Kein Schnee…

Nachdem das kleine Reh in der letzten Vorlesestunde vergeblich den “richtigen” Schnee gesucht hat, wird sich beim nächsten Vorlesen Mama Muh mit Weihnachten beschäftigen.
Diesmal schaukelt sie nicht, braucht kein Pflaster…
Nein: “Mama Muh feiert Weihnachten“!
Am 15.12.11 um 15.00 Uhr, hier bei uns in der Stadtteilbibliothek Porz!

 Bla

Kia Ora: eine Bibliothekarin am anderen Ende der Welt

Die 18 INELI-Teilnehmer

Vor ein paar Wochen durfte ich nach Neuseeland auf Dienstreise gehen. Wie es dazu kam? Der Aufenthalt war Teil eines Projektes der Gates Foundation mit dem Titel „INELI“ (International Network of Emerging Library Innovators). Ziel ist es, innovative Entwicklungen im Bibliothekswesen voranzutreiben. Über 2 Jahre hinweg haben 18 Nachwuchsbibliothekare aus 16 Ländern die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen und einzelne bibliothekarische Themen in Projektgruppen zu bearbeiten. Die Teilnehmer kommen u.a. aus Kenia, China, Australien, Dänemark, Chile und eben auch Deutschland. Und da eine enge Zusammenarbeit schwer fällt, wenn man sich noch nie zuvor gesehen hat, trafen wir uns für 6 Tage in Neuseelands Hauptstadt: Wellington.
Blick auf Wellington

Wellington liegt am südlichen Zipfel der Nordinsel und wird durch seinen Hafen und das bergige Umland geprägt. Der botanische Garten z.B. erstreckt sich über einen großen Hügel, so dass es bei einem Spaziergang immer relativ steil bergauf bzw. bergab geht. Den Grund für Wellingtons Spitznamen „Windy Wellington“ bekamen wir schon bei der Landung deutlich zu spüren. Und auch in den nächsten Tagen zeigte sich der neuseeländische Frühling sehr wechselhaft – schwankend zwischen kaltem Regem und sommerlichen Temperaturen.
Presenting Cologne Public Library…

Die 3 ersten Tage unseres Aufenthalts nutzen wir, um einander besser kennenzulernen. Alle 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hielten Kurzvorträge und berichteten dabei über sich, über ihr Land und über ihre Bibliothek. Danach diskutierten wir über Themen wie Bibliotheksarchitektur, die Angebote von Bibliotheken und die Aus- und Weiterbildung von Bibliothekaren. Es fanden sich 5 Teams zusammen, die in den nächsten anderthalb Jahren Projekte zu diesen Themen bearbeiten werden. Mein Team (Neuseeland, England, Deutschland) beschäftigt sich unter dem Titel „Reimagine Your Library“ mit der Umgestaltung und Neuerfindung von Bibliotheksräumen.
Powhiri zur Eröffnung der LIANZA-Konferenz

Die letzten 3 Tage verbrachten wir auf der LIANZA-Konferenz, der jährlichen Konferenz des neuseeländischen Bibliotheksverbandes. Eingeleitet wurde die Tagung ganz traditionell mit einem Powhiri der Maori. Mit diesem Ritual werden Gäste eines anderen Stammes willkommen geheißen, nachdem sie ihre friedlichen Absichten bekundet haben. In unserem Fall hieß das, dass ein Maori-Krieger auf eine zuvor auserwählte Gruppe von Vortragenden und Organisatoren zuging und ein Farnblatt auf den Boden legte. Ein Mitglied der Gruppe hob das Blatt als Zeichen des Friedens auf und die Gruppe wurde in den Konferenzsaal geführt. Zur Begrüßung wurden nicht Hände geschüttelt, sondern Nasen aneinandergepresst (der sogenannte Hongi). Eine Gruppe von Maori tanzte und sang und führte anschließend den Haka vor, einen beeindruckenden kraftvollen Kriegstanz. Die neuseeländische Rugby-Mannschaft “All Blacks” präsentiert ihn vor jedem Spiel, um ihre Gegner einzuschüchtern. Hier eine Kostprobe.
Stadtbibliothek Wellington

Neben den Vorträgen der Konferenz konnten wir auch die Stadtbibliothek von Wellington besichtigen und hatten viel Gelegenheit, uns mit neuseeländischen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren zu unterhalten. Am beeindruckendsten waren aber immer wieder die Zusammentreffen mit Maori-Neuseeländern. An einem der Tage trafen wir beim Abendessen auf eine Gruppe von Maori – größtenteils Bibliothekare, die wir bereits von der Konferenz kannten. Sie saßen am Nachbartisch und widmeten uns eines ihrer Lieder. Daraufhin war es an uns zurückzusingen – jeder in seiner eigenen Sprache. Und da ich die einzige Deutsche unserer Gruppe war, musste ich allein aufstehen. Zumindest war es beruhigend zu wissen, dass niemand verstand, was ich da von griechischen Wein sang. Udo Jürgens sei Dank.
In diesem Sinne: Kia ora – möge es dir gut gehen!

(ba)

Flower-Power in Neubrück

Die Älteren werden sich an die Zeit erinnern, die Jüngeren können gerne weiterlesen. Es begab sich also vor 40 Jahren, als die Jugend weltweit aufbegehrte. Und das schon eine ganze Weile. Musikalischer Höhepunkt der amerikanischen Hippie-Bewegung war 1969 das Festival von Woodstock. Dessen akustische Vibrationen erreichten auch die 1970 eröffnete Stadtteilbibliothek Köln-Neubrück. Wenige Monate später signierten 90 junge Leser dort eine „Unterschriftensammlung” mit folgendem Text:

„Die hier Unterzeichnenden stimmen dafür, die der Stadtbücherei Filiale Neubrück angegliederte Musikbücherei möge in speziellen Punkten, d.h. in speziellen Stilrichtungen erweitert werden und wenn dies auch nur durch Anschaffung einzelner Platten (Tonbandkassetten) geschähe. Insbesondere ist dabei der Bereich der modernen Musik angesprochen. Im Speziellen jedoch würden die hier Unterzeichnenden es sehr begrüßen, wenn sich die kompetente Stelle der Stadtbücherei dazu entschließen könnte, ihrer Filiale 22 die Anschaffung der LP: „Woodstock II” zu genehmigen, zumal die LP „Woodstock” schon vorhanden ist und die Ergänzungsschallplatte eine wertvolle Bereicherung bedeuten würde. Als letzteres wäre vielleicht noch darauf hinzuweisen, dass die schon vorhandene LP auf ein unerwartet hohes Interesse von Seiten der Büchereibesucher stieß, was nicht zuletzt durch Vorbestellungslisten zu bestätigen ist, die bis zum 20 Vorbestellungen zu berücksichtigen hatten.”

Und weil die Bibliothekare und die Bibliotheksleitung von Neubrück offensichtlich den selben Musikgeschmack hatten wie ihre jungen Leser unterschrieben sie den Text gleich mit. Die Antwort des damaligen Bibliotheksdirektors Dr. Horst-Johannes Tümmers ließ nicht lange auf sich warten:

„An alle Unterzeichner der Unterschriftensammlung in der Stadtbücherei Neubrück”, schrieb er am 09. Juni 1971:

Liebe Leser und Hörer, Euren Wunsch, auch „Woodstock II” in der Stadtbücherei entleihen zu können, wollen wir erfüllen. Wir haben einen Kassensturz gemach und beschlossen, von „Woodstock I” noch ein zweites Exemplar und „Woodstock II” gleich zweimal zu kaufen. Viel Spaß beim Hören!”

So war das damals.

gp

Bilder: LP-Cover “Woodstock 1” und “Woodstock 2”

P.S.: Heute reicht für den Anschaffungsvorschlag ein Mausklick!

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