„Sarah Vaughans Stimme besitzt einen Farbenreichtum, der ans Verschwenderische grenzt. Sie konnte stilistische Grenzen ignorieren… Ihre ganze Hingabe galt dem Song und der Story”, schrieb Joachim-Ernst Berendt in seinem „Jazzbuch”. Und als Legende „Sassy” 1954 mit Trompeter Clifford Brown (einer anderen Legende) zusammentraf, entstand ein Album, das in jede Jazz-Plattensammlung gehört.
Darauf zu hören ist diese Version von „April in Paris”. Sie zählt zu den eindringlichsten auf einer langen Liste namhafter Interpreten. Sie macht Lust auf Paris und Jazz. Und sie tröstet alle, die es in diesem Frühling nicht schaffen, Paris zu besuchen.
Letzten Freitag waren wir wieder kreativ in der Stadtteilbibliothek Bocklemünd. Es wurde fleißig zum Thema Ostern geschnitten, gemessen und geklebt. Gebastelt wurde ein Osterhasen-Fensterbild. Die Kinder hatten viel Spaß dabei und somit sind richtig schöne Osterhasen entstanden. Hier ein paar Fotos der Ergebnisse:
Am Freitag 02. Mai 2014 um 16 Uhr geht es wieder los. Dieses Mal basteln wir für den Muttertag.
Alle Kinder ab 8 Jahren sind herzlich eingeladen. Wir freuen uns auf euch.
Bibliothekare sind nicht gerade von Altersarmut bedroht. Zumindest nicht, wenn sie lange genug gearbeitet haben. Gerne könnte es ein bisschen mehr sein, sagt sich auch die Ex-Bibliothekarin Karla Pinter, und unverhofft bietet sich der 60jährigen Rentnerin diese Chance. Kollege Wolfram (todkrank und wie sie im Ruhestand) macht ihr ein großzügiges Nachlassangebot. Im Gegenzug bittet er sie um Sterbehilfe…
Bestseller-Autorin Ingrid Noll (78) bestätigt, dass sie ihre Hauptfiguren gern ambivalent zeichnet. „Ich lebe in einer bürgerlichen, vielleicht sogar etwas spießigen Gesellschaft. Gerade bei den braven grauen Mäusen, die mir ein bisschen ans Herz gewachsen sind, sieht es im Innern oft anders aus!” Als grauste aller grauen Mäuse gilt seit jeher die Bibliothekarin. In ihrem jüngsten Roman “Hab und Gier” erzählt eine von ihnen (Karla) aus der Ich-Perspektive, wie sie in kriminelle Versuchung gerät.
Das Buch lässt sich auch als „Breaking-Bad”-light-Version lesen. Wie der biedere Chemie-Lehrer Walter White aus der US-TV-Serie gerät hier eine ehemals städtische Angestellte auf die rutschige Bahn des Verbrechens. Selbstredend Lichtjahre entfernt vom amerikanischen Drogensumpf. Aber in badischer Beschaulichkeit entfaltet sich ein ähnliches Strickmuster. Vergleichsweise bescheiden giert man im deutschen Heimatkrimi nach Hab und Gut. Ingrid Noll: „Über professionelle Kriminelle oder übers Rotlichtmilieu kann ich nicht schreiben, weil ich mich dort nicht auskenne.”
Da stellt sich aus unserer Sicht die Frage, wie es mit Kenntnis der bibliothekarischen Arbeitswelt aussieht? Zwei Bibliothekarinnen und ein Bibliothekar vermitteln dem Leser Einblicke in ihren Beruf. Von Karla erfahren wir, dass sich eine Bibliothek mit der „Ausleihe und Verwaltung von Büchern” beschäftigt. Sie ist froh vorzeitig aus dem Dienst ausgeschieden zu sein: „Den Kampf mit unbekannten audiovisuellen Medien und immer neuer Software hatte ich längst aufgegeben.” Einziger privater Kontakt ist ihre weitaus jüngere Kollegin Judith, die so Karla: „nicht alles gelesen hat, was sich für eine Bibliothekarin gehört”. Judith mag nur Krimis. Beide verbindet eine tiefe Abneigung gegen Kinder.
Für Bildung im eigentlichen Sinne stehen nur Karla und Wolfram. Sie: „Schon immer fand ich es wunderbar … den Klappentext neuer Klassikerausgaben und frischer Bestseller zu lesen”. Er: “wir zwei kennen unsere Dichter noch aus dem Effeff. Das junge Gemüse heutzutage [gemeint ist Judith] weiß kaum noch wer Möricke ist…”.
Bibliothekar Wolfram wiederum wird von Karla als typischer Bücherwurm gesehen: „weltfremd, versponnen und altmodisch.” Der stille und zurückhaltende Opernfreund war zwar „der einzige Mann unseres Teams gewesen, sozusagen der Hahn im Korb, hatte aber nie den Gockel gespielt, galt eher als Neutrum oder – um im Bild zu bleiben – als Kapaun.”
Das lassen wir alles unkommentiert stehen und erfreuen uns lieber daran, dass sich Karla als immer skrupelloser, Judith energisch kriminell und Wolfram als ein bisschen pervers entpuppt.
Ingrid Noll ist ein flüssig und schlüssig geschriebenes Stück Spannung gelungen, das sich mit viel humoristischer Rabenschwärze in einem Rutsch durchlesen lässt.
gp
P.S.: Wer nach dem Lesen dieses Buches noch mit dem Gedanken spielt, Bibliothekar/in zu werden, dem sei diese Lektüre empfohlen.
Dieses Gefühl gibt’s freitags gratis. Und zwar wenn das Wochenende greifbar nahe ist. Dann geht es einem vielleicht wie dieser entnervten Bibliothekarin, die gegen nervtötende Nutzer den letzten Kampf des Tages führt. Gleichzeitig wartet sie auf die dringende Lieferung ihrer Matratze, die noch bis 16 Uhr kommen soll.
Die sexy Bibliothekarin ist längst eine pop-kulturelle Fantasie. Im Musikvideo zu „Out of the Game” perfekt parodiert durch die Schauspielerin Helena Bonham Carter (u.a. bekannt als Bellatrix Lestrange aus den letzten drei Harry-Potter-Filmen). Täuschend exakt synchronisieren ihre Lippen den Gesang von Rufus Wainwright, während dieser in die Klamotten von bösen Buben (und die einer Drag) schlüpft.
Die Bibliothekarin ist zwar streng und unerbittlich (no smoking), aber hinter ihrer prüden Seite und zwischen den Regalen lauert die lüsterne Raserei. Als Lesefördernde verzeiht sie ungehobelten Männern jedoch vieles, solange diese auch zum Buch greifen.
Das höchste Glück aber einer noch so erotischen Bibliothekarin findet – so die Botschaft des letzten Bildes – auf der Matratze statt. Mit einem guten Buch. In diesem Falle „The way we live” von Anthony Trollope. Darin beschreibt er satirisch die großen Finanzskandale seiner Zeit, den frühen 1870er Jahren.
PS: Der zwei Jahre alte Song ist auch auf der gerade erschienenen CD “Vibrate: The Best of Rufus Wainwright”, bei uns im Bestand unter der Signatur 472.3 Wainwright.
“!Oh gosh – Sue Townsend has just died. One of the funniest women who ever lived”, twitterte gestern Caitlin Moran. Und jeder, der gerne über den sprühenden Witz ihrer Bücher lachen konnte, wird nun trauern. Die gerade 68 Jahre alt gewordene britische Schriftstellerin war vor allem durch ihre Buchserie „Adrian Mole” bekannt geworden. Und für uns bleibt ihr Kampf für den Erhalt der Öffentlichen Bibliotheken in England unvergessen.
Hier einige Zitate von und über Sue Townsend:
“I’ve always loved books. I’m passionate about them. I think books are sexy. They are smooth and solid and contain delightful surprises. They smell good. They fit into a handbag and can be carried around and opened at will. They don’t change. They are what they are and nothing else. One day I want to own a lot of books and have them nbear to me in my house, so that I can stroll to my bookshelves and choose what I fancy. I want a harem. I shall keep my favourites by my bed.” STQuelle “We had library book in our house, but not our own. So you had 14 days to read them. There would be eight books a fortnight in our house and I’d read as many of those as I could.” ST Quelle
“She would read anything she could lay hands on, especially books from the local library. She took out so many books that the local librarian used to test if she actually read them all because he suspected her of showing off.” Jürgen Willems
“I’m a child of the municipal. Everything good had this word carved above its grand entrance. In Leicester, where I was born and still live, there were municipal libraries, majestic solid buildings with beautiful entrances, windows and doors, oak furniture and bookshelves.” ST Quelle
Vom Start weg erweist sich die Kalker minibib als Magnet. Schon in den ersten Tagen gab es eine große Anzahl interessierter Besucher, die unser neues Schmuckstück in Augenschein nehmen wollten. Und der weithin sichtbare Wasserturm wird noch Signalwirkung für unser jüngstes Projekt erlangen.
Fotos: Copyright Manos Meiser
Die minibib im Wasserturm ist ein Projekt der Stadtbibliothek Köln und des Fördervereins Stadtbibliothek Köln e.V.
Das Konzept:
Die Buchausleihe ist kostenlos und ohne Ausweis oder Personaldaten möglich. Das Konzept basiert auf Vertrauen. Das Angebot enthält u.a. mehrsprachige Bücher, viele Kinderbücher, Gaming und digitale Angebote.
Die Betreuung wird von ehrenamtlichen Kräften übernommen.
Die Öffnungszeiten:
Mo – Fr von 14 – 17 Uhr, Sa von 12 – 15 Uhr, So geschlossen
Wie viele Diplom-Ingenieure braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
Keine Ahnung, aber wahrscheinlich finden sie eine Lösung. Und ab demnächst könnte diese Lösung durchaus mit 3D-Druck zu tun haben.
Am vergangenen Freitag trafen sich nämlich Dipl.-Ing.s, Dipl.-Kfm.s und jede Menge anderer Dipl.s auf Einladung des Technologie-Transfer-Rings Handwerk NRW in den Hallen der Handwerkskammer zu Köln, um über 3D-Druck zu diskutieren. Unter dem Titel 3D # Daten Digital Drucken sollte der Frage nachgegangen werden, ob 3D-Druck (und 3D-Scan) denn nun tatsächlich die oft propagierte dritte industrielle Revolution einläute – oder ob es sich nur um einen Medienhype handele.
Um sich dieser Frage anzunähern, kamen verschiedene Experten aus dem Bereich der generativen Fertigungsverfahren zu Wort. Den Anfang machte René Bohne vom FabLab der RWTH Aachen. Der Fachmann für Mensch-Computer-Interaktion kam über das wearable computing (das sind in die Kleidung integrierte Minicomputer) an den 3D-Druck. Mit viel Witz legte er die handwerklichen Defizite von Informatikern dar – sie hätten keine Ahnung von Material und Statik geschweigedenn irgendwelche handwerklichen Fähigkeiten. Für solcherlei Dinge programmieren sie lieber Maschinen, die dann das Handfeste für sie erledigen. Und so hat das FabLab in Aachen bis heute einen beachtlichen Gerätepark zusammengestellt: 3D-Drucker Dimension Elite, selbst gebauter MakerBot Cupcake CNC, Lasercutter… und mehr. Bohne erklärte Funktionsweisen und Vor- und Nachteile der einzelnen Geräte. Sehr spannend! René Bohne demonstriert nach seinem Vortrag den FabScan – ein 3D-Scanner, den man sich für rund 100 Euro selbst zusammenbauen kann.
Als nächstes durfte Alexander Speckmann, Gründungsmitglied der Kölner Dingfabrik, über Druck und Scan referieren. Seine Prämisse: Einzuordnen ob 3D-Druck nun Revolution oder Evolution ist, sei Aufgabe der Historiker – viel wichtiger sei, was aktuell geschehe und wie man damit umzugehen habe. In einem kreativen Rundumschlag stellte Speckmann das grundlegende Konzept der 3D-Drucker als “Materialportionierer” dar: von Zucker über Speisepüree bis zu Mäusenieren – ein 3D-Drucker tut eigentlich nichts anderes, als ein gewisses Basismaterial sehr genau, automatisch und mechanisch präzise zu organisieren. Und darum sei 3D-Druck besonders bei Einzelstücken stark, wie sie die Prothetik z.B. fordert.
Ein anderes Beispiel ist eine tatsächlich funktionierende Stradivari aus dem Drucker. Sie diente Speckmann als Indikator dafür, dass durch die automatisierte Fertigung der Geige das traditionelle Handwerk sogar aufgewertet werde. Logisch: In der handgemachten Meistergitarre steckt im Zweifel mehr Arbeitskraft und echtes Holz klingt für den Kenner wohl besser als die Kompromisslösung aus dem Drucker. Und um dem aktuellen Hype etwas entgegenzuwirken betonte Speckmann, dass nicht jedes Druckverfahren mittel- bis langfristig für’s Wohnzimmer tauge. Das Basismaterial für Pulverdrucker ist umständlich, teilweise entstehen giftige Dämpfe und es gibt Preisgrenzen, die nicht unterschritten werden können.
Nach der Theorie die Praxis: Oliver Rosito ist Designer aus Köln und hat sich aus Interesse einen MakerBot Replicator 2 gekauft. Und sofort taten sich neue und spannende Anwendungsmöglichkeiten für ihn auf. So kamen etwa etliche Anfragen aus dem Handwerk zu kleinen Ersatzteilen. Einen Halterungsring, der nicht produziert wird, konnte Rosito für 30 Euro umsetzen – inklusive Design am Computer und Ausdruck. Ein anderer Kunde brauchte für seinen Oldtimer eine möglichst originalgetreue Tachonadel und Gummidichtungen. Zwar kann Rositos Replicator weder Gummi noch Glas verarbeiten, aber er modellierte Negativformen, die dann nur mit dem entsprechenden Material gefüllt werden mussten. Diese und weitere Beispiele belegen, dass es durchaus praktische Anwendungen für 3D-Drucker gibt, welche sich explizit an Privatleute und Kleinunternehmer richten.
Oliver Rosito holt das Maximum aus seinem MakerBot raus: u.a. ein Dom-Förmchen und ein Prototyp für eine Maus aus Holz-Filament
Das Preisspektrum rollte Harald Schmitz der HWK Köln von der anderen Seite auf: Wo ein MakerBot rund 2.000 Euro kostet, müsste man für einen Computertomographen von Zeiss ca. 500.000 Euro berappen. Das ist dann aber ein 3D-Scanner, der auch das Innenleben von Objekten erfasst und mit acht Tonnen etwa die Dimensionen eines Kinderzimmers aufweist.
Schmitz bilanzierte: Das Handwerk wird auf keinen Fall ersetzt! Ganz im Gegenteil. Symptomatisch für den 3D-Druck und die Gesellschaft, in der er möglich ist, sind:
fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft,
kürzere Produktzyklen,
automatisierte Herstellung,
kaum Nacharbeit,
große Materialvielfalt.
Und angesichts dieser Trends zeigt sich, dass die Expertise des Handwerks wichtiger denn je werde. Wo Prozesse und Materialien im Zentrum stehen, wird die Kenntnis um ebendiese zentral. Nach Schmitz sind die folgenden Handwerke von 3D-Druck und -Scan betroffen: Konditoren, Tischler, Elektriker, Formen- und Modellbauer, Zahntechniker, Hörgeräteakuster, Orthopäden, Schuhmacher, Schneider, Kürschner, Modisten… und Goldschmiede. Tendenz steigend.
In einem angenehm bodenständigen Fazit charakterisiert Schmitz das Thema 3D weder als Weltrevolution, noch als inhaltslosen Hype – denn die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Und so ist seine Formulierung des 3D-Drucks als “intelligentes Werkzeug” sehr treffend.
sa
PS: Wir konnten auf der Veranstaltung einige Kontakte für unseren 3Day knüpfen, der im Sommer in der Zentralbibliothek stattfindet: Wir versammeln Enthusiasten und Firmen aus Köln und Umgebung, die sich mit den Technologien beschäftigen, und bestücken unseren Veranstaltungsraum mit ihren 3D-Druckern und 3D-Scannern. Während unserer Öffnungszeiten führen die Aussteller ihre Hard- und Software vor, zeigen Projekte, die mit 3D-Druck und 3D-Scan verwirklicht wurden, und stehen für Erklärungen und zum Fachsimpeln bereit. Nebenher wird live 3D-modelliert und auch die ein oder andere Aktion wird nicht fehlen. Mehr Informationen auf unserer geeks@cologne-Seite.
Wenn eine schnöde Sparkasse auf einmal einen tiefer gebauten Automaten hat, damit auch Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer Geld abheben können, muss das heutzutage immer noch als Errungenschaft gelten. Denn ohne diese Automaten werden behinderte Menschen erst zu Behinderten gemacht. Und wäre es nicht auch denkbar, dass die Stadt wirklich barrierefrei gestaltet ist, damit wirklich jeder Rolli überall hinkommen kann?
Darüber macht sich Lena Gedanken. Die junge Frau, gerade von ihrem 6-wöchigen Schulpraktikum in Gambia zurück, studiert in Bochum Heilpädagogik und weiß schon seit sie 15 ist, dass sie mit behinderten Menschen arbeiten möchte. Nebenbei hat sie ihr Herz komplett an die Stadt Köln verloren und nimmt dafür das Pendeln zum Studium in Kauf. Da sie drei mal im Monat in der Zentralbibliothek vorbeischaut und sich in den Ferien dafür auch immer einen kompletten Tag frei nimmt, könnte man behaupten, dass ihr die Bücherei ebenso mächtig ans Herz gewachsen ist.
Welche Bibliothekarin wäre nicht davon beigeistert zu hören, dass sie lieber im Kochbuch nach Rezepten stöbert, als sich dabei im Internet zu verlieren, oder dass ihr eine Meinung eines Buches lieber ist, als 500 unterschiedliche im Netz? Vor allem über die Auswahl der Fachbücher zeigt sie sich begeistert, da sie dafür nicht durch zig Unibibliotheken rennen muss. Und wenn sie sich dann noch mit neuer Musik versorgt hat, macht sie das ziemlich glücklich. Klingt also logisch, dass sie mit ihrer Begeisterung schon ihre halbe WG angesteckt hat. Im Moment verfolgt sie vor allem die aktuelle Inklusionsdebatte und ist gespannt, wie die Stadt es schafft behinderte und nicht-behinderte Schülerinnen und Schüler zusammenlernen zu lassen. In ihren Augen bekommen behinderte Menschen nicht immer die Betreuung, die sie in einer inklusiven Klasse brauchen. Für sie einer der Gründe sich weiter in dem Bereich zu engagieren.
Das ist doch die Krönung! Alljährlich versammelt sich die Jury des Hauses unter den Zweigen vorm Eingang der Zentralbibliothek. Und zwar just dann, wenn die Kirschblüten in ihrer atemberaubenden Schönheit leuchten. Dann heißt es warten, aber das dauert nur wenige Minuten. Denn dann nähert sich eine nichtsahnende Kandidatin dem Eingang. Innerhalb von drei Sekunden nickt die Jury gemeinsam und die Wahl der Kirschblütenprinzessin ist erfolgt. Jetzt braucht künftige Prinzessin nur noch einzuwilligen und ihrer Jahresregentschaft steht nicht mehr im Wege.
Der Zufallsgenerator entschied sich für Helin, die sofort bereit erklärte, Kirschblütenprinzessin 2014 zu werden. Die Studentin der FHM Köln war auf dem Weg in die Bibliothek um für ihre Bachelorarbeit über Scripted Reality zu recherchieren. Standesgemäß erhielt sie das Krönchen, einen Kirschblütenzweig und ein Überraschungspaket mit japanischen Spezialitäten (alles in Bio-Qualität) für ein Festmahl sowie Japan-Lektüre. Und weil Helin I. gerne Sushi isst, passte der Inhalt diesmal besonders.
Das Reich unserer Prinzessin, nur der Sonnenschein fehlte am Krönungstag.
Einmal die Woche ist es soweit: Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren treffen sich jeden Dienstag zwischen 16:00 und 17:30 Uhr in einem extra hierfür eingerichteten Raum der Stadtteilbibliothek Kalk. In Begleitung eines Medienpädagogen testen sie Spiele für die Xbox 360, PS 3 und Nintendo Wii, welche im Anschluss anhand eines hierfür angefertigten Fragebogens bewertet werden. Dieser wiederum dient als Grundlage für eine ausführliche Spielebeurteilung. Das Angebot richtet sich primär an Eltern und pädagogisch Tätige.
Ob Adventure, Rennspiel oder Jump’n’Run – alle erhalten die Chance ihr Vorwissen einzubringen und sich gemeinsam mit Gleichaltrigen den Herausforderungen der Spielewelten zu stellen. Doch damit nicht genug – neben dem Spielen wird eifriger Meinungsaustausch über bestehende Alterseinstufungen der USK oder inhaltliche Vergleiche aktueller Spiele und Serien betrieben. Hierbei nutzen die Jugendlichen das ihnen dargebotene Forum, um Fragen und Interessen nicht nur mit Gleichaltrigen, sondern auch mit einem Erwachsenen in einem geschützten Rahmen zu thematisieren. Doch an erster Stelle stehen das gemeinsame Erleben und die Faszination virtueller Spielewelten.
„Das Spielen ist Teil unseres Alltags. Wir nehmen uns die Zeit, die Spiele für die Erwachsenen zu testen. Dabei achten wir darauf, wie das Ganze auf uns wirkt und auf andere Jugendliche wirken könnte.“
Max, 16 Jahre
„Manchmal sehe ich eine Serie oder die Nachrichten und frage mich, warum meine Eltern und Lehrer die Gewalt in Games so verurteilen. Aber eine richtige Antwort erhalte ich nicht…“
Martin, 14 Jahre
Die wöchentlichen Sitzungen ermöglichen es, Kenntnisstände und Potenziale der Jugendlichen zu erschließen und je nach Alter und Entwicklungsstand zu fördern. So konnte beispielsweise einem Spieletester, aufgrund seines umfangreichen Fachwissens über Computer- und Videospiele, ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in einer medienpädagogischen Institution ermöglicht werden. Diese vielseitige Erfahrung festigte seinen Wunsch, eines Tages medienpädagogisch tätig zu sein. Darüber hinaus war es ihm möglich, seine Erfahrungen aus den Sitzungen der Spieletestergruppe „The Game Connection“ weiterzuentwickeln, um in seiner Freizeit ebenfalls eigene Spielebeurteilungen anzufertigen.
Dieses Beispiel zeigt, dass durch das Angebot der Spieletestergruppe ohnehin existierende Interessen seitens der Jugendlichen aufgegriffen – durch regelmäßigen Austausch mit Gleichaltrigen und Älteren können Potenziale wahrgenommen und Ziele neu definiert werden. Der geschützte Rahmen sowie die medienpädagogischen Impulse befähigen die Jugendlichen zu kreativen und selbstständigen Handeln.
Insgesamt wurden im Jahr 2013 zehn Spiele verschiedener Genre getestet, welche in Kürze auf der Website des Spieleratgebers NRW einzusehen sind.
Ausblick 2014
Für das Jahr 2014 stehen weitere Pläne an. Zum einen will die Spieletestergruppe expandieren. Alle Jugendlichen, die Dienstagnachmittag neben ihren schulischen Verpflichtungen Zeit und Interesse haben, sind herzlich dazu eingeladen an einer Sitzung teilzunehmen. Zum anderen besteht großes Interesse daran, den Anteil weiblicher Gamer auszubauen und zu stärken. Die vielseitige Auswahl an Konsolen sowie das gut sortierte Repertoire an Spielen steht interessierten Mädchen gleichermaßen zur Verfügung.
In Kürze steht ein Ausbau des Konsolen-Sortiments an: Angekündigt sind die neue Playstation4 und Xbox One! Die Voraussetzungen für eine Teilnahme sind die Zustimmung der Eltern und ein Mindestalter von zwölf Jahren.