Tag Archives: Werbung

Wieviel Pistazien sind in dieser Bibliothek?

3 Feb

Mindestens genauso wichtig wie das Ergebnis ist beim jährlichen Superbowl in den USA die Konkurrenz der Werbespots, die in den Spielpausen eingeblendet werden. Die Kreativen legen sich mächtig ins Zeug und die großen Firmen blättern ordentlich was hin, um auf Sendung gehen zu können.

Lag letztes Jahr ein Clip mit einer Bibliothekszerlegung ganz vorne, ist 2014 eine Bibliothek nur Hintergrund eines Spots, der für Pistazien wirbt. Hauptdarsteller Stephen Colbert (einer der bekanntesten Komiker in den Staaten) zerbricht sich den Kopf, um den Couch-Potatoes die Knabberei schmackhaft zu machen. Dazu kommt ein Rätsel, bei dem es einen Koffer voller Dollar zu gewinnen gibt.

Das aktuelle Ranking aller Spots kann auf der Super-Bowl-Seite verfolgt werden.

gp

Werbung für Kinder – gegen Konsum: Build. Make. Hack. Grow.

18 Mrz

Was etwas gegensätzlich klingt – „Werbung gegen Konsum“ – gibt es. Völlig produktfrei. Ob unsere Kinder so etwas einmal auf dem Kinderkanal zwischen Lillifee, Barbie und Hello Kitty sehen werden?

Build. Make. Hack. Grow. from DIY on Vimeo.

Klar ist jedenfalls, was sich inzwischen in der Erwachsenenwelt, jenseits von entwickelnden Geeks und bastelnden Müttern, etabliert hat, könnte ins heimische Kinderzimmer zurückkehren – oder, wo noch nicht von Konsolen und Handys verdrängt, bewahrt bleiben. Packt die Bastelscheren aus, wir bauen uns ein Abenteuer!

Ganz ohne moderne Technik geht es hier aber auch nicht zu. Beworben wird eine Online-Community für kreativ-interessierte Kinder, welche sich hier neue handwerkliche Ideen holen können und zudem die Möglichkeit haben, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Wer jetzt wegen seines fortgeschrittenen Alters eifersüchtig werden sollte: für die Reiferen und Strick-/Häkelinteressierten unter uns gibt es die Seite ravelry.com, für alles andere handmadekultur.de.

(mks)

Ehe wir’s vergessen: Der Blick aus dem Bibliotheksfenster

21 Sep

Die wahren Dimensionen dieses Bildes erschließen sich erst, wenn man es  sich vergrößert ansieht. Aber auch so ahnt man schon was.
Man mag ja angesichts solcher Werbe-Nachbarschaft nicht an Zufälle glauben, aber hier werden Gefühle angesprochen, die kaum einen kalt lassen. „Vorher – nachher“ fällt einem dazu ein oder „Anfang und Ende“. Aus Bibliothekssicht sind wir natürlich zusätzlich durch den Hintergrund des rechten Bildes angesprochen. Da bekommt die headline „Überzeugt davon, dass er 1951 den richtigen Geschmack bewiesen hat“ gleich eine dreifache Zielrichtung. Spitzfindige könnten zusätzlich anmerken, wer wohl von beiden diese Aussage getroffen hat?
Die zweite line „Nichts für unentschlossene“  ließe sich auch aufs linke Plakat übertragen. Alle die sich dort angesprochen fühlen, mag das Bild rechts eine Warnung sein. Wir halten uns da mal bedeckt und rufen „Prost!“ in beide Richtungen.

gp

Quadratisch, praktisch, aber nichts für ungut…

23 Mrz

…lieber Werbetexter, der Du diesen dämlichen Spruch gefunden hast (s. Bild). Für die Schokolade, die jetzt allen per Kampagne noch einmal richtig schmackhaft gemacht werden sollte. Zumindest allen, die in den letzten Wochen auf einem großen deutschen Bahnhof wartend herum standen.

Dabei ist schon fast jede fünfte Tafel Schokolade, die in Deutschland verzehrt wird, viereckig. So richtig verständlich ist die Werbung aber nur, wenn man ihre Geschichte kennt. Vor 99 Jahren heirateten Clara und Alfred Ritter. Sie brachte einen Süßwarenladen, er eine Konditorei mit in die Ehe. Erstes gemeinsames Kind noch im gleichen Jahr waren die die „Alfred Ritter Schokoladenfabriken“.  1932 ärgerte sich Clara, dass bei ihren Reitausflügen immer die Schokoladentafeln in ihrer Jackentasche brachen. Prompt erfand der Gatte eine dicke, bruchfeste Variante. Geboren war „Ritters Sportschokolade“, heute als „Ritter Sport“ ein Begriff. Als Ende der sechziger Jahre, die Deutschen einer Fresswelle erlagen und plötzlich auf ihre Figur achteten, ging der süße Umsatz zurück. Prompt erfanden die Rittersleut‘ 1969 eine neue Marketing-Strategie: „Ritter Sport ist eher ein Nahrungsmittel. Diese Schokolade wird nicht aus Kummer im stillen Kämmerlein gegessen und schon gar nicht gelutscht. [Sic!] In die Ritter Sport wird hineingebissen und zwar herzhaft.“ An dieser Philosophie der krachenden Zähne hat sich bis heute nichts geändert.

„Für den Verzehr in Kirchen, Opern und Bibliotheken leider zu knusprig.“ Der Appell an die genussfrohen Schokobeisser paart sich mit leicht hämischem Bedauern für das Publikum, welches an den erwähnten Orten zum vermeintlichen Schweigen gebracht wird. Keks und Nuss passen nun mal nicht zu Gebet, Gesang und Lesen, so die message  sportlicher Kalorienzufuhr.

Berücksichtigt man nun noch die Auswahl und Reihenfolge dieser Orte der Stille, könnte man auf die Idee kommen, dass es in den Bibliotheken  totenstill zugeht. Das geht uns nun wirklich auf beides, Keks und Nuss! Und  dem Texter dieser Werbezeilen wird dringend empfohlen, tatsächlich mal eine Stadtbibliothek aufzusuchen, um sich endgültig von diesem Klischee zu befreien, anstatt es zwanghaft wieder zu beleben. Und alle Schokoladenfans sind hiermit aufgerufen, ihrem zivilisierten Schokogenuss  auch in der Bibliothek zu frönen. Muss ja nicht die Viereckige sein.

gp

Quelle:
Wolfgang Hars:  "Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche"
in der Zentralbibliothek unter der Signatur Qen 2 Hars