Mein mageres Französisch reichte so grade, um mich mit ihm halbwegs zu verständigen. Als er zwei Seiten vollgeschrieben hatte, sagte er: „können wir das jetzt bitte noch in Englisch machen, das muss ich auch noch lernen“. Damit füllten wir dann die leeren Zeilen, und mein Kopf war verknotet zwischen Englisch und Französisch.

Die Stadtbibliothek versorgt den sprachraum mit einem großen Angebot an Lernmaterial, doch die meisten Lernenden bringen inzwischen eigene Arbeitsblätter oder Übungshefte aus ihren verschiedenen Deutschkursen mit. In den unteren Stufen ist das meist ein Lückentext, in höheren Kursen müssen auch schon mal fiktive Heiratsanzeigen aus der Zeitung verstanden und miteinander „verkuppelt“ werden. Die Lehrbücher vermitteln mal mehr, mal weniger aufdringlich auch die deutsche Kultur und Lebensart; bei manchen Übungen muss ich mit meinen Gegenübern regelmäßig schmunzelnd den Kopf schütteln.

Ich bin (erst) seit September 2016 im Team des sprachraums dabei, nachdem ich eine Weile gesucht hatte, was die in mein Leben passende Form des ehrenamtlichen Engagements für Refugees sein könnte. Sprachen und der Umgang mit Menschen liegen mir, deshalb fühlte ich mich hier von Tag 1 an zuhause. Es herrscht eine ruhige Lernatmosphäre, manchmal etwas wuselig, wenn alle Tische besetzt sind, aber immer von gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit geprägt. Und neue Themen im Minutentakt.

 

Schwippschwager oder Gegenschwieger?

Zwei höfliche junge Herren stehen vor dem Schreibtisch und haben eine wichtige Frage: Wie nennt man im Deutschen die Eltern der Schwägerin, also der Frau meines Bruders? Hmmm … nicht mal Wikipedia kann hier helfen, aber ich lerne, dass komplexe Familienbeziehungen anderswo eigene Vokabeln haben, und auch ein neues Wort im Deutschen: „Gegenschwieger“ (das ist es aber nicht).

Ein schönes Erlebnis hatte ich mit einer jungen Frau, die sprachlich schon recht fortgeschritten war und als Hausaufgabe eine Rezension der Tschick-Verfilmung schreiben sollte. Sie hatte das Buch dabei und wir verbrachten eine halbe Stunde damit, über die schönsten Stellen in Roman und Film zu sprechen. Am Ende konnte sie ihren Text dann ganz alleine schreiben und ich ein Tränchen für den wunderbaren Wolfgang Herrndorf verdrücken.

 

Zu Hause oder zu Hause?

Über die Zeit hört man sich ein wenig in die Sprachen ein, die unsere Nutzerinnen und Nutzer untereinander sprechen. Lustig und typisch, wenn dann mitten drin schon deutsche Wortbrocken vorkommen. Bei „Jobcenter“ oder „Aufenthaltstitel“ ist klar warum, überrascht war ich jedoch zunächst, als ich plötzlich das Wort „zu Hause“ hörte. Bis ich verstand, dass die Kölner Flüchtlingsunterkunft gemeint war, im Gegensatz zu dem wirklichen Muttersprach-Zuhause, aus dem die Sprechenden geflüchtet waren.

Die Menschen im sprachraum – Lernende und Ehrenamtliche – sind so verschieden, wie Menschen eben verschieden sind. Die Begegnungen sind wegen des nur zweiwöchentlichen Einsatzes oft flüchtig: jemand will nur noch schnell für den letzten Test pauken oder braucht Unterstützung bei einer Mail ans Amt. Oder Hilfe beim Korrekturlesen des Praktikumsberichts. Oder eine Beratungsstelle für ein spezielles Problem am Arbeitsplatz. Oder moralische Unterstützung, weil die unfassbar unlogische deutsche Grammatik echt frustrierend sein kann …

Manchmal bauen sich aber auch winzige Beziehungen und Erfolgsgeschichten auf, wenn Du in einem Monat mithilfst, im Internet eine Weiterbildung zu buchen, und nach drei Monaten hörst, dass es mit dem festen Job jetzt geklappt hat. Und dann trotzdem noch so schöne deutsche Worte wie „Straßenschlacht“ und „Schneegestöber“ erklären darfst. Das Leuchten in den Augen ist dann gegenseitig.

Dieser Gastbeitrag stammt von einer unserer ehrenamtlichen Helferinnnen, die auf Twitter als @colognella unterwegs ist.

Wer selbst im sprachraum aktiv werden möchte, ist uns herzlich willkommen. Wir suchen laufend ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Zu den Aufgaben gehören Auskünfte über die Angebote des sprachraums und der Stadtbibliothek und weiterführende Hinweise auf Beratungsstellen. Auch Hilfe bei Fragen zur deutschen Sprache sowie bei der Auswahl von Lernmöglichkeiten sollen angeboten werden. Der Einsatz erfolgt alle 14 Tage für 4 bis 5 Stunden. Auch die regelmäßigen Veranstaltungsformate des sprachraums freuen sich immer mal wieder über neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Momentan hat „Tandem – Deutsch lernen zu zweit“ Bedarf.

Alle Informationen zum sprachraum und die Kontaktdaten für angehende Ehrenamtler findet ihr auf www.stbib-koeln.de/sprachraum.

 

Gert Scobel zu Gast in der Stadtbibliothek Köln

20 Mrz

Am Donnerstag, 30. März 2017 um 19:30 Uhr, präsentiert Gert Scobel im Gespräch mit Gisela Steinhauer sein aktuelles Buch „Der fliegende Teppich. Eine Diagnose der Moderne“.

Gert Scobel (© Gaby Gerster) und das Buchcover (© S. Fischer Verlag)

Speziell für unsere Veranstaltung hat uns Gert Scobel den folgenden Kommentar geschickt:

„Auch wenn sich die Grenzen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, Fakten und Fiktion derzeit immer wieder stark verschieben, sich überlappen und ein schwer begehbares Brachland hinterlassen: Fest steht, dass die Moderne eine Zeit der sich zuspitzenden, zugleich aber immer deutlicher hervortretenden Komplexität ist.

Mag die Komplexität auch schon lange dagewesen sein: Neu ist der Zuwachs an Sichtbarkeit doch. Dieser stellt die bisher immer noch stark auf sich selbst bezogenen, voneinander abgegrenzten Wissenschaftsdisziplinen vor große Herausforderungen. 

Denn komplexe Probleme erfordern interdisziplinäre Lösungen. Leider stehen wir erst am Anfang eines wirklich interdisziplinären Denkens und Handelns.

Es würde sich daher lohnen, schon jetzt damit zu beginnen, die Methoden und Strategien inter- und transdisziplinärer Forschung stärker zu berücksichtigen als es in der Ausbildung junger Menschen geschieht.

Auch wenn es häufig verdrängt wird und es äußerst unangenehm sein kann, die Grenzen des Wissens zu erkennen, vor die komplexe Probleme uns stellen: Klar ist, dass sie ein inter- und transdisziplinäres Denken erforderlich machen, um die Zukunft zu bewältigen. 

Komplexität erfordert den Mut zu sagen, was man nicht weiß und den Willen, ernsthaft miteinander zu kooperieren und zusammen zu arbeiten. Nur wenn man sich den Problemen unserer Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven nähert, hat man eine Chance, sie zu lösen – auch auf die Gefahr hin, auf dem Weg zur Lösung von denen, die immer noch an den alten Vorgehensweisen hängen, für dumm gehalten zu werden.“

Als weitere Einstimmung auf die Veranstaltung hier noch ein Zitat aus Kapitel 4 „Fiktiver Realismus“ (mit freundlicher Genehmigung von S. Fischer Verlage) des voraussichtlich am 23. März erscheinenden Buches:

„Ein interessanter Bereich zukünftiger Forschung wird die Beantwortung der Frage sein, ob und wie künstliche Systeme – Roboter und lernfähige, neuronale Computernetzwerke – selbständig zu ihrer Sprache und ihren Bildern der Welt finden werden. Sind künstliche Systeme dazu fähig, ihre Welt zu erfinden und sich selbst kritisch auf diese zu beziehen?
Die Fragestellung zeigt, dass gegenwärtige Philosophie als interdisziplinäre Form kritischer Analyse von Welt und Fiktion zugleich auch experimentelle Philosophie sein muss.

Es gilt herauszufinden, wie natürliche und (möglicherweise) künstlich erzeugte Systeme miteinander interagieren und es zu einer Wechselbeziehung zwischen Fiktion und Realität

kommt, die nicht nur neuartig, sondern ebenso vielschichtig, komplex und pluralistisch ist wie unsere eigene.“

Gert Scobel wurde mehrfach als Wissenschaftsjournalist ausge­zeichnet. Er moderierte 14 Jahre „Kulturzeit“ bei 3sat, war Anchor­man des ARD-Morgenmagazins und ist seit 2008 verantwortlich für die Wissenschaftssendung Sendung „scobel“ (3sat). Seit 2016 ist er Professor für Philosophie und Interdisziplinarität an der Hoch­schule Bonn-Rhein-Sieg.

Gisela Steinhauer arbeitet als freie Journalistin vor allem für den WDR. Sie moderiert Sendungen wie „Mittagsmagazin“ und „Mon­talk“. Für ihr Format „Sonntagsfragen“ erhielt sie den Deutschen Radiopreis 2012 in der Kategorie „Bestes Interview“.

Das Gespräch findet in der Zentralbibliothek am Neumarkt statt und ist Teil unserer Reihe „wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit“.