Tag Archives: Klaus Bittner

Ich lese gerade…„Jeder Tag gehört dem Dieb“ von Teju Cole

9 Mai

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TEJU COLE

JEDER TAG GEHÖRT DEM DIEB

Aus dem Englischen von Christine Richter-Nilsson

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Klaus Bittner

Open City, Teju Coles autobiographischer Roman über New York, hat seinen Platz als ein herausragendes Werk in der zeitgenössischen amerikanischen Literatur gefunden. Erst jetzt ist in Amerika wie auch bei uns das Buch erschienen, das bereits 2007 in einem kleinen nigerianischen Verlag veröffentlicht wurde.
In ihm erzählt ein junger Mann von seiner Rückkehr aus den USA nach Lagos, an den Ort seiner Kindheit, den er vor vielen Jahren verlassen hat. Der autobiographische Bezug ist deutlich. Der Erzähler lebt bei seinen Verwandten in Lagos, sieht alte Freunde, streift durch die Strassen der Stadt und über die Märkte. Er redet mit den Menschen, trifft auf Chaos und Improvisationskunst, auf Korruption und Gewalt, aber auch auf Lebensfreude, erfährt Momente von Schönheit und Kreativität. Er fühlt sich zerrissen zwischen seiner Liebe zu dem Land und den Menschen, die zu sehr damit beschäftigt sind, in der unmittelbaren Gegenwart zu überleben, als sich um Traditionen und Geschichte oder um das Fortkommen des Landes zu kümmern. Zunehmend reift in ihm die Erkenntnis, dass eine endgültige Rückkehr in dieses Leben nicht in Frage kommt.
Durch seine Beobachtungsgabe, seine genauen stimmungsvollen Beschreibungen, entsteht das faszinierende Porträt eines zerrissenen Landes.

Klaus Bittner

Ich lese gerade… Don Winslow

6 Nov

Kings of Cool

Copyright: Nikolaus Heidelbach

Klaus Bittner

 

Seit Mitte Oktober läuft die Verfilmung von „Zeit des Zorns“ in unseren 
Kinos. Regie hat Oliver Stone geführt, das Drehbuch hat Don Winslow 
selber geschrieben.

Kalifornien in den Sechzigern. In Laguna Beach regieren die Surfer und  die Hippies. Und aus dem friedfertigen Zusammenleben wird ein  mörderischer Trip aus Gier, Drogen und  Verkommenheit, der das Leben in  diesem Paradies für immer verändert.  40 Jahre später leben hier Ben,  Chon und O ( s. „Zeit des Zorns“ ).  Sie sind Freunde, jung,  ideenreich und vor allem erfolgreich durch den Vertrieb von  erstklassigem Dope. Doch das ging schon in den Sechzigern schief.
Korrupte Cops, rivalisierende Dealer wollen mitverdienen. Die Drei  wehren sich, jeder auf seine Art.  Die Schatten der Vergangenheit  werden immer länger, ein brutaler, blutiger Kampf der Generationen  beginnt. Fesselnd bis zum Schluss. Großartig.

„Ich verlange nicht von dir, dass du’s selbst tust“, sagt Chon.“ Ich  bitte dich nur, mir aus dem Weg zu gehen, damit ich’s tun kann.“ Ben sagt- Nein.

Den Roman findet Ihr auf der 2. Etage der Zentralbibliothek unter „U *Krimi/Thriller* Winslow, Don“ sowie bald auch in einigen unserer Stadtteilbibliotheken.

bit/mks

Ich lese gerade… Benjamin Stein

12 Jun

Replay

Copyright: Nikolaus Heidelbach

Klaus Bittner

Ich bin aber wirklich!“ sagte Alice und fing an zu weinen. „Du machst dich kein bißchen wirklicher, indem du weinst“, bemerkte Tweedledee, „hier gibt es nichts zum Weinen.“ „Wenn ich nicht wirklich wäre, dann könnte ich ja gar nicht weinen.“ „Du nimmst doch hoffentlich nicht an, dass das wirklich Tränen sind?“ (Lewis Carroll, Through the Looking-Glass)

Ganz ruhig wird in Replay erzählt, was es mit einem UniCom auf sich hat. Es hat kein Gewicht, und nur ein dezentes Leuchten an der Schläfe verrät Mitmenschen, wer ein solches Implantat trägt. Das UniCom ermöglicht es Menschen, alle erlebten Situationen ihres Lebens nach Lust, Laune und (ganz wichtig) Variationen wieder erleben zu lassen. Verführerisch, da es wie Internet funktioniert: man kann sich stets online bewegen, ohne Kabel, ohne Gerätschaften. Ed Rosen, der es mit erfunden hat, trägt es von Anfang an, denn er ist Informatiker und maßgeblich am Erfolg dieses Projektes beteiligt.

Ja und dann merkt man ganz klammheimlich, dass es jetzt spannend wird, denn man steckt schon längst drin in einem Vexierspiel: Was oder wo ist eigentlich DIE Realität?! Und wo ist eigentlich Ed Rosen?

Verlag C.H. Beck, 176 Seiten, € 17,95

 

Den Roman findet Ihr auf der 2. Etage der Zentralbibliothek unter „U Stein, Benjamin“.

bit/mks

Ich lese gerade… Nino Haratischwili

13 Dez

Mein sanfter Zwilling

Copyright: Nikolaus Heidelbach

Klaus Bittner

Stella und Ivo sind die Protagonisten dieses Romans. Beide werden sie im Kindesalter Mitwisser des Verhältnisses von Stellas Vater und Ivos Mutter. Dieses Geheimnis verbindet sie und mit kindlicher Loyalität hüten sie es vor der Außenwelt. In Rückblenden wird die Geschichte ihrer Familien aus der Sicht Stellas geschildert; ab dem Moment, in dem Ivo in ihr Leben tritt und eine durch nichts zu trennende Freundschaft zwischen beiden beginnt. Sie verlieben sich, trennen sich immer wieder schmerzvoll, da beide die Intensität und Verlorenheit ihrer Beziehung nicht aushalten. Schritt für Schritt wird ein Familiendrama enthüllt, welches den Rahmen des Romans bildet.

Heute ist Stella Mitte dreißig, verheiratet und Mutter eines 5jährigen Sohnes, als Ivo eines Tages wieder auftaucht. Und sofort beginnt ihre Beziehung wieder ihr Leben zu zerstören. Endlich stellt Stella sich ihrer Vergangenheit, schmeißt ihr bisheriges Leben hin und trifft die Entscheidungen, die sie schon längst hätte treffen sollen, um sich von Ivo zu lösen.

Nino Haratischwili erzählt sprachgewaltig, mit einem unglaublichen Sog und einer Radikalität die Geschichte einen leidenschaftlichen und subversiven Liebe, die zu keiner Zeit einen Ort findet.

Dem Roman finden Sie unter „U Haratischwili, Nino“ in der Zentralbibliothek.

Ich lese gerade… Véronique Bizot

16 Nov

Meine Krönung

Copyright: Nikolaus Heidelbach

Klaus Bittner

Was braucht man mehr als eine Haushälterin und deren köstliche Linsengerichte? Gilbert Kaplan, unser Titelheld, ist zufrieden damit und mit seinem Leben. Vielleicht noch ab und an eine kleine Plauderstunde und ein Gläschen Wein mit seinem Nachbarn, einem alten Veterinär, wenn man sich elend fühlt oder erkältet ist. Der hat zwar auch keine Ahnung von Erkältungskrankheiten, dennoch fühlt man sich hinterher leichter und besser, fast geheilt, vor allem wenn Monsieur Kaplan aus seiner Pariser Wohnung dann noch dem Treiben auf den Straßen zuschauen kann. Wenn nur nicht dieser große Preis wäre, den man ihm neuerdings verleihen will. Es ist ihm peinlich, für etwas geehrt zu werden, das so viele Jahre zurückliegt und an das er sich nicht mehr erinnern kann. Erinnern tut er sich allerdings noch an viele kleine Episoden seines Lebens, z. B. an seine unglückliche Frau oder seinen eigenwilligen Sohn, den er so viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Nach China fährt er aber auf jeden Fall nicht, die Chinesen haben ihn zwar eingeladen, aber das ist ihm zu weit und dort gibt es auch viel zu viele Menschen, dies ist ihm unangenehm. Und einen neuen Anzug will er auch nicht haben. Am Besten er geht gar nicht zur Preisverleihung. Doch Madame Ambrunanz wünscht es sich so sehr! Véronique Bizot gelingt mit dieser knappen Novelle ein kleines Meisterwerk, das uns gerührt, melancholisch, nachdenklich, aber auch amüsiert und beschwingt zurücklässt.

Dem Roman finden Sie in der Zentralbibliothek unter „U Bizot, Véronique“.

 

bit/mks

Ich lese gerade… Eugene McCabe

19 Sep

Tod und Nachtigallen

Copyright: Nikolaus Heidelbach

Klaus Bittner

Nordirland im Jahr 1883. Beth Winters wird 25. Nur an diesem einen Tag spielt der Roman. Beth will mit ihrem Liebhaber an ihrem Geburtstag fliehen, nach einem Plan, den sie sich beide ausgedacht haben. Entfliehen einer kleinen, unheilen, enklavenhaften, archaischen Welt und einem herrischen, trunksüchtigen Vater, einem sehr reichen Grundbesitzer, den sie nicht mehr länger ertragen will. Gespickt mit Rückblicken auf ihre familiären Geheimnisse, bei welchem die verstorbene Mutter eine wichtige Rolle spielt, entwirft Eugene McCabe ein Psychogramm dieser Vater – Tochter Beziehung voll unterschwelliger Aggression, dessen Spannung den Leser in süchtige Höhen treibt. Perfekt.

Eugene McCabe, 1930 geboren, ist in Irland und der angelsächsischen Welt bekannt geworden als Dramatiker. Sein bisher einziger Roman „ Tod und Nachtigallen“ ist lt. Colm Toibin „eines der größten irischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“ und gilt bereits heute als Klassiker der irischen Literatur.

Den Roman finden Sie unter „U McCabe, Eugene“ in der Zentralbibliothek und in 7 unserer Stadtteilbibliotheken.

bit/mks

Ich lese gerade… James Sallis

19 Jul

Der Killer stirbt

Copyright: Nikolaus Heidelbach

Klaus Bittner

Was für ein rätselhaftes Buch? Ein Killer stirbt, bevor er seinen letzten Auftrag beenden kann. Jemand ist ihm zuvor gekommen. Aber wer? Und warum? Ein Buchhalter überlebt. Ein Junge lebt allein und träumt. Ein Auftraggeber löst sich langsam aus dem Schatten. Eine Frau stirbt. Ein Mann kann nicht mehr schlafen. Und 2 Cops umkreisen diesen Fall, ohne zu wissen, wen oder was sie suchen sollen. Alle sind unsichtbar und umkreisen das Licht. Motten klopfen ans Fenster.

Den Trost.. fand er in der Dunkelheit. Er mochte es, wenn die Dunkelheit sich um ihn schloss, ihn umfing. Alles verlangsamte sich, wurde still und ruhig. Es war ein geheimnisvoller, unkalkulierbarer Moment von Freiheit, in dem sich ihm eine vollkommen neue Welt auftat.“

 

Was für ein rätselhaftes Buch. Großartig komponiert und geschnitten, wie immer bei James Sallis. Trauer, Einsamkeit, Träume, Phantasiereigen. Ein Nachtbuch. Man muss es zweimal lesen, unbedingt.

Du hast gedacht, du würdest die Welt verändern… Vieleicht…. damals, … tun wir das nicht alle, wenn wir jung sind? Wir verlieren unsere Träume. Vielleicht müssen wir das, um weiterzumachen. Oder wir verlegen sie nur, weil wir so viel anderes zu tun haben. Sind wir deswegen alle so traurig? Sind wir das? Traurig? Wie könnten wir das, mit einem Leben um uns herum, das so reich ist und uns derart beschäftigt. Aber immer geht es schlecht aus. Ist es das Ende, auf das es ankommt?“

Dem Roman finden Sie unter „U *Krimi/Thriller* Sallis, James“ in der Zentralbibliothek und in den Stadtteilbibliotheken  Bocklemünd, Chorweiler, Mülheim und Porz.

bit/mks