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Zombies – ein Nachtrag

19 Jul
Ein Zombiecomic als Bibliotheksführer

Ein Zombiecomic als Bibliotheksführer

Zum gestrigen Blogbeitrag „Zombies in Köln“ gab es einige Fragen, die ich an dieser Stelle gesammelt beantworten möchte. Sie betreffen hauptsächlich den organisatorischen Background und passen deshalb gut zusammen in einen Artikel.

Zur Idee

Diese Zombie-Idee spukt schon eine Weile in meinem Gehirn rum. Eigentlich kam sie übers Hintertürchen rein, nämlich über einen Bibliotheksführer in Comicform – das hatte mich primär interessiert, und dann ging es in diesem Comic halt um Zombies. Berk, dachte ich, aber was soll’s, Hauptsache, die Studis lesen es … Und dann stellte sich in einer Konversation auf Twitter heraus, dass eine Kollegin mal privat an einem Zombie-Survival-Training teilgenommen hat. Immer diese Zombies. Also habe ich die Zombie-Idee einfach in unser normales Methodentraining eingesetzt.

Das ursprüngliche Schulungskonzept

Normalerweise führen wir mit Schülern der Stufe 10 ein 2,5-stündiges Methodentraining durch. Den Ablauf seht ihr an dieser Prezi . Nach kurzem theoretischen Input üben die Schüler an ihrem eigenen Thema, dann kommt wieder Input mit praktischer Phase usw.

Manche Schulen machen schon in der 10. Stufe kurz vor den Sommerferien eine Projektwoche mit Methodenschwerpunkt und nutzen das, um den Bibliotheksbesuch vorzuziehen. Diese Schüler sind gedanklich noch weit weg von ihrer Facharbeit – die Ferien liegen sehr viel näher. Da hat die Motivation nicht ganz so große Chancen. Für die schien das Zombieszenario eine gute Idee zu sein. Also: ausprobieren!

Was meinten die Schüler…

 … zum Zombiethema?

Natürlich gab es Schüler, die das Thema nicht mochten. Eklig fand’s keiner, da wir ja nicht anhand von Bild- oder Filmmaterial gearbeitet haben. Es ging immer nur um die Theorie. Peinlich fand es auch keiner. Aber ich habe die Schüler vorher gefragt, ob sie Lust dazu haben. Bei der zweiten und dritten Gruppe habe ich zur Auflage gemacht, dass höchstens drei Leute dagegen sein dürfen – bei nur einem mehr hätte ich das normale Programm durchgezogen.

Der Vorteil lag auf der Hand: Bei diesem Thema fängt man die ein, die sonst wenig Lust mitbringen – die aber zum Teil unglaublich fundiertes Wissen haben, nicht nur, wenn es um Zombies geht. Dieses Szenario bietet endlich mal eine sinnvolle Anwendung von Schulwissen über Elektrik, Biologie usw. Schüler, die im Unterricht vielleicht eher stören, können sich super einbringen und bekommen für ihr Expertenwissen auch noch Anerkennung.

… zum ausgefallenen Methodentraining?

Die kritischen Stimmen bezogen sich zumeist auf zwei Punkte:

  • Das Thema sei zu fiktiv, um damit wissenschaftlich zu arbeiten. (Mein Einwand: Das trifft nur auf die medizinische Ursachenforschung zu.)
  • Sie hätten nicht gelernt, für die Facharbeit im Katalog und in Datenbanken zu recherchieren. (Mein Eindruck: Diese Schüler wollten offensichtlich nur eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Recherche.)

Die Schüler, die hinterher sagten, sie hätten es als verschenkte Zeit empfunden, hätten das aber auch über das normale Methodentraining gesagt (bestätigte mir die Lehrerin hinterher ungefragt). Denn die Veranstaltung ist, was sie selbst daraus machen. Wer lernen will, kann das auch mit Zombies tun – das haben einige messerscharf erkannt und ihre Mitschüler auch darauf hingewiesen ;-) Es gab dieselben Inhalte (Einführung in den Katalog, in die Digitale Bibliothek), aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vorgesetzt, sondern kontextbezogen eingebunden. Das war wohl einigen nicht deutlich genug …

Und was sagen die Lehrer dazu?

Drei Lehrer, drei Meinungen. Von Begeisterung über stille Akzeptanz bis hin zur Besorgnis, ob die Schüler genügend Recherchemethodik gelernt hätten. Schwierig ist das Unterthema „Selbstverteidigung“. Da kommen die Schüler leider schnell zum Thema Waffen – das mochten die Lehrer nicht so gern, und mir gefielen die besuchten Internetseiten auch nicht so recht. Da musste ich halt eingreifen. (Running Gag in einer Gruppe war dann mein Spruch „Lasst uns mal versuchen, legal zu bleiben.“ ;-)  )

Im  Kollegenkreis hatten wir schon überlegt, ob wir die Lehrer vorher über das Thema informieren. Letzten Endes wird das Zombie-Szenario aber vermutlich eher selten eingesetzt, nämlich wenn Gruppen sehr unmotiviert sind oder das Wetter der Konzentration entgegenspielt – das wissen wir aber vorher nicht unbedingt. Solange ich aber weiß, welche Inhalte ich da unterschummele, kann ich das den Lehrern gegenüber aber auch verantworten.

Wie geht es damit weiter?

Wenn ihr diese Idee gut findet, probiert sie aus. Passt sie an eure Bibliothek bzw. eure Gruppen an. Und erzählt davon! (Mir bitte auch!) Wenn euch das Thema Gamifizierung generell interessiert, meldet euch mal auf Facebook in der Gruppe Games4culture. Und wenn ihr es nicht selbst anwenden könnt oder wollt, aber einen Verbesserungsvorschlag habt, dann her damit!

(cd)

Geek Content: World War Z – An oral history of the Zombie wars

4 Jun

Ein Roman über Zombies? Lass mich raten: Stöhnende lebende Tote, Schusswaffen und ein paar Eingeschlossene, die ums Überleben kämpfen. Wer so denkt, wird von World War Z überrascht sein. In seinem schon 2006 publizierten Roman arbeitet Max Brooks mit Hilfe von Augenzeugeninterviews eine bereits erfolgte und erfolgreich zurückgedrängte Pandemie auf. Nur handelt es sich hierbei nicht um SARS oder die Vogelgrippe, sondern den Zombie-Virus.

Die betrachteten Einzelschicksale fügen sich mit Leichtigkeit zu einer Übersicht der Geschehnisse. Erst einmal ausgebrochen, öffnet nicht nur der internationale Personen- und Frachtverkehr dem Virus Tür und Tor – vor allem grenzüberschreitende,  illegale Geschäftspraktiken wirken wie Zunder. In der ersten Verunsicherung überwiegen irrationale Reaktionen: Schuldzuweisungen, Massenpanik, Impfbetrug und makabre TV-Shows. Offizielle Reaktionen der Regierungen lassen (mit einer Ausnahme) lange auf sich warten und spiegeln die Ratlosigkeit der Bevölkerung. Erst nach und nach kristallisiert sich eine erfolgversprechende Strategie heraus. Dass sie die Pandemie zurückdrängen wird, steht dank des reisenden UN-Interviewers von Anfang an nicht in Frage. Genausowenig aber auch die globalen und lokalen Konsequenzen der Pandemie: von psychischer Erschöpfung über wirtschaftlichen Ruin bis zur Verschiebung der internationalen Machtverhältnisse.

World War Z ist ein Highlight der Genre-Literatur und nun endlich auch in unserem Bestand – zumindest die englische Fassung, da der deutsche Titel („Operation Zombie: Wer länger lebt, ist später tot“) nichts Gutes ahnen lässt.

Noch habt ihr die Chance, den Roman ganz unbeeinflusst zu lesen, bevor 2013 die Verfilmung mit Brad Pitt in die Kinos kommt.

(Mit “Geek Content” bringen wir euch geekige Blogbeiträge im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe geeks@cologne)

(ba)