Tag Archives: schüler

Meine Fantasie geht auf Reisen

9 Jul

Eine Ausstellung in der Lernwelt der Zentralbibliothek

Na, habt ihr schon eure Koffer gepackt? Die Sommerferien stehen kurz bevor, die Sonne verheißt aber auch den Daheimbleibenden eine schöne Zeit in Köln. Irgendwo im Grünen liegen, ein Eis essen, schwimmen gehen – oder aber ganz neue Welten erkunden.

Dazu muss man gar nicht weit weg fahren, wie die Schülerinnen und Schüler der Paul-Kraemer-Schule und der Grundschule Grefrath im letzten Schuljahr feststellen konnten. Sie haben sich in einer intensiven Projektwoche mit der Künstlerin Sabine Puschmann-Diegel kennengelernt und haben anschließend zum Thema „Fremde Welten“ künstlerisch gearbeitet. Die Vielfalt der Kunstwerke könnt ihr ab sofort bis zum Ende der Sommerferien bei uns in der Zentralbibliothek bestaunen.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Ein buntes Tonrelief stellt verschiedene Regionen einer Welt dar

Gruppenarbeit: So bunt und vielfältig kann die Welt sein (c) Stadtbibliothek Köln

Dieses große bunte Tonrelief besteht aus mehreren Teilen, die in Gruppenarbeit erstellt wurden. Jede Gruppe hat  eine andere Klimazone gestaltet und mit Tieren und Pflanzen ausgestattet. Wer vor Ort genauer hinschaut, kann sogar den Vulkan glühen sehen!

Buntes Diorama in der Obstkiste

Obstkisten-Dioramen aus Kleinschrott und Fundstücken (c) Stadtbibliothek Köln

Andere fremde Welten wurden etwas kleiner in eine Obstkiste hineingearbeitet. So entstanden aus Ton, Kleinschrott und anderen Fundstücken wunderschöne Dioramen.

Die Materialien finden sich auch in anderen Kunstwerke. So sind z.B. die Leinwände nicht nur bemalt, sondern auch beklebt, und die Lebewesen (Menschen und Tiere) wirken dadurch oft dreidimensional. Aus Ton gibt es weitere Gestalten und Behausungen, die z.T. in den Regalen zu finden sind, aber auch einen sicheren Standort in Vitrinen gefunden haben.

Bereits zum vierten Mal stellen wir die Kunstwerke aus, die die Schüler*innen der Paul-Kraemer-Schule mit einer anderen Schule erarbeitet haben. Die bunten Kunstwerke zeugen von harmonischer Zusammenarbeit und bringen nicht nur Farbe zwischen die einförmigen Lernhilfen, sondern hinterfragen unsere Weltsicht. Wie möchten wir unsere Welt am liebsten haben? Wenn man diese Ausstellung sieht, kann es eigentlich nur eine Antwort geben: Bunt!

Die Ausstellung ist noch bis zum 25.08.2018 in der Zentralbibliothek zu sehen.

 

cd

Zombies – ein Nachtrag

19 Jul
Ein Zombiecomic als Bibliotheksführer

Ein Zombiecomic als Bibliotheksführer

Zum gestrigen Blogbeitrag „Zombies in Köln“ gab es einige Fragen, die ich an dieser Stelle gesammelt beantworten möchte. Sie betreffen hauptsächlich den organisatorischen Background und passen deshalb gut zusammen in einen Artikel.

Zur Idee

Diese Zombie-Idee spukt schon eine Weile in meinem Gehirn rum. Eigentlich kam sie übers Hintertürchen rein, nämlich über einen Bibliotheksführer in Comicform – das hatte mich primär interessiert, und dann ging es in diesem Comic halt um Zombies. Berk, dachte ich, aber was soll’s, Hauptsache, die Studis lesen es … Und dann stellte sich in einer Konversation auf Twitter heraus, dass eine Kollegin mal privat an einem Zombie-Survival-Training teilgenommen hat. Immer diese Zombies. Also habe ich die Zombie-Idee einfach in unser normales Methodentraining eingesetzt.

Das ursprüngliche Schulungskonzept

Normalerweise führen wir mit Schülern der Stufe 10 ein 2,5-stündiges Methodentraining durch. Den Ablauf seht ihr an dieser Prezi . Nach kurzem theoretischen Input üben die Schüler an ihrem eigenen Thema, dann kommt wieder Input mit praktischer Phase usw.

Manche Schulen machen schon in der 10. Stufe kurz vor den Sommerferien eine Projektwoche mit Methodenschwerpunkt und nutzen das, um den Bibliotheksbesuch vorzuziehen. Diese Schüler sind gedanklich noch weit weg von ihrer Facharbeit – die Ferien liegen sehr viel näher. Da hat die Motivation nicht ganz so große Chancen. Für die schien das Zombieszenario eine gute Idee zu sein. Also: ausprobieren!

Was meinten die Schüler…

 … zum Zombiethema?

Natürlich gab es Schüler, die das Thema nicht mochten. Eklig fand’s keiner, da wir ja nicht anhand von Bild- oder Filmmaterial gearbeitet haben. Es ging immer nur um die Theorie. Peinlich fand es auch keiner. Aber ich habe die Schüler vorher gefragt, ob sie Lust dazu haben. Bei der zweiten und dritten Gruppe habe ich zur Auflage gemacht, dass höchstens drei Leute dagegen sein dürfen – bei nur einem mehr hätte ich das normale Programm durchgezogen.

Der Vorteil lag auf der Hand: Bei diesem Thema fängt man die ein, die sonst wenig Lust mitbringen – die aber zum Teil unglaublich fundiertes Wissen haben, nicht nur, wenn es um Zombies geht. Dieses Szenario bietet endlich mal eine sinnvolle Anwendung von Schulwissen über Elektrik, Biologie usw. Schüler, die im Unterricht vielleicht eher stören, können sich super einbringen und bekommen für ihr Expertenwissen auch noch Anerkennung.

… zum ausgefallenen Methodentraining?

Die kritischen Stimmen bezogen sich zumeist auf zwei Punkte:

  • Das Thema sei zu fiktiv, um damit wissenschaftlich zu arbeiten. (Mein Einwand: Das trifft nur auf die medizinische Ursachenforschung zu.)
  • Sie hätten nicht gelernt, für die Facharbeit im Katalog und in Datenbanken zu recherchieren. (Mein Eindruck: Diese Schüler wollten offensichtlich nur eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Recherche.)

Die Schüler, die hinterher sagten, sie hätten es als verschenkte Zeit empfunden, hätten das aber auch über das normale Methodentraining gesagt (bestätigte mir die Lehrerin hinterher ungefragt). Denn die Veranstaltung ist, was sie selbst daraus machen. Wer lernen will, kann das auch mit Zombies tun – das haben einige messerscharf erkannt und ihre Mitschüler auch darauf hingewiesen ;-) Es gab dieselben Inhalte (Einführung in den Katalog, in die Digitale Bibliothek), aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vorgesetzt, sondern kontextbezogen eingebunden. Das war wohl einigen nicht deutlich genug …

Und was sagen die Lehrer dazu?

Drei Lehrer, drei Meinungen. Von Begeisterung über stille Akzeptanz bis hin zur Besorgnis, ob die Schüler genügend Recherchemethodik gelernt hätten. Schwierig ist das Unterthema „Selbstverteidigung“. Da kommen die Schüler leider schnell zum Thema Waffen – das mochten die Lehrer nicht so gern, und mir gefielen die besuchten Internetseiten auch nicht so recht. Da musste ich halt eingreifen. (Running Gag in einer Gruppe war dann mein Spruch „Lasst uns mal versuchen, legal zu bleiben.“ ;-)  )

Im  Kollegenkreis hatten wir schon überlegt, ob wir die Lehrer vorher über das Thema informieren. Letzten Endes wird das Zombie-Szenario aber vermutlich eher selten eingesetzt, nämlich wenn Gruppen sehr unmotiviert sind oder das Wetter der Konzentration entgegenspielt – das wissen wir aber vorher nicht unbedingt. Solange ich aber weiß, welche Inhalte ich da unterschummele, kann ich das den Lehrern gegenüber aber auch verantworten.

Wie geht es damit weiter?

Wenn ihr diese Idee gut findet, probiert sie aus. Passt sie an eure Bibliothek bzw. eure Gruppen an. Und erzählt davon! (Mir bitte auch!) Wenn euch das Thema Gamifizierung generell interessiert, meldet euch mal auf Facebook in der Gruppe Games4culture. Und wenn ihr es nicht selbst anwenden könnt oder wollt, aber einen Verbesserungsvorschlag habt, dann her damit!

(cd)

Zombies in Köln

18 Jul

… und was man dagegen tun kann

Warm war’s in den vergangenen Tagen. Kann man Schülern da in über 2 Stunden wissenschaftliches Arbeiten und Recherche in Bibliothekskatalogen und Datenbanken zumuten? Und das so kurz vor den Sommerferien?

Kann man, muss man aber nicht. Und so habe ich ein Projekt realisiert, dass mir schon länger durch den Kopf geht: Gamifizierung des Methodentrainings. Mit Zombies!

Das Szenario: Zombies in der Schildergasse

Ausgangspunkt war das Szenario, dass Köln von der Zombieapokalypse bedroht wird. In der Schildergasse wurden schon die ersten Untoten gesichtet, die Schüler haben sich in der Bibliothek verschanzt, und wir haben noch ein wenig Zeit, bevor die Zombies auf uns aufmerksam werden. Wir müssen uns informieren: Woher kommt die Epidemie? Wodurch wird sie verursacht und kann man dagegen etwas tun? Wie verteidigen wir uns? Wie halten wir uns in der Bibliothek am Leben, versorgen uns mit Nahrung, Trinkwasser und Medizin? Können wir fliehen und wenn ja, welches ist der beste Weg?

Themensammlung

Was muss man wissen, um zu überleben?

Was muss man wissen, um zu überleben?

Im ersten Schritt haben wir Themen gesammelt, und die Schüler zeigten sich dabei sehr kreativ und umsichtig. Die Schüler konnten sich aussuchen, zu welchem Thema sie forschen wollten. Sie hatten 10 Minuten Zeit, um sich einen ersten Überblick über ihr Thema zu verschaffen, und danach wurde im Plenum dafür gesorgt, dass jeder auf demselben Stand ist. Wir konnten einige Themen kurz andiskutieren und damit entscheiden, worauf der Fokus einer Recherche liegen sollte.

Followerpower!

Live getwittert, Leben gerettet ...

Live getwittert, Leben gerettet …

Die Gruppe, die sich mit verschiedenen Kommunikationswegen auseinandersetzen wollte, sellte einen Schüler ab, der während der gesamten Zeit für die Echtzeitkommunikation via Twitter zuständig war. Er hatte die Aufgabe, von den Recherchefortschritten zu berichten, Ergebnisse via Twitter zusammenzufassen und mit der Außenwelt zu kommunizieren. Das geschah über den Account der Stadtbibliothek, wobei der Schüler seine Tweets mit Namenskürzel kenntlich machte. Und tatsächlich gab es hilfreiche Follower, die zum Erkenntnisgewinn beitrugen und sich am Geschehen beteiligten!

Falsche Info? Lebensgefährlich!

Nach der Erstinformation sollten die Schüler dann tiefer in ihr Thema einsteigen und in der Bibliothek nach Informationen suchen. Auch das Internet konnte herangezogen werden („Solange wir noch Strom und Netz haben …“). Allerdings habe ich hier deutlich auf die Relevanz verlässlicher Quellen hingewiesen, denn wer mit diesem Thema leichtsinnig umgeht und sich auf unsichere Hinweise verlässt, ist tot. Ein gutes Argument, oder? Also haben wir den Wikipedia-Artikel zu Zombies erst einmal dem Wikibu-Check (www.wikibu.ch) unterzogen und festgestellt, dass er ganz passabel ist – im Gegensatz zu unverlässlichen Zombieseiten im Internet. Einschlägige Fachliteratur gab wichtige Hinweise zur Bekämpfung der Zombies und wurde mithilfe der #followerpower auf Twitter auch diskutiert. In den Datenbanken der Digitalen Bibliothek fanden wir Artikel aus medizinischen Fachquellen ebenso wie statistische Daten zur Ausbreitung von Epidemien.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Der weiß mehr!

Der weiß mehr!

Insgesamt konnten wir eine ganz beeindruckende Menge an Informationen zusammentragen. Die wichtigste Erkenntnis war aber: Wir hatten Spaß! Die Schüler waren während der ganzen Veranstaltung sehr lebhaft bei der Sache und haben ganz nebenbei eine große Menge an verschiedenen Recherchewegen kennengelernt – so nebenbei, dass einigen das noch nicht einmal aufgefallen ist … Vor allem Schüler, die Bibliotheken gegenüber Vorurteile haben und ein „normales“ Recherchetraining eher kritisch sehen, waren hier voll bei der Sache und konnten sogar mit ihrem Fachwissen punkten. Sieg auf ganzer Linie!Ausbaufähig war aus meiner Perspektive noch die Nachnutzbarkeit der Ergebnisse – wir hätten gut alles in einem Wiki sammeln können, so dass die Schüler auch von den Ergebnissen der anderen Kleingruppen profitieren könnten und auch im Nachhinein noch die Möglichkeit hätten, auf die Ergebnisse (und vor allem den Lösungsweg) zuzugreifen. Das hätte aber wiederum mehr Zeit benötigt.

Außerdem wäre noch denkbar, jede Austauschrunde im Plenum mit einer Abstimmung und Punktevergabe zu verbinden. Für gute Diskussionsbeiträge gäbe es dann Bonuspunkte, die in der Summe über Sieg und Überleben entscheiden. So ein Voting würde vermutlich auch beim Zusammentragen der Ergebnisse im Plenum für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Zwei weitere Gruppen haben das Konzept durchgespielt und kleinere Schwachstellen offengelegt. Alle konnten Feedback geben und beim nächsten Mal klappt’s dann halt besser. Wir werden diese Idee bestimmt wieder einsetzen. Und verratet bitte keinem, dass ich erst einen Zombiefilm in meinem Leben gesehen habe …

(cd)