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Ein Jahrhundert, ungezählte gezeichnete Leben

29 Jun

Comic und Einwanderungsbewegungen

Plakat

Plakat zur Ausstellung

Nicht erst seit Marjane Satrapis wundervoller Comic-Autobiographie „Persepolis“ aus dem Jahr 2000 – verfilmt 2007 – ist das Thema Migration in Comics und Graphic Novels im Mainstream angekommen. Die Wanderausstellung „Comic und Einwanderungsbewegungen: ein Jahrhundert Geschichte(n)“ zeigt, dass es auch im Jahrhundert zuvor vieles zu entdecken gibt. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Entwicklung des Comics vom 19. Jahrhundert bis heute und verdeutlicht, wie Migration und Flucht Triebfeder des künstlerischen Schaffens wurden.

Die Ausstellung des „Musée national de l’histoire de l’immigration – Palais de la Porte dorée“ ist noch bis zum 7. Juli im sprachraum zu sehen. Und wo wäre sie besser aufgehoben? Ist doch der sprachraum der Stadtbibliothek – direkt gegenüber der Zentralbibliothek am Neumarkt gelegen – ein Begegnungsort für Menschen verschiedenster Kulturen. Hier lernen Ehrenamtliche  und geflüchtete Menschen zusammen Deutsch.

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Begleitend zur Ausstellung haben wir ein paar unserer Lieblingscomics zum Thema im sprachraum präsentiert.

FreedomHospital2 Eröffnet wurde die Ausstellung am 19. Juni mit einer Lesung des Künstlers und Illustrators Hamid Sulaiman. 2011 floh er aus Syrien und lebt seitdem in Paris. In seiner Graphic Novel „Freedom Hospital“ erzählt er die Geschichte eines Untergrund-Krankenhauses im Syrien des Jahres 2011, für das sich Menschen sehr unterschiedlicher Überzeugungen und Konfessionen engagieren. „Ein dunkles Meisterwerk über den Weltkrieg vor unserer Tür“, nennt Tobias Rapp vom Spiegel das in schwarz-weiß gehaltene Comic.

Der Lesung folgte ein Gespräch mit dem Islamwissenschaftler Stefan Weidner.

Kooperationspartner bei dem Projekt sind die Stadtbibliothek Köln, das Institut français und das Literaturhaus Köln.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des sprachraums geöffnet: montags bis freitags 14-18 Uhr, samstags 10-15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Comic-Sintflut

22 Jul

Der Kinofilm The First Avenger: Civil War feierte am 28. April seine Deutschlandpremiere und seit dem 19. Mai läuft auch der neue X-Men Film X-Men: Apocalypse in unseren Kinos. Für die nächsten Jahre sind noch viele Kinostarts von Comicverfilmungen geplant und weitere Filme sind derzeit noch in Produktion. Dieses Jahr können wir uns noch auf Suicide Squad und Doctor Strange freuen. Hier findet ihr eine kleine Übersicht, was uns noch erwarten wird:

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Quelle: comicsalliance.com

Doch Iron Man, Thor, Spider-Man (übrigens mein persönlicher Favorit) und auch Superhelden aus dem DC-Universum wie Batman und Superman sind nicht nur in der Filmwelt bewandert. Vorlagen dieser Superhelden-Filme sind Comics. Durch das Marvel Cinematic Universe hat sich eine große Fangemeinde gebildet. Doch der Großteil der Fans ist mit den Comics nicht so gut vertraut.

Marvel-Comics werden seit über 50 Jahren veröffentlicht. Was die meisten Fans abschreckt, ist die Menge an Comicserien und Comicwelten. Nicht umsonst spricht man vom Marvel Universe und DC Universe (vom Multiverse ganz zu schweigen). Und wenn ihr zum ersten Mal an diese Comicwelt herantretet, findet ihr schnell heraus, wie verworren dieses Universum wirklich ist.

Die Filme kratzen gerade mal an der Oberfläche. Als neuer Fan würde man am liebsten vollständig in die Geschichte seiner Superheldenlieblinge eintauchen und alles aufnehmen, was man nur kann. Aller Anfang ist schwer. Ebenso wie ich werdet ihr euch fragen, wo man bei dieser Comic-Sintflut einen guten Einstieg finden kann.

Dank den neuen Marvel-Comics Generationen ist Comicneulingen ein perfekter Einstieg geboten. Die Serie Marvel NOW! setzt keine allzu großen Expertenkenntnisse voraus. Die Kenntnisse aus den Filmen reichen zunächst völlig aus. Auch die DC-Comics haben eine neue Generation mit DC Comics: The New 52 gestartet. Das heißt: Vorgeschichten und erste Anfänge der Superhelden werden neu erzählt. Neben den monatlichen Heftserien wird auch eine Reihe von Sonderbänden veröffentlicht.

Diese beinhalten abgeschlossene Handlungen aus mehreren Comicheften. Solche Bände findet ihr auch bei uns in der Stadtbibliothek. In der Zentralbibliothek befinden sie sich auf der 2. Etage (Sign. 22.5 und Ug).

Ein Beispiel für einen Einstieg: Ich habe mit der Spider-Man Serie The Superior Spider-Man angefangen. Man findet sich schnell in die Handlung ein und anfängliche Verwirrungen werden nach und nach aufgelöst. Dazu haben wir in der Bibliothek vier Sonderbände. Den ersten Band der Reihe findet ihr unter dem Titel Im Körper des Feindes (Sign. Ug Spider-Man). Außerhalb der Reihe sind Bände, wie Spider-Man: erste Schritte (Sign. 22.5 Spider-Man-erste Schritte) für den Anfang sehr zu empfehlen. Bekannte Events aus den Filmen findet ihr auch entsprechend unter den Titeln wie Avengers: Age of Ultron (Sign. 22.5 Benders). Und wenn ihr eher DC-Fans seid: Auch hier gibt es beispielsweise die Batman-Anthologie (Sign. Ug Batman-Anthologie) und viele Einzelbände zu der Justice League (Sign. 22.5 Justice League). Kenntnisse aus den Filmen wie auch den TV-Serien Gotham, Arrow und The Flash reichen für einen Vorgeschmack ebenfalls aus.

Ich hoffe, die Flut lässt sich jetzt etwas bändigen. Neuerscheinungen in der Superheldenfilmwelt werden stets in unserem Bestand ergänzt. Der neueste Film in unserem Bestand ist übrigens Deadpool (Sign. Uv *Action*).

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Impressionen von „Webcomics – Die Notwendigkeit zu Bloggen“

27 Sep

Papier und Stift – mehr braucht man nicht, um einen Comic zu machen. Ok, man sollte schon zeichnen können, obwohl es auch dafür Gegenbeispiele gibt. Eigentlich eine dankbare Kunstform. Doch so ein Comiczeichner hat’s nicht leicht, und leben können nur ganz wenige davon. Bei unserer Veranstaltung „Webcomics – Die Notwendigkeit zu Bloggen“ plauderten drei ganz unterschiedliche Zeichner aus dem Nähkästchen und erzählten von den Licht- und Schattenseiten des täglichen Bloggens.

Die vorangestellte Lesung veranschaulichte das Spektrum, das die drei Blogger Wolfgang Buechs (digirev), Flix und Leowald abdecken. Da war alles dabei: Fiktives und Autobiografisches, Lachen, Weinen, Nachdenken, Romantik und Sozialkritik. Auch formal arbeiten die drei sehr unterschiedlich: Leowald zeichnet meist in vier quadratisch angeordneten Panels („der Kochalka aus Köln“ halt), Flix bevorzugt mittlerweile das Vinyl-Format mit freier Panelgröße, und auf Buechs’ Blog „Zuhause in der digitalen Revolution“ sind die Comics ineinandergeschachtelt wie beim Scrabble.

Doch die Freiheit in der Gestaltung hat verborgene Schattenseiten. Privatsphäre ist beim Bloggen z.B. ein heikles Thema. Wer aus seinem Leben erzählt, muss Rücksicht auf die dargestellten Personen nehmen. Wie ähnlich darf sich jemand im Comic sehen? Darf das eigene Kind gezeichnet werden? Erkennbar, so dass auch die Klassenkameraden erkennen können, wer gemeint ist? Und was am Wochenende in der Familie passiert ist?

Podiumsdiskussion

Oder der Druck, der sich aufbaut, wenn man regelmäßig Inhalte ins Netz stellt. Es kann immer vorkommen, dass im eigenen Leben gerade mal nichts Erzählenswertes passiert. Und einen Witz hat man ja auch nicht ständig auf Lager. Doch das Blog will gefüttert werden, die Leser erwarten neues Material. Überhaupt – die Statistik … Zuerst gibt sie Selbstbewusstsein. „Hey schau mal, da liest jemand meine Comics!“ Dann kommt die Sucht. Schnell noch mal schauen, ob wieder neue Leser dazugekommen sind. Hat das heikle Thema von gestern Leser gekostet? Und dann die Entscheidung, die Statistikfunktion im Blog ganz einfach abzustellen. Schließlich soll es ja auch noch Spaß machen. Denn zumeist ist das Bloggen Freizeit – bezahlt wird man dafür nur im Ausnahmefall wie bei Flix und seinen „Heldentagen“, die später noch als Buch bei Carlsen erschienen.

Die Zugriffszahlen auf das Blog geben jedenfalls überhaupt keinen Aufschluss über die Verkaufszahlen des Buchs – so die Erfahrungen aller drei Zeichner. Ein Blog kann zwar regelmäßig von vielen Lesern besucht werden, deshalb werden dann aber die Bücher mit Blogauszügen nicht unbedingt zu Bestsellern. Überhaupt hängt der Erfolg eines gebloggten Comics gar nicht unbedingt von seiner allgemeinen Qualität ab, sondern viel mehr vom Thema: Wenn es um Star Wars, Nutella oder Facebook geht, wird grundsätzlich häufiger geklickt und weiterempfohlen.

Es war ein höchst interessantes Gespräch, in das der Moderator Klaus Schikowski die drei Zeichner verwickelte. Eine entspannte Runde, in der den Zeichnern das Erzählen offensichtlich leicht fiel, geschuldet dem Fachwissen des Comicpublizisten Schikowski und seiner Nähe zu den Zeichnern. Nach der Podiumsdiskussion gab es noch Fragen aus dem Publikum und die Gelegenheit, am Stand des Webcomicshops kwimbi Comics zu kaufen und sich auch Mitgebrachtes signieren zu lassen. Eine der Publikumsfragen zielte darauf ab, welche Webcomics Flix, digirev und Leowald selbst lesen. Die Antworten geben wir hier dann einfach mal als Lesetipps weiter:

Comic-Tisch

Beetlebum 

Das Leben ist kein Ponyhof

Selektive Erinnerung

Kurt-Schalker-Seite mit Long- und Shortlist

Webcomics-Verzeichnis

(cd)

Karten gewinnen: Webcomics – Die Notwendigkeit zu Bloggen

13 Sep

Plakat_Web-ComicsDer Comic erobert sich neue Räume: Comicblogs sprießen wie Pilze aus dem Boden, und der autobiografische Comic findet heutzutage auf dem Bildschirm statt. Junge Zeichner erschließen sich ihr eigenes Publikum und veröffentlichen – oft ohne Verlagsbindung – kostenlos im Internet. Beweggründe gibt es viele: von der Bewerbungsmappe im Netz über die Notwendigkeit, eigene Geschichten zu erzählen bis zum direkten Kontakt zu den Lesern via Blogkommentar.

Die Comicblogger Flix, Leowald und digirev lesen aus ihren Blogs und stellen sich im Gespräch dem Comicpublizisten Klaus Schikowski.

Wann? Montag, 23.09.2013

Wo? Zentralbibliothek

Für die Veranstaltung verlosen wir 2×2 Karten unter allen, die hier bis zum 18. September (einschließlich) einen Kommentar hinterlassen. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt.

Viel Erfolg dabei! #daumendrück

(cd)