Tag Archives: 3D

Von Markisen. Eine Begegnung im Makerspace

21 Apr

Neulich kam eine Dame an die Auskunft und zückte ein sonderbares Ding aus Plastik

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Eine Blende für eine alte Markise, fast marode. Foto: Stadtbibliothek Köln

„Meine Markise ist bestimmt schon 50 Jahre alt und ich glaube, dieses Teil hier gibt demnächst den Geist auf.“

Sie hatte gehört, dass man bei uns Dinge einscannen und auch ausdrucken kann – also ab zur Stadtbibliothek! Nach kundiger bibliothekarischer Analyse des Gegenstandes war klar: Unser 3D-Scanner wird davon keine maßgetreue Kopie herstellen können, sondern höchstens eine künstlerisch wertvolle Interpretation. Und der Hersteller der Markise ist ebenfalls nicht aufzutreiben…

Und nun? War guter Rat teuer. „Kennen Sie vielleicht Designer oder Ingenieure in Ihrem Umfeld?“, fragten wir. „Ach, wissen Sie, ich bin schon über 80, die sind alle so alt wie ich…“

Und gerade, als wir sie auf kostenpflichtige Dienstleister aufmerksam machen wollten – die Rettung! Namens Tobias Bode. Aus Overath. Student der Fahrzeugtechnik. Inhaber einer 3D-Lizenz. Belegt zur Zeit verstärkt unseren 3D-Drucker, weil er an seiner Bachelor-Arbeit werkelt.

Er hörte das Gespräch zufällig mit und machte sich mit einem Messschieber aus dem Inventar unseres Hausmeisters freimütig an die Arbeit. Kaum 30 Minuten später war der Zauber mit Solidworks vollbracht.

Weitere 45 Minuten später können wir das Ergebnis in Händen halten. Sieht ziemlich präzise aus, oder?

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Rechts das Original, links die Kopie. Foto: Stadtbibliothek Köln

Herr Bode wurde währenddessen von unserer Markisen-Dame mit Kaffee und Brötchen versorgt. Und Schokolade! Win-Win!

Und was lernen wir daraus?

Ein Makerspace ist nicht nur eine Ansammlung von Technik und Werkzeug – das sind höchstens Startbedingungen. Viel wichtiger: er bringt Menschen unterschiedlichster Interessen und Herkünfte zusammen. Gerade in Bibliotheken, deren Besucherstruktur äußerst heterogen ist, sind die Chancen auf solch fruchtbare Begegnungen hoch.

Die Effekte daraus sind nicht abzusehen – aber umso schöner zu beobachten. Danke, Herr Bode!

sa

Das war unser zweiter 3Day

29 Jun

geeks@cologne gibt es jetzt auf einer eigenen Seite – und hier ist der Nachbericht zum 3Day am 20.06.2015. 🙂

geeks@cologne

Das große Thema 3D legt eine interessante Konjunktur hin – was gewiss auch an der Zirkulation etlicher Hypes liegt, befeuert vom Internet. Vorgestern waren es 3D-Drucker, die die Welt revolutionierten, danach der kleinere, weniger fetzige Bruder 3D-Scanner… und heute ist es die virtuelle Realität für consumer mit Oculus Rift & Co., die nach hardwarebedingter Schlappe in den 90ern dieser Tage ihren zweiten Frühling erlebt.

Es ist unser Anspruch, diesen Entwicklungen auf der Spur zu sein. Stets aus kritischer, mal aber auch aus kindlich-begeisterter Perspektive.

Darum haben wir in diesem Jahr unserem 3Day eine zweite Auflage gegönnt (Nachbericht erste Auflage). Schön war’s! Gegenüber dem Vorjahr ist ein neuer Aspekt hinzugekommen: Die so genannte virtual reality (VR) ist mit großen Schritten unterwegs in den Massenmarkt. Vier der Aussteller brauchten entsprechende Hardware mit und ermöglichten vielen Besuchern erste immersive Erlebnisse in der VR.

Insgesamt neun Aussteller konnten wir im Erdgeschoss der Zentralbibliothek begrüßen –…

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Führerschein 3D-Druck: neue Termine

10 Dez

Seit Mitte 2014 hat unser guter alter 3D-Drucker einen kleinen Bruder bekommen – den Replicator Mini. Wir haben ihn im September am Maker Day der Öffentlichkeit vorgestellt.

Und sonst? Steht er nicht etwa in der Ecke rum – im Gegenteil. Wir haben in den letzten Wochen einige tolle Dinge mit ihm veranstaltet. Einerseits um selbst Erfahrung zu sammeln, andererseits um die Technologie des 3D-Drucks noch weiter für Euch zu öffnen.

Und zwar kann man bei uns einen Führerschein für den Mini machen!

Akteur im Workshop "Führerschein 3D-Druck": Replicator Mini

Akteur im Workshop „Führerschein 3D-Druck“: Replicator Mini

Das bedeutet konkret: Ihr besucht einen ca. zweistündigen Workshop im Makerspace bei uns. Dort erklären wir Euch wie der Drucker im Detail funktioniert und gesteuert wird. Ihr probiert es selbst aus, wechselt eine Filamentrolle und bekommt am Ende ein Stück Papier mit Nutzungsvereinbarung, das Ihr unterschreibt. Bingo!

Voraussetzung für die Teilnahme an einem solchen Workshop sind ein Mindestalter von 16 Jahren und der Besitz eines gültigen Bibliotheksausweises.

Der Führerscheint erlaubt es Euch dann, den Replicator Mini auf der vierten Etage zu reservieren. Ihr könnt Eure eigenen Druckprojekte realisieren und zahlt keine Gebühren – Reservierung und Nutzung sind kostenlos, es fallen auch keine Materialkosten an.

Neue Termine

Im letzten Makerspace-Programm konnten wir 21 Führerscheine unter’s Volk bringen. Und weil die Nachfrage so groß ist, geht es weiter! Losgelöst vom Makerspace-Programm, dafür dann auch schon ab Januar 2015. Hier die Termine:

  • Mittwoch, 7. Januar 2015, 10:00 bis 12:00 Uhr
  • Freitag, 9. Januar 2015, 15:00 bis 17:00 Uhr
  • Donnerstag, 15. Januar 2015, 16:00 bis 18:00 Uhr
  • Mittwoch, 21. Januar 2015, 10:00 bis 12:00 Uhr
  • Freitag, 23. Januar 2015, 15:00 bis 17:00 Uhr
  • Donnerstag, 29. Januar 2015, 16:00 bis 18:00 Uhr

Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, denn die Kapazitäten sind begrenzt. Schreibt uns bitte dazu eine E-Mail mit Betreff „Anmeldung Führerschein 3D-Druck“ an 3d-drucker@stbib-koeln.de. Die E-Mail muss die folgenden Angaben enthalten:

  • Vor- und Nachname
  • Datum des Workshops
  • ggf. Telefonnummer
  • Mitgliedsnummer (zu finden auf Eurer Bibliothekskarte)

Der Workshop findet auf der vierten Etage im Makerspace statt. Fragen gerne in die Kommentare zu diesem Beitrag. Wir freuen uns auf Euch!

sa

So war’s und so wird’s sein: Makerspace im Herbst

25 Aug

Das Jahr 2014 macht uns bisher großen Spaß. Denn von März bis Juni lief unser erstes Makerspace-Programm mit Workshops, viel Tüftelei und noch mehr Kreativität. Es auf den Weg zu bringen war spannend und wir planten ein wenig ins Ungewisse. Wird das Programm akzeptiert? Traut man uns das zu? Klappt die Technik in den Workshops? Sprechen wir die richtige Zielgruppe an?

Selbstzweifel sind Wegweiser, sagt Philosoph Manfred Hinrich. Na dann.

Dazu ein schlaglichtartiger Rückblick – und ein Ausblick auf das Herbstprogramm, das wir heute vorstellen.

So war’s

Das Themenspektrum der Workshops war groß, wir legten den Fokus aber bewusst auf audiovisuelle bzw. künstlerisch-musische Themen.  Passend dazu eröffneten Maximilian Peer und Noah Fantazi, beide Schüler der Kaiserin-Augusta-Schule, den Makerspace mit einem Workshop zu SketchUp, einem kostenloses Programm für 3D-Modellierung.  Weiter ging es mit einigen Workshops zu kreativem Schreiben für Blogger sowie einer sehr ertragreichen Streetart-Werkstatt, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Schülern der Kaiserin-Augusta-Schule. Danke, Meret Wellmann und Giannina Bauer! Die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen (siehe Galerie).

Ordentlich gefrickelt haben unsere Besucher im Arduino-Workshop für Einsteiger. Dort wurden Sensoren, Aktoren und viele viele Drähte auf Mikrocontrollern installiert, welche dann wiederum verschiedenste Aufgaben übernehmen können. Schonmal eine Füllstandsanzeige für eine Kaffeemaschine gebaut? Kann man in der Bibliothek lernen. Danke an Reinhard Nickels und Uwe Ziegenhagen von der Kölner DingFabrik!

 

Ganz undigital, dafür umso kreativer ging es im Scrapbooking-Workshop von Barbara Haane zu. In echter Handarbeit entstanden dort aus Karten, Taschen, Pappe und Klappen ansehnliche Fotoalben für Familien- oder Urlaubserinnerungen. Toll! In eine ähnliche Kerbe schlug der mt masking-tape-Workshop von Kerstin Schiemenz – auch dort stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit vergleichsweise einfachen Mitteln ästhetische Verzierungen her. Die Bilder sprechen für sich.

Thomas Riedel alias @boydroid brachte seine Kompetenz als Journalist und Podcaster ein, indem er zwei Seminare zum Thema Podcasting anbot. Welches Equipment muss ich wie miteinander kombinieren? Wie läuft die Aufnahme rund? Wie geht die Nachbearbeitung? Und – ganz wichtig – wie präsentiere ich das alles angemessen im Web? Diese und andere Fragen behandelte Thomas mit audiophilen Makern.

Und das sind nur einige Beispiele – alles in allem blicken wir auf gelungene Workshops zurück und freuen uns über Menschen, die bei uns schlauer und um Erfahrung reicher geworden sind. Die Rechnung ist aufgegangen – aber damit sind wir noch nicht am Ende.

So wird’s sein

Ab September geht es nämlich weiter. Vierundzwanzig Workshops warten auf Euch und Eure Ideen. Mit dabei ist Bewährtes, z.B. 3D-Modellierung mit SketchUp, Digitale Fotografie und Bildbearbeitung, Podcasting und Arduino, Streetart und mehr. Und wieder sind Schülerinnen und Schüler der Kaiserin-Augusta-Schule mit an Bord.

Es gibt aber auch einige Neuheiten und Highlights. Neu sind z.B. Workshops zu kreativem Verpackungsdesign, Selbstmarketing im Internet und Musikproduktion mit Ableton Live. Wir freuen uns besonders auf einen Workshop, der zusammen mit Soundkünstler Joker Nies stattfindet: Circuit Bending! Dort greift Ihr in das Schaltungsdesign von Geräten ein und provoziert gewollte Fehlfunktionen, um neue Klangerlebnisse zu kreieren. Der Workshop ist mehrtägig und gipfelt in einem Abschlusskonzert in unserem Haus.

Spannend wird auch ein Workshop mit dem klingenden Namen Ich backe mein Familienkochbuch, der sich ebenfalls über mehrere Tage erstreckt. Dort sammelt Ihr Texte und Bilder und layoutet das perfekte Weihnachtsgeschenk: ein ganz persönliches Familienkochbuch.

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass wir uns einen zweiten 3D-Drucker gegönnt haben: Den MakerBot Replicator Mini! Und diesen werden wir in einer Testphase auch unter der Woche für Euch zugänglich machen. Dazu gibt es im Makerspace-Programm einige Workshops, in denen Ihr lernt das Gerät selbstständig zu bedienen. So erhaltet Ihr am Ende einen Führerschein, mit dem Ihr dann Maschinenzeit am Drucker bei uns buchen und Eure 3D-Projekte komplett selbstständig verwirklichen könnt – kostenlos! Einzige Voraussetzung ist ein gültiger Bibliotheksausweis und ein Mindestalter von 16 Jahren.

Soweit die Vorstellung. Am 5. September starten Antonia Bornefeld und Daniil Belazovschi mit einem Workshop zu Digitaler Fotografie. Meldet Euch fleißig an! Es bleibt weiter spannend.

Zuletzt nur noch ein Hinweis: Der Makerspace lebt von Euch und Eurer Beteiligung. Und er soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden – aber das geht nur mit Eurer Hilfe! Wenn Ihr also ein Experte auf einem speziellen Gebiet seid oder glaubt, dass Euer Hobby zu unserem Konzept passen könnte, freuen wir uns auf Eure Rückmeldung. Egal ob Workshop oder Stammtisch: Alles ist möglich.

Und: Die in den Workshops benutzten Technologien, Geräte und Software stehen Euch auch außerhalb der Workshops zur Verfügung. Mehr Informationen unter: http://www.stbib-koeln.de/die4

Das neue Programm findet Ihr ab sofort unter https://stadtbibliothekkoeln.wordpress.com/makerspace – oder klickt oben im Menu auf  Makerspace.

sa

3Day: Die Gewinner

1 Jul

Unser 3Day hat nicht nur jede Menge toller Technik ausgestellt, sondern auch Euch selbst aktiv werden lassen. An unserem Stand gab es einen Wettbewerb mit unserem 3D-Stift 3Doodler. Wer innerhalb von 15 Minuten das schönste Objekt zusammendoodelte, hat eine Chance auf schicke Preise von uns und dem O’Reilly-Verlag.

Insgesamt acht Künstlerinnen und Künstler haben ihre Kreativität in Plastik fließen lassen. Eine unabhängige, unbestechliche und unfassbar kompetente Jury hat sich jetzt die feinziselierten Machwerke angesehen und fällt ihr unumstößliches Urteil im Namen der Bibliothek.

Kommen wir zur Einzelkritik der drei Gewinner.

Platz 3

"Bernhardiner" von Tine

„Bernhardiner“ von Tine (Klick für volle Auflösung)

Der ehrenvolle dritte Platz geht an Tine und ihr Werk Bernhardiner. Die deskriptiv betitelte Skulptur zeigt einen, nun, Bernhardiner, kommt in flach gehaltener Struktur daher und erinnert im Phänotyp leicht an Jake the Dog aus Adventure Time. Auffallend ist die für Säugetiere untypische Farbgebung in Rot, den grünen Bereich interpretieren wir wohlwollend als spontanen Kuss einer Muse. Lob gilt dem klugen Einsatz von Stützstrukturen, damit die Skulptur auch aufrecht stehen kann, ohne dass dem Bernhardiner Augen, Nase und Schnauze aus dem Gesicht kullern. Dieser ausgefuchste Trick und die simple Schönheit der Skulptur sind uns einen guten dritten Platz wert, der mit dem Ultimate Guide to 3D Printing der Zeitschrift Make, einem Kölner Dom aus unserem Drucker sowie einer kostenlosen dreimonatigen Mitgliedschaft bei uns belohnt wird. Herzlichen Glückwunsch, Tine!

Platz 2

"Schlüsselschwert" von Semih

„Schlüsselschwert“ von Semih (Klick für volle Auflösung)

Ein Schlüssel öffnet Türen, ein Schwert öffnet Körper. Oder so. Und was öffnet Semihs Schlüsselschwert? Auf jeden Fall unsere Herzen (im nicht-blutigen Sinne)! Semihs stabile Kreation ist dreifarbig (Gelb, Schwarz, Gold) und verglichen mit anderen Doodles richtig stabil. Zum anpacken… wie ein Schwert eben sein soll. Dreht man die Kreation um, erkennt man Semihs geschickte Doodle-Technik: Offensichtlich hat er zuerst die Außenkonturen gezogen und die Innenräume dann Schicht für Schicht aufgetragen. Wie ein Mensch gewordener 3D-Drucker. Ein netter Zusatz ist der filigrane Anhänger – der wackelt lustig, wenn man mit dem Finger dran schnippt. Und weil wir heillos verlorene Spielkinder sind, bekommt Semih dafür den zweiten Platz. Ihm winken als Preise: Ein Ultimate Guide to 3D Printing der Zeitschrift Make, ein E-Book-Gutschein vom O’Reilly-Verlag, ein Kölner Dom aus unserem Drucker sowie eine kostenlose dreimonatige Mitgliedschaft bei uns. Herzlichen Glückwunsch, Samih!

Platz 1

"Stuhl mit Füßen" von Sabine (Klick für volle Auflösung)

„Stuhl mit Füßen“ von Sabine (Klick für volle Auflösung)

Sabines schlicht betitelter Stuhl mit Füßen ist ein idealtypisches Doodle mit kreativem Einschlag. Der geneigte Betrachter erkennt auf den ersten Blick tatsächlich ein wackeliges Sitzmöbel. Doch dann fällt der Blick auf die sonderbaren Details. Füße? Am Stuhl? Wie abgefahren! Das kleine Herzchen in der Rückenlehne lässt die Skulptur letztlich zur Kontemplation einladen – sie oszilliert zwischen anthropomorphem Sitzmöbel und Plumpsklo. Besonders beeindruckt hat uns, dass sich Sabines Stuhl tatsächlich in den Raum erhebt (und auch in die Luft gezeichnet wurde). Während die anderen preisgekrönten Objekte eigentlich Flach liegen, steht der Stuhl frei, ist echt 3D. Außerdem steht die Skulptur offenherzig zu ihrer krakeligen Doodle-Ästhetik. Für all dies vergeben wir gerne den ersten Platz. Als Preise bekommt die Künstlerin das Buch Make: 3D Printing, ein E-Book-Gutschein vom O’Reilly-Verlag, einen Wunschdruck auf unserem 3D-Drucker sowie eine kostenlose Jahresmitgliedschaft bei uns. Herzlichen Glückwunsch, Sabine!

Unter ferner liefen…

In Kürze melden wir uns bei den Gewinnern per E-Mail. Ein großes Dankeschön gilt an alle, die sich am Wettbewerb beteiligt haben. Ihr habt toll gedoodelt! Dafür, dass man nur 15 Minuten Zeit hatte sich mit dem doch recht schwierig zu bedienenden Gerät vertraut zu machen, sind durchweg tolle Doodles entstanden. In der Galerie die harte Konkurrenz für die Gewinner.

sa

Neu im Team: der 3Doodler

23 Apr

Die Rückkehr des Manuellen, des Händischen und der in Kauf genommenen, sogar gewollten Unsauberkeit menschlicher Motorik ist nicht nur in der elektronischen Musik zu finden, sondern auch im Sektor des 3D-Drucks. Wo das Berlinern Ensemble Brandt Brauer Frick Synthesizer mit Percussion, Klavier und Streichern ersetzt, sind es beim 3D-Drucker etwa die Achsmotoren, die zurück in den Kompetenzbereich menschlicher Muskulatur fallen.

Wie das konkret funktioniert, könnt ihr euch am kommenden Samstag, 26. April, bei uns in der Zentralbibliothek ansehen. Wir haben uns nämlich den 3Doodler gekauft – das ist ein neuartiger, elektrisch betriebener Stift, mit dem man dreidimensionale Zeichnungen und Modelle erstellen kann.

Ähnlich wie bei unserem 3D-Drucker wird dazu ein Kunststofffaden (wahlweise ABS oder PLA) ins Gerät eingeführt, aufgeschmolzen, und dann in flüssiger Form wieder ausgegeben. Der Kunststoff härtet dabei sofort wieder aus. So ist es möglich, einerseits flache Strukturen auf einer Fläche zu zeichnen, andererseits den Stift in der Vertikalen nach oben zu ziehen und „in der Luft“ zu malen.

Unsere ersten Tests haben gezeigt, dass das gar nicht so leicht von der Hand geht wie vermutet. (Oder, dass Bibliothekare kein künstlerisches Talent haben.) Lässt man sich aber drauf ein, übt ein wenig und benutzt vielleicht eine vom Hersteller angebotene Schablone, wird es besser. Die teils schräge „Quick & Dirty“-Optik der Ergebnisse bleibt aber offensichtlich – und hat auch ihre eigenen ästhetischen Reize (Tim Burton lässt grüßen).

Hand angelegt: Erste Versuche in 2D (Herz, Sprechblase, Buchstabe M) und 3D (Würfel, missglückter Würfel und Bürokatapult nach Vorlage).

Hand angelegt: Erste Versuche in 2D (Herz, Sprechblase, Buchstabe M) und 3D (Würfel, missglückter Würfel und Bürokatapult nach Vorlage).

Schnell wurde klar, dass sich der 3Doodler vor allem für künstlerische und kreative Objekte eignet. Mit etwas Übung kann man komplexe dreidimensionale Strukturen als Drahtgittermodell erstellen (wie z.B. das Modell eines Eiffelturms) und danach freie Flächen Schicht für Schicht ausfüllen und aneinanderdoodlen. Wir bleiben da auf jeden Fall am Ball und natürlich soll es demnächst auch den ersten Kölner Dom aus dem 3Doodler geben.

Technologien rund um den Sektor 3D sind mittlerweile eng mit unserem Haus verzahnt und wir freuen uns, mit dem 3Doodler eine weitere, kreativ einsetzbare Technologie vor Ort präsentieren zu können. Er wird am Samstag, den 26.04.2014 von 10 bis 15 Uhr auf der 4. Etage der Zentralbibliothek dem Publikum präsentiert. Schaut vorbei!

sa

PS: Am 21. Juni findet unser 3Day statt: Wir versammeln Enthusiasten und Firmen aus Köln und Umgebung, die sich mit den Technologien beschäftigen, und bestücken unseren Veranstaltungsraum mit ihren 3D-Druckern und 3D-Scannern. Während unserer Öffnungszeiten führen die Aussteller ihre Hard- und Software vor, zeigen Projekte, die mit 3D-Druck und 3D-Scan verwirklicht wurden, und stehen für Erklärungen und zum Fachsimpeln bereit. Nebenher wird live 3D-modelliert und auch die ein oder andere Aktion wird nicht fehlen. Mehr Informationen auf unserer geeks@cologne-Seite. Der 3Doodler ist natürlich auch dabei.

Intelligente Werkzeuge in der HWK Köln

8 Apr

Wie viele Diplom-Ingenieure braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?

Keine Ahnung, aber wahrscheinlich finden sie eine Lösung. Und ab demnächst könnte diese Lösung durchaus mit 3D-Druck zu tun haben.

Am vergangenen Freitag trafen sich nämlich Dipl.-Ing.s, Dipl.-Kfm.s und jede Menge anderer Dipl.s auf Einladung des Technologie-Transfer-Rings Handwerk NRW in den Hallen der Handwerkskammer zu Köln, um über 3D-Druck zu diskutieren. Unter dem Titel 3D # Daten Digital Drucken sollte der Frage nachgegangen werden, ob 3D-Druck (und 3D-Scan) denn nun tatsächlich die oft propagierte dritte industrielle Revolution einläute – oder ob es sich nur um einen Medienhype handele.

Um sich dieser Frage anzunähern, kamen verschiedene Experten aus dem Bereich der generativen Fertigungsverfahren zu Wort. Den Anfang machte René Bohne vom FabLab der RWTH Aachen. Der Fachmann für Mensch-Computer-Interaktion kam über das wearable computing (das sind in die Kleidung integrierte Minicomputer) an den 3D-Druck. Mit viel Witz legte er die handwerklichen Defizite von Informatikern dar – sie hätten keine Ahnung von Material und Statik geschweigedenn irgendwelche handwerklichen Fähigkeiten. Für solcherlei Dinge programmieren sie lieber Maschinen, die dann das Handfeste für sie erledigen. Und so hat das FabLab in Aachen bis heute einen beachtlichen Gerätepark zusammengestellt: 3D-Drucker Dimension Elite, selbst gebauter MakerBot Cupcake CNC, Lasercutter… und mehr. Bohne erklärte Funktionsweisen und Vor- und Nachteile der einzelnen Geräte. Sehr spannend!

René Bohne demonstriert nach seinem Vortrag den FabScan – ein 3D-Scanner, den man sich für rund 100 Euro selbst zusammenbauen kann.

Als nächstes durfte Alexander Speckmann, Gründungsmitglied der Kölner Dingfabrik, über Druck und Scan referieren. Seine Prämisse: Einzuordnen ob 3D-Druck nun Revolution oder Evolution ist, sei Aufgabe der Historiker – viel wichtiger sei, was aktuell geschehe und wie man damit umzugehen habe. In einem kreativen Rundumschlag stellte Speckmann das grundlegende Konzept der 3D-Drucker als „Materialportionierer“ dar: von Zucker über Speisepüree bis zu Mäusenieren – ein 3D-Drucker tut eigentlich nichts anderes, als ein gewisses Basismaterial sehr genau, automatisch und mechanisch präzise zu organisieren. Und darum sei 3D-Druck besonders bei Einzelstücken stark, wie sie die Prothetik z.B. fordert.

Ein anderes Beispiel ist eine tatsächlich funktionierende Stradivari aus dem Drucker. Sie diente Speckmann als Indikator dafür, dass durch die automatisierte Fertigung der Geige das traditionelle Handwerk sogar aufgewertet werde. Logisch: In der handgemachten Meistergitarre steckt im Zweifel mehr Arbeitskraft und echtes Holz klingt für den Kenner wohl besser als die Kompromisslösung aus dem Drucker. Und um dem aktuellen Hype etwas entgegenzuwirken betonte Speckmann, dass nicht jedes Druckverfahren mittel- bis langfristig für’s Wohnzimmer tauge. Das Basismaterial für Pulverdrucker ist umständlich, teilweise entstehen giftige Dämpfe und es gibt Preisgrenzen, die nicht unterschritten werden können.

Nach der Theorie die Praxis: Oliver Rosito ist Designer aus Köln und hat sich aus Interesse einen MakerBot Replicator 2 gekauft. Und sofort taten sich neue und spannende Anwendungsmöglichkeiten für ihn auf. So kamen etwa etliche Anfragen aus dem Handwerk zu kleinen Ersatzteilen. Einen Halterungsring, der nicht produziert wird, konnte Rosito für 30 Euro umsetzen – inklusive Design am Computer und Ausdruck. Ein anderer Kunde brauchte für seinen Oldtimer eine möglichst originalgetreue Tachonadel und Gummidichtungen. Zwar kann Rositos Replicator weder Gummi noch Glas verarbeiten, aber er modellierte Negativformen, die dann nur mit dem entsprechenden Material gefüllt werden mussten. Diese und weitere Beispiele belegen, dass es durchaus praktische Anwendungen für 3D-Drucker gibt, welche sich explizit an Privatleute und Kleinunternehmer richten.

Oliver Rosito holt das Maximum aus seinem MakerBot raus: u.a. ein Dom-Förmchen und ein Prototyp für eine Maus aus Holz-Filament

Oliver Rosito holt das Maximum aus seinem MakerBot raus: u.a. ein Dom-Förmchen und ein Prototyp für eine Maus aus Holz-Filament

Das Preisspektrum rollte Harald Schmitz der HWK Köln von der anderen Seite auf: Wo ein MakerBot rund 2.000 Euro kostet, müsste man für einen Computertomographen von Zeiss ca. 500.000 Euro berappen. Das ist dann aber ein 3D-Scanner, der auch das Innenleben von Objekten erfasst und mit acht Tonnen etwa die Dimensionen eines Kinderzimmers aufweist.

Schmitz bilanzierte: Das Handwerk wird auf keinen Fall ersetzt! Ganz im Gegenteil. Symptomatisch für den 3D-Druck und die Gesellschaft, in der er möglich ist, sind:

  • fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft,
  • kürzere Produktzyklen,
  • automatisierte Herstellung,
  • kaum Nacharbeit,
  • große Materialvielfalt.

Und angesichts dieser Trends zeigt sich, dass die Expertise des Handwerks wichtiger denn je werde. Wo Prozesse und Materialien im Zentrum stehen, wird die Kenntnis um ebendiese zentral. Nach Schmitz sind die folgenden Handwerke von 3D-Druck und -Scan betroffen: Konditoren, Tischler, Elektriker, Formen- und Modellbauer, Zahntechniker, Hörgeräteakuster, Orthopäden, Schuhmacher, Schneider, Kürschner, Modisten… und Goldschmiede. Tendenz steigend.

In einem angenehm bodenständigen Fazit charakterisiert Schmitz das Thema 3D weder als Weltrevolution, noch als inhaltslosen Hype – denn die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Und so ist seine Formulierung des 3D-Drucks als „intelligentes Werkzeug“ sehr treffend.

sa

PS: Wir konnten auf der Veranstaltung einige Kontakte für unseren 3Day knüpfen, der im Sommer in der Zentralbibliothek stattfindet: Wir versammeln Enthusiasten und Firmen aus Köln und Umgebung, die sich mit den Technologien beschäftigen, und bestücken unseren Veranstaltungsraum mit ihren 3D-Druckern und 3D-Scannern. Während unserer Öffnungszeiten führen die Aussteller ihre Hard- und Software vor, zeigen Projekte, die mit 3D-Druck und 3D-Scan verwirklicht wurden, und stehen für Erklärungen und zum Fachsimpeln bereit. Nebenher wird live 3D-modelliert und auch die ein oder andere Aktion wird nicht fehlen. Mehr Informationen auf unserer geeks@cologne-Seite.