Tag Archives: berufsbild

Kölner Kulturpreis geht an Hannelore Vogt und Werner Jung

20 Mai

Am Mittwoch erreichte uns diese großartige Nachricht und wir sind noch immer begeistert und gratulieren ganz herzlich!

43 Kölner Kulturpreis Foto Vogt

Hannelore Vogt

Die Jury des 7. Kölner Kulturpreises hat unsere Direktorin Dr. Hannelore Vogt zur Kulturmanagerin des Jahres 2015 gewählt und Dr. Werner Jung, Direktor des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Der Kulturpreis ist eine Auszeichnung des Kölner Kulturrats, mit dem dieser die Leistungen des Vorjahres würdigt.

In der Begründung der Jury heißt es, Dr. Vogt habe ihre Einrichtung zu einer der attraktivsten ihrer Art in Europa gemacht und mutig mit unkonventionellen Denkansätzen viele innovative Entwicklungen angestoßen – mit einer überwältigenden Resonanz bei den Nutzerinnen und Nutzern. Die Stadtbibliothek Köln mit der Zentrale am Neumarkt, elf Stadtteilbibliotheken und dem Bücherbus sei interdisziplinär vernetzt und ergänze mit Kulturangeboten den üblicherweise zu erwartenden Bibliotheksservice. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro dotiert.

Einen Ehrenpreis hat die Jury des Kölner Kulturpreises zum sechsten Mal nach 2011 verliehen. Damit sollen Personen oder Einrichtungen gewürdigt werden, die der Kölner Kultur bedeutende Impulse gegeben haben. Der diesjährige Preisträger Dr. Werner Jung halte, so die Jury, mit dem NS-Dokumentationszentrum als weit über die Grenzen Kölns hinaus bekannte und geschätzte Institution die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit wach. So leiste er einen wertvollen Beitrag zur aktuellen politischen Diskussion über Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung.

Zur Jury des Kölner Kulturpreises gehörten in diesem Jahr der Vorsitzende des Kulturrats NRW, Gerhart Baum, der Intendant des Bonner Kunstmuseums, Prof. Dr. Stephan Berg, die ehemalige Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, Regina Wyrwoll, der Inhaber der literarischen Buchhandlung Bittner, Klaus Bittner, der Kulturjournalist Martin Oehlen, der Aufsichtsratsvorsitzende der Generali Deutschland Holding AG, Dietmar Meister, der Vorsitzende des Kunstsalon Köln e.V., Dr. Peter Bach, Olaf Wegner von ifp und der Sprecher des Kölner Kulturrats, Dr. Hermann Hollmann.

Auf Forschungsreise: Als #BibRanger in der Stadtbibliothek Köln

3 Mrz

„Es begab sich an einem Morgen im Monat Dezember. Ich stand unter der Dusche, duschte so vor mich hin und dann … *dramatischeMusik*“

Auf ihrer #Bibreise durch einige Bibliotheken NRWs wollte Wibke Ladwig auch unseren Arbeitsalltag genauer kennelernen. Und so verbrachte sie im Februar 2016 einen Tag mit uns. Stauraum, Einstellen, Schulservice, EDV, Infotheke, Makerspace: Wibke did it all. Herausgekommen ist ein toller Blogartikel, den wir euch wärmstens ans Herz legen: Auf Forschungsreise: Als #BibRanger in der Stadtbibliothek Köln

 

Unser #BibRanger (Quelle: Wibke Ladwig)

(ba)

Wenn eine Bibliothek ein Filmportal erschafft

10 Mrz

Die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover hat etwas sehr Spannendes erschaffen. Ein Portal für wissenschaftliche Filme: av.getinfo.de. Jetzt könnte man fragen, warum die TIB nicht einfach herkömmliche Videoportale mit eigenem Kanal benutzt?

Das hier entstandene Videoportal erschließt das Videomaterial in vielfacher Form und so wird es viel durchsuchbarer und detaillierter dargeboten, als das andere Dienste leisten könnten. Bei Youtube zum Beispiel werden eigentlich nur die beigefügten Texte und Schlagworte oder der Titel erschlossen. Das heißt nur die Informationen die dort stehen, können auch gefunden werden. Wenn es aber im Video noch andere Aspekte gibt, die nicht in diesen Angaben stehen, dann sind sie für die Suche erst einmal unauffindbar. Die TIB lässt aber über jeden Film, der hinzukommt, einige Software laufen, um viel erweiterndes Datenmaterial zur Erschließung der Materialien zu gewinnen. Das Ergebnis ist erstaunlich und kann sich sehen lassen.Szenenerkennung des AV-Portals der Technischen Informationsbibliothek

So wird zuallererst geprüft, aus welchen Szenen ein Film besteht und ein visuelles Inhaltsverzeichnis entsteht, durch das man schnell bestimmte Elemente (wieder-)finden kann. Mancher Videodienst, den man online findet, bietet so etwas bereits in kleinerer Form auch schon an, wenn man mit der Maus über den Fortschrittsbalken fährt. Eine weitere Software prüft die Abbildungen hinsichtlich enthaltener Textelemente, wie zum Beispiel textuelle Einblendungen. Die daraus gewonnenen Begriffe werden mit weiteren Daten, wie dem von der Software erkannten Bildinhalt (z.B.: Animation, Vorlesung, Maschine, etc.) kombiniert. Anschließend gleicht eine weitere Software die erkannten Begrifflichkeiten mit Datenbanken im Hintergrund ab und versieht das verwendete Vokabular mit Ober- und Unterbegriffen, die dazu in Beziehung stehen und ergänzt auch Synonyme oder anderssprachliche Terme (so wird auch eine englische Suche möglich, bei deutschen Daten).Erkannte Terme des AV-Portals der Technischen Informationsbibliothek Es entsteht eine große Datenbasis, die dann bei der Recherche abgefragt werden kann. Ganz nebenbei wird auch der Inhalt der Filme klassifiziert und bestimmten sachlichen Genres zugeordnet.

Das klingt alles ziemlich verwirrend und umfangreich. Es dient aber alles dazu, Inhalte, die Wissenschaftlern oder anderen interessierten Menschen verborgen bleiben würden, besser auffindbar zu machen. Ebenfalls verschriftlicht und in den Suchindex aufgenommen wird das gesprochene Wort, welches unter Audiotranskript zu finden ist. Im Prinzip soll so jedes gesagte Wort auffindbar werden. So ein Audiotranskript bietet natürlich auch Tücken und gesprochene Worte zu erkennen ist für Software nicht so leicht, wie man spätestens feststellt, wenn man versucht ähnliche Technologien mit eigenen Geräten zu verwenden (z.B. Siri, Google Now, etc.). Versuchen Sie mal mit dem Diktierprogramm Ihres PCs (vorausgesetzt Sie haben ein Mikrofon) einen Text einzusprechen, der genau erkannt wird, und Sie werden sehen, dass es Schwierigkeiten geben wird. Viel wichtiger als die genaue Erkennung jeden Füllwortes sind dabei erkannte Wörter, die auch gesucht würden. Diese führen dann bei einer Erkennung zu einem Treffer bei der Suche und bieten so einen weiteren Sucheinstieg.  Audiotranskript im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek

Die automatisierte Medienanalyse dieses Portals, die das komplette Füllhorn an Software im Hintergrund umfasst, befindet sich in einer Beta-Phase und es wird bestimmt an vielen Ecken und Enden noch geschraubt und getüftelt, daher wird sich zeigen, wie perfekt die einzelnen Tools werden können und was in der Zukunft vielleicht noch hinzukommt.

Das Videospektrum der TIB richtet sich natürlich hauptsächlich an wissenschaftliche Nutzer, doch für Schüler, die für Ihre Facharbeit in den wissenschaftlichen Startlöchern stehen oder interessierte Nutzer finden wir das Thema unbedingt interessant und daher zeigen wir das neue Tool der TIB auch heute hier. Hoffentlich konnte das sehr bibliothekarische Tool, was bei uns auf jeden Fall auf Begeisterung stieß, weitere Fans finden.

Einfach mal ausprobieren und ein bisschen mit den Möglichkeiten spielen und versprochen, manche der Videos sind unterhaltsamer oder interessanter als viele Youtube-Videos.

bp

 

 

 

 

Die neue Bibliothekarin: Ganz schön… schlau!

29 Aug

IMG_0165[1]

„Wo arbeitest Du? Was machst Du?“

„Ich bin Bibliothekarin. Sieht man das nicht?“

Ich lege den Kopf zurück und denke, ja, eine sexy Bibliothekarin.*

Wann wurde eigentlich aus der grauen Maus die sexy Wissensmanagerin? Schon seit einigen Jahren beobachten wir mit Erstaunen, wie sich das Bild der Bibliothekarin in Film, Literatur und Internet von einem Extrem ins andere fällt.

Aktuell veranschaulicht uns das der amerikanische Autor Gregory Sherl in seinem Liebesroman „Ab morgen ein Leben lang“ (2014). Die fahrradfahrende Bibliothekarin Evelyn Shriner begibt sich darin auf die Suche nach Mr. Right. Und sie findet ihn (auf einem langen Weg durch fast 400 Seiten) in der obskuren Praxis eines Futurologen, wo sie mit einer nicht weniger abstrusen Maschine in ihre Zukunft schauen kann.

Abgeschwächt zukunftsorientiert geht auf den Seiten zu, die sich mit Evelyns us-amerikanischen Berufsalltag beschäftigen. Wir lesen, dass der Umgang mit Obdachlosen in der Bibliothek ein Problem ist? Oder das Evelyn nach Feierabend noch ehrenamtlich Bücher für Blinde auf einem Digitalrekorder einliest. Und wir erfahren, dass Computer und Scanner sowie Titel wie „Fifty Shades of Grey“ in die Bibliothek eingezogen sind.

Das Bibliotheksweltbild der Protagonistin (und damit das des Autors) bleibt jedoch ein nostalgisches. Bei ihr hat „jedes Buch einen Herzschlag“ und ihre Liebeserklärung ist dem „Geruch der Bücher und Staubteilchen“ sowie den Regalen und der Ordnung gewidmet. Zudem trauert ihr Chef Zeiten nach, in denen „Bibliotheken noch heilige Stätten waren„.

Empfehlung an alle gutaussehenden Frauen mit dem Berufswunsch „Bibliothekarin“: Es geht bei uns nicht „heilig“ zu, wir schnüffeln auch nicht an Büchern, aber unsere Herzen schlagen höher, wenn es um kreative Aktivität geht, von der man früher noch nicht mal geträumt hat.

gp

PS: In diesem Zusammenhang weisen wir gerne immer auf diesen Link hin.

* Zitat aus dem Buch.

Les Bibliothécoeurs de Gutenberg

7 Aug

 

oder von der Schwierigkeit, einen Job in einem Satz zu erklären…

Kein Zweifel, das Bibliothekswesen ist vielfältig und der Beruf der Bibliothekarin erfordert multiple Fähigkeiten, wie die der Animation, der Mediation und Organisation, der Beratung, bisweilen die des beherzten Eingreifens, wobei sie sich im Laufe eines Tages quasi übergangslos in eine Psychologin, Detektivin oder eine Gewichtheberin verwandeln können muss, die ganz nebenbei noch informationskompetent, teamfähig und stets am Puls des technischen Fortschritts doch immer das Herzstück einer unverzichtbaren Bildungseinrichtung bleiben wird.

Die Kolleginnen der „Bibliothèque Gutenberg“ in Paris haben unter der Regie von Alice Morelli dieses witzige Video erstellt und sich als „Les Bibliothécoeurs“ geoutet. Da erheben wir uns doch vor dem PC und spenden Standing Ovation!!!

gp

P.S.: Auch wer nur ein paar Brocken Französisch kann, wird an diesem kurzen Streifen Spaß haben und lernt sogar noch was dazu.

Vor 150 Jahren geboren: Bona Peiser

26 Apr

Bona Peiser, geboren am 26. April 1864, war die erste deutsche Bibliothekarin. Als Pionierin der Bücher- und Lesehallen-Bewegung setzte sie sich ihr Leben lang für die Frauenarbeit in Bibliotheken ein. Als Ausbilderin einer ganzen Generation bibliothekarisch arbeitender Frauen kämpfte sie für die Qualitätssicherung des Berufs und vertrat engagiert die Interessen des Berufsstandes.

Um so bedauerlicher ist es heute, dass die einzige Bibliothek Deutschlands, die ihren Namen trägt (im 50 Jahr ihres Bestehens) von der Schließung bedroht ist.

peiser-cover

Blog-Beitrag über die Biograpie.

In unserem Bestand unter der Signatur  Ark 9 Peiser, Bona.

gp

Gierige Bibliothekarinnen und ihre Abgründe

15 Apr

Noll

Bibliothekare sind nicht gerade von Altersarmut bedroht. Zumindest nicht, wenn sie lange genug gearbeitet haben. Gerne könnte es ein bisschen mehr sein, sagt sich auch die Ex-Bibliothekarin Karla Pinter, und unverhofft bietet sich der 60jährigen Rentnerin diese Chance. Kollege Wolfram (todkrank und wie sie im Ruhestand) macht ihr ein großzügiges Nachlassangebot. Im Gegenzug bittet er sie um Sterbehilfe…

Bestseller-Autorin Ingrid Noll (78) bestätigt, dass sie ihre Hauptfiguren gern ambivalent zeichnet. „Ich lebe in einer bürgerlichen, vielleicht sogar etwas spießigen Gesellschaft. Gerade bei den braven grauen Mäusen, die mir ein bisschen ans Herz gewachsen sind, sieht es im Innern oft anders aus!“ Als grauste aller grauen Mäuse gilt seit jeher die Bibliothekarin. In ihrem jüngsten Roman „Hab und Gier“ erzählt eine von ihnen (Karla) aus der Ich-Perspektive, wie sie in kriminelle Versuchung gerät.

Das Buch lässt sich auch als „Breaking-Bad“-light-Version lesen. Wie der biedere Chemie-Lehrer Walter White aus der US-TV-Serie gerät hier eine ehemals städtische Angestellte auf die rutschige Bahn des Verbrechens. Selbstredend Lichtjahre entfernt vom amerikanischen Drogensumpf. Aber in badischer Beschaulichkeit entfaltet sich ein ähnliches Strickmuster. Vergleichsweise bescheiden giert man im deutschen Heimatkrimi nach Hab und Gut. Ingrid Noll: „Über professionelle Kriminelle oder übers Rotlichtmilieu kann ich nicht schreiben, weil ich mich dort nicht auskenne.“

Da stellt sich aus unserer Sicht die Frage, wie es mit Kenntnis der bibliothekarischen Arbeitswelt aussieht? Zwei Bibliothekarinnen und ein Bibliothekar vermitteln dem Leser Einblicke in ihren Beruf. Von Karla erfahren wir, dass sich eine Bibliothek mit der „Ausleihe und Verwaltung von Büchern“ beschäftigt. Sie ist froh vorzeitig aus dem Dienst ausgeschieden zu sein: „Den Kampf mit unbekannten audiovisuellen Medien und immer neuer Software hatte ich längst aufgegeben.“ Einziger privater Kontakt ist ihre weitaus jüngere Kollegin Judith, die so Karla: „nicht alles gelesen hat, was sich für eine Bibliothekarin gehört“. Judith mag nur Krimis. Beide verbindet eine tiefe Abneigung gegen Kinder.

Für Bildung im eigentlichen Sinne stehen nur Karla und Wolfram. Sie: „Schon immer fand ich es wunderbar … den Klappentext neuer Klassikerausgaben und frischer Bestseller zu lesen“. Er: „wir zwei kennen unsere Dichter noch aus dem Effeff. Das junge Gemüse heutzutage [gemeint ist Judith] weiß kaum noch wer Möricke ist…“.

Bibliothekar Wolfram wiederum wird von Karla als typischer Bücherwurm gesehen: „weltfremd, versponnen und altmodisch.“ Der stille und zurückhaltende Opernfreund war zwar „der einzige Mann unseres Teams gewesen, sozusagen der Hahn im Korb, hatte aber nie den Gockel gespielt, galt eher als Neutrum oder – um im Bild zu bleiben – als Kapaun.“

Das lassen wir alles unkommentiert stehen und erfreuen uns lieber daran, dass sich Karla als immer skrupelloser, Judith energisch kriminell und Wolfram als ein bisschen pervers entpuppt.

Ingrid Noll ist ein flüssig und schlüssig geschriebenes Stück Spannung gelungen, das sich mit viel humoristischer Rabenschwärze in einem Rutsch durchlesen lässt.

gp

P.S.: Wer nach dem Lesen dieses Buches noch mit dem Gedanken spielt, Bibliothekar/in zu werden, dem sei diese Lektüre empfohlen.