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#graem3: Zwischen Medientheorie und Taubenscheiße

5 Mai

Tweet von @Kill_Til: Twitter als Geisteszustand

 

Til Strasser fasst unsere dritten Vergraemungen eigentlich ganz gut zusammen. Bloß: Welcher Geisteszustand gehört zu welchem Twitterer? Wer ist denn jetzt der bekloppteste? Darüber soll dieser kurze Nachbericht Auskunft geben.

Teppiche am Nordpazifik für die Medienwissenschaft

Herr @geruchtekellner ist im echten Leben Medienwissenschaftler und schreibt seine Dissertation über Twitter. Genauer gesagt: Er untersucht mit den Methoden der Ethnographie, wie das Sozialleben von Twitterern online und offline funktioniert. Nur ohne Tropenhut.

Einen Schwank aus ebendieser Doktorarbeit verlas er. Das war intellektuell anspruchsvoll, weil wissenschaftlich – aber auch erbaulich, weil unterhaltsam. Wer würde angesichts von awkwarden Offline-Treffen mit Twitterern wie @BillyGerwitz schon von „Kippfigürlichkeit“ der Medienrepräsentation sprechen? Eben: ein Kulturwissenschaftler. Und zwar einer, der behauptet, @BillyGerwitz habe „DEN Bahn-Tweet schlechthin“ geschrieben.

Wir möchten ihm zustimmen, ja!, stets nickend, aber nur die Hälfte verstehend. Doch soviel ist angekommen: Wenn sich Indianer am Nordpazifik zum Potlatch getroffen und Geschenke ausgetauscht haben ist das im Prinzip wie bei Twitter – dort werden nämlich Favorites und Retweets ausgetauscht. Geradezu kartellhaft. Als Gabe, die eine Gegengabe impliziert. Danke, wir haben was gelernt!


Dramen im #printtwitter

Frau Wibke „@sinnundverstand“ Ladwig hat ein Hobby: Jeden morgen blättert sie sich durch den Kleinanzeigenteil der Zeitung und forscht nach Skurrilem, Lustigem oder fast ekelhaft Romantischem. Das Substrat gibt es dann unter dem Hashtag #printtwitter zu lesen.

Und ein Best-Of des Best-Of zeigte uns die selbsternannte Social Media-Rangerin am Montag. Man kann sich durchklicken – das ist für sich genommen schon lustig genug, aber dann fehlt einem Wibkes fantastischer roter Faden, der die sonst so kryptischen Kurztexte in zwischenmenschliche Dramen verwandelt. Karin und Wolfgang, wir werden euch nicht vergessen.

Und was lernen wir daraus? Getwittert wurde offenbar schon immer – nur halt nicht im Internet, sondern auf Klowänden oder in der Zeitung. Und Höhlenmalerei gilt als frühes Instagram.


Düsentriebesquer Professor

Ziemlich akademisch, diese Vergraemungen: Stephan Porombka heißt auf Twitter @stporombka und ist eigentlich Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin. Und zur Stunde hat er den Twitteraccount der ZEIT gekapert und tritt dort u.a. in Unterhosen aus Totholzmedien auf. Das ist beispielhaft, denn mit seinen Experimenten lotet er die Grenzen aus zwischen neuen und alten Medien.  Und doch kehrt er, ganz Slapstick, immer wieder zum Buch, zum Papier, zurück.

Uns stellte er einige seiner Erfindungen vor: Ein Fakirstift, der den Schmerz des auteurs auch körperlich erfahrbar macht. Ein Pillendöschen, das die tägliche Lese-Medikation portioniert. Ein Lesezeichen als Vogelschablone, die verhindert, dass einem bei der Lektüre im Park Federvieh gegen’s Haupt donnert. Getragene Bücher, die analog zu den legendären getragenen Höschen aus Japan, den Flair der Körperlichkeit zum Leser bringen. Und – ganz wichtig – fein gehackter Bücherstaub verschiedenster Couleur, der Nasenschleimhäute und Sinne betört. Danke für das beeindruckende Sammelsurium.


Verquarzte spanische Liebhaber

Frau @Menschette ist Urgestein der Vergraemungen, wenn man so will. Gewohnt gelassen verlas sie zwei wundervolle Texte – und beide Male fragt man sich wieder, wieviel Realität denn nun letztlich dran ist an Frau @Menschette. (Wahrscheinlich verstörend viel.)

Zunächst handelte sie ihre kindliche Sozialisierung zur Tabakkonsumentin ab. Ihrer Biographie nach wurde sie von Kindesbeinen an behutsam an Quarzware jedweder Sorte herangeführt, nur um dann an ihren Erzeugern vorbeizuziehen, was Toleranz und Konsum betrifft. Stolz! Und heute? Raucht sie nicht mehr.

Themenwechsel hin zu Jorge: Eine spanischstämmige Liebschaft, von der wir auch nur rätseln können, ob sie tatsächlich existiert. Vor lauter Begeisterung habe ich vergessen, worum es im Detail ging, aber es war wirklich ganz vorzüglich (ehrlich!). Danke, @Menschette.

Köln, Tauben und Tauben in Köln und anderswo

@pigeonista heißt in Wirklichkeit Anne Weiß und hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Ebendieser macht zwar unsterblich, enthält aber nicht, dass Anne Tauben hasst. So ähnlich wie @Vergraemer, nur irgendwie gefährlicher. Und so erzählt sie aus ihrer Kölner WG-Zeit, in der Freundin Jutta ihr zu schlichter Meditation rät, um dem Taubenproblem Herr zu werden – aus sich selbst heraus. Und Gewaltfrei. Der Plan geht auf, allerdings ein bisschen zu gut. Denn am Ende kennt Anne mehr Tauben als echte Menschen. Und hat praktisch keine Freunde mehr.

Immerhin: Ohne Freunde hat man mehr Zeit, um seinem leicht gruseligen Hobby Taubenfotografie nachzugehen.  @pigeonista ergänzt ihre Instagram-Wunderwerke sodann mit entsprechenden Textfetzen – und das macht dann wirklich großen Spaß. Kann man nicht erklären, müsst ihr euch angucken.


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Ihr könnt euch noch auf Videos der Lesung freuen. Noch läuft die Bearbeitung, aber sobald die Clips veröffentlichungsreif sind, editieren wir den Blogeintrag an dieser Stelle.

Einen völlig gramfreien Dank an den großartigen @vergraemer, der uns durch den Abend geführt hat, und an das Hochschulradio KölnCampus für die liebe Unterstützung!

PS: Die Vergraemungen waren Teil der Veranstaltungsreihe geeks@cologne der Stadtbibliothek Köln. Alle Infos auf www.geekscologne.mixxt.de. Als nächste Veranstaltung folgt am 20. Juni der 3Day: einer Aktionstag voller 3D-Drucker, 3D-Scanner und VR-Brillen!

„Vergraemungen 3“ am 27. April

2 Apr
Jan-Uwe Fitz

Jan-Uwe macht die Taube.

Twitterer, Blogger und Bewunderer unangepasster Kurzliteratur versammelt euch! Der Autor, Twitterer und Allround-Vergrämer Jan-Uwe Fitz (alias @vergraemer) ist zurück, um am 27. April gewohnte Qualität abzuliefern.

Wie immer schart er ein Heer lesewilliger Twitter-Kollegen um sich. Diesmal dabei sind die famosen @stporombka, @pigeonista, @geruchtekellner, @menschette und @sinnundverstand!

Sie alle lesen aus Texten, die die 140-Zeichen-Grenze bei Twitter sprengen würden. Die Themen sind nicht festgelegt, aber erfahrungsgemäß ist der Wahnsinn nicht weit.  Macht euch selbst ein Bild: beim gebloggten Rückblick auf die Vergraemungen, beim gebloggten Rückblick auf die Vergraemungen 2 oder am besten live am 27. April!

Die Veranstaltung ist kostenlos und startet um 19.30 Uhr im Erdgeschoss der Zentralbibliothek am Neumarkt (Josef-Haubrich-Hof 1). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wenn ihr bei Facebook seid, könnt ihr uns aber mit einem Klick auf “Teilnehmen” bei der Getränkeschätzung helfen: “Vergraemungen 3” bei Facebook.

“Vergraemungen 3″ ist Teil unserer Reihe geeks@cologne, die sich an Technikaffine und Pixelverliebte in und um Köln wendet. Vielen Dank an Kölncampus für die Unterstützung. Mehr Informationen zur Reihe und zur Veranstaltung findet Ihr unter geekscologne.mixxt.de.
(ba)

Impressionen von „Vergraemungen 2“

13 Jun

Nein, losgeworden sind wir ihn wirklich nicht mehr, den Vergrämer. Am 10.06., zeitgleich mit dem Erscheinen seines neuen Buches und am Vorabend seines Geburtstags, hatten wir Jan-Uwe Fitz (@Vergraemer) nach gut einem Jahr erneut bei uns zu Gast. „Wenn ich was kann, dann nichts dafür“ heißt das neue Buch, aber so recht konnte man ihm das nicht glauben. Hatte er doch wieder namhafte Twitterati mitgebracht, die ihm beim Vergrämen nach Leibeskräften halfen: @Menschette, @Lasermaki, @Wortmusik und @Hubertsrevier.

Eigentlich hätten wir den Abend auch gleich in „Blood, Sweat and Tears“ umbenennen können, denn Körperflüssigkeiten waren das vorherrschende Thema. Das Publikum wurde auf Herz und Nieren geprüft, vor allem aber die Mägen hatten einiges auszuhalten.

Dabei begann es noch fast harmlos. Der Gastgeber erzählte von seinem Arbeitsalltag als Taubenvergrämer, von Frauenleichen im Schlafzimmer und telefonierenden Tauben, und unterhielt wie immer in einer Mischung aus Charme und Hysterie. Für 2014 versprach er eine Hörbuchversion seines Buches, gelesen von der Synchronstimme von George Clooney. Wir harren der Dinge, die da kommen.

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Danach las @Wortmusik seinen ersten Text über einen Bücherstapel in einer Szenebuchhandlung. Wen Fitzens Frauenleiche irritiert hatte, durfte sich kurz entspannen und  über Beziehungskrisen lachen, bis @Lasermaki kam. Inspiriert vom Frühwerk Peter Jacksons, zeigte dieser die Folgen der Selbstvernachlässigung und was so alles im Bett passiert, wenn man da nicht mehr rauskommt. Schmutzig? Ja: Fruchtwasser, Milben, Schweiß … Damit nichts fehlte,  nahm er sich in seinem zweiten Text der studentischen Inkontinenz beim Vortrag von Referaten an. Auch die Frauenperspektive auf das Thema durfte nicht fehlen. @Menschette erzählte offenherzig vom Schrottwichteln mit Schwangerschaftshalbwissen im Geburtsvorbereitungskurs und den Ängsten und Nöten, denen die Schwangere ausgesetzt ist, wenn sie sich mit anderen austauscht, anstatt „Breaking Bad“ zu sehen. Was in den Texten an physiologischen Details fehlte, wurde per Tweet nachgereicht.

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Neu im Konzept der Lesung, aber eine große Bereicherung war die musikalische Begleitung durch Hubert Dingenskirchen mit seinem Emscher-Delta-Blues. Hubert (@hubertsrevier) war perfekt auf das Motto des Abends vorbereitet, bekannte sich als Stehpinkler und sang über Lola, die Frau aus PVC.

(c) @llesAnna

(c) @llesAnna

Seine getwitterte Unkenntnis, wie man ein Spannbetttuch zusammenlegt, mussten wir aber noch auf die Probe stellen. In einem kleinen Intermezzo traten zwei Zuhörerinnen, Kathrin und Alexandra, im Spannbetttuch-zusammenlegwettbewerb gegen Hubert an, der Vergrämer fungierte als Schiedsrichter. Kathrin legte in der Hälfte der Zeit zusammen und gewann (die CD von Hubert Dingenskirchen), Alexandra wurde als Zweite mit dem neuen Buch des Vergrämers getröstet, Hubert sah immerhin aus und gewann aufgrund seiner Schuhmode sicher neue Follower.

Ein sehr außergewöhnlicher und gelungener Abend, dem nur eines fehlte: die Anwesenheit von @_miel, die leider aufgrund der schlechten Zugverbindungen wegen des Hochwassers nicht kommen konnte. Wer noch mehr Bilder sehen möchte, dem seien die Kritzelbilder von Wibke Ladwig (@sinnundverstand) empfohlen, die mit leerem Akku zur Veranstaltung kam. Ihre Eindrücke des Abends hat sie in einem Flickr-Album festgehalten.

Das Event “Vergraemungen 2” war übrigens Teil der Veranstaltungsreihe geeks@cologne der Stadtbibliothek Köln.  Alle Infos finden sich auf geekscologne.mixxt.de. Übrigens: Wenn ihr euch auf der mixxt-Seite anmeldet, werdet ihr immer per E-Mail informiert, wenn eine neue Veranstaltung angekündigt wird.

(cd)

„Vergraemungen 2“ am 10. Juni

29 Mai
Maskottchen des @Vergraemer

Maskottchen des @Vergraemer

Twitterer, Blogger und Bewunderer unangepasster Kurzliteratur versammelt euch! Am 10. Juni beehrt uns zum zweiten Mal Autor, Twitterer und Vergraemer Jan-Uwe Fitz. In seinem Handgepäck: sein brandneuer Roman „Wenn ich was kann, dann nichts dafür. Aus dem Leben eines Vergrämers.“ Daraus wird er nicht erstmalig (und in gewohnt unvergesslicher Art) lesen – Kopien des Buches werden am Veranstaltungsabend auch verkauft und signiert.

Ebenfalls in seinem Handgepäck (oder eher Überseekoffer): Die Twitterer @Menschette, @lasermaki, @_miel und @wortmusik, die ihre Texte jenseits der 140-Zeichen-Grenze zum Besten geben.

Und dieses Mal ist auch ein musikalischer Gast dabei: @HubertsRevier kommt mit Gitarre, EmscherDeltaBlues und abwaschbarem GrossStadtFolk. Man kann gespannt sein.

Die Veranstaltung „Vergraemungen 2“ ist kostenlos und startet am 10. Juni um 19.30 Uhr im Erdgeschoss der Zentralbibliothek am Neumarkt (Josef-Haubrich-Hof 1). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wenn ihr bei Facebook seid, könnt ihr uns aber mit einem Klick auf “Teilnehmen” bei der Getränkeschätzung helfen: “Vergraemungen 2” bei Facebook.

Die Lesung wird von Kölncampus unterstützt! „Vergraemungen 2“ ist Teil unserer Reihe geeks@cologne, die sich an Technikaffine und Pixelverliebte in und um Köln wendet. Mehr Informationen zur Veranstaltung und zur Reihe findet ihr unter geekscologne.mixxt.de.
(ba)

Geek Content: Twittere für dein Land

1 Okt

Uh Twitter … da schreibt man wo man grad ist und macht Fotos von seinem Essen… Auch. :) Auf Twitter wird aber auch: informiert, kritisiert, herumgealbert, Networking betrieben, diskutiert, geholfen, bekannten Persönlichkeiten gelauscht, gedichtet, Kundenservice praktiziert, Alltag kommentiert, philosophiert … und Völkerverständigung betrieben.

Beim sogenannten rotation curation wird ein Twitter-Account abwechselnd von verschiedenen Personen mit Leben gefüllt. Die Idee, so einem Land, einer Region oder einer Stadt eine Stimme zu geben, kam Ende 2011 den Schweden. Der offzielle Twitter-Account des Landes (@sweden) wird seitdem jede Woche von einem anderen Schweden betreut. Er oder sie nimmt die Follower 7 Tage mit sich mit, beschreibt Alltägliches, gibt Tipps, beantwortet Fragen.

Das Vorbild der Schweden hat sich herumgesporchen. Mittlerweile gibt es solche Accounts zum Beispiel auch für Australien, New York City, Bangkog und Marokko. Und natürlich hat (neben einigen deutschen Städten) auch Deutschland seine rotation curation – zu finden unter @I_amGermany. Hier kann nicht nur twittern wer in Deutschland geboren wurde, sondern auch jeder der hier lebt oder arbeitet. Wie zum Beispiel die US-Amerikanerin @AliAdventures7 (Bild und Name des Deutschland-Accounts entsprechen immer dem aktuellen Twitterer):

Vom 9.-16. September hatte die Kölnerin Wibke Ladwig den Account ganz für sich allein. Auf Storify hat sie ihre Woche zusammengefasst.

Wer selbst mal für Deutschland zwitschern möchte, kann sich hier bewerben: Rotation Curation for Germany.

Quellen:

Rotation Curation

I am Germany

Curators of Sweden

(Mit “Geek Content” bringen wir euch geekige Blogbeiträge im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe geeks@cologne. Ab 2. Oktober verlosen wir Karten für unsere nächste Veranstaltung!)

(ba)

8 lohnende Websites zum getrosten Verweilen

21 Jun

Wer seine Zeit nicht nur mit social media à la facebook, dem schwankenden Online-Wetterbericht und seinem Mailprogramm verbringen will, jenseits seiner bekannten Anlaufstellen mal Qualität gepaart mit Spaß sucht, für den könnten die aktuellen Preisträger des Grimme Online Awards für Abwechslung auf dem Bildschirm sorgen:

Twitterer im Portät

Neben dem YouTube-Kanal MusikTraining mit Videos zum Erweitern seiner Musikkenntnisse und den bereits von uns in der Vergangenheit vorgestellten berlinfolgen, fiel mir besonders das Format 140 Sekunden auf. Hier werden originelle Twitterer vorgestellt – anstatt mit den für Twitter vorgegebenen 140 Satzzeichen in 140 Sekunden mit Bild und Ton.

Die Jury des Wettbewerbs hat das Ganze recht schön zusammengefasst:

„Themen werden im Internet einmal mehr anders erzählt, anders präsentiert, die Leserschaft wird anders beteiligt.“ Dabei kristallisiere sich „eine neue Strömung heraus, die verstärkt einen Protagonisten in den Mittelpunkt stellt: den Menschen“ (Zeit Online)

(mks)