Am 29. November liest der Philosophiehistoriker Kurt Flasch mit uns und Euch in der Zentralbibliothek Dante. “Dantes Commedia durchmisst den gesamten metaphysischen Kosmos der damaligen Zeit – Hölle, Fegefeuer und Paradies – und durcheilt gleichzeitig die dunklen Gassen und verschwiegenen Hintertreppen. Mit seiner Übertragung legt Kurt Flasch die Frucht seiner lebenslangen Beschäftigung mit Dante vor. Seine elegante Sprache, seine Kunst zur plastischen Darstellung und sein enzyklopädisches Wissen greifen ineinander und erschließen Dantes Kosmos neu. Flasch entdeckte, dass nicht der Vers, sondern der Satz das eigentliche Architekturelement Dantes ist, und übersetzt sein Meisterwerk in eine rhythmisch federnde Prosa.” (aus dem Veranstaltungskalender der Stadt Köln) Beginn ist um 20 Uhr. Die Moderation übernimmt Gerd Scobel (u.a. Journalist und Philosoph). Wir verlosen an dieser Stelle wieder 2×2 Karten für die Veranstaltung. Schreibt uns bis zum 21. November hier in einem Kommentar, warum Ihr gerne Karten gewinnen möchtet! Viel Spaß!
Drei Tage feiert die Stadtteilbibliothek Sülz in dieser Woche die Wiedereröffnung nach umfassender Renovierung. Auf Einladung des Fördervereins Lesezeichen e.V. stellt der Kulturjournalist und Kölner Dr. Walter Filz (im Bild) sein Buch “Der Affe zu Köln” vor, das mit verblüffenden Erkenntnissen zur Kölner Mentalität und der Geschichte des Affen Petermann aufwartet. Anläßlich seiner Lesung, die morgen, Donnerstag, 17.11.11, um 20 Uhr in der Stadtteilbibliothek Sülz stattfinden, hat er uns ein kleines Interview gegeben.
Herr Dr. Filz, wieviele Affen gibt es in Köln?
Das kommt – wie immer – auf die Definition an. 100prozentige Affen gibt es (hoffentlich) nur im Kölner Zoo. Mindestens 95prozentige Affen sind wir alle, denn so hoch schätzen Forscher die genetische Übereinstimmung zwischen Schimpansen und Menschen. (Manche behaupten sogar, es seien mehr als 98 Prozent). Noch höher können die seelisch-mentalen Übereinstimmungen sein. Allerdings scheint es hier regionale Varianten zu geben. Meiner Einschätzung nach kann die seelisch-mentale Übereinstimmung zwischen Kölnern und Menschenaffen bis zu 99 Prozent betragen, in Einzelfällen liegt sie vielleicht noch darüber. Man könnte also durchaus behaupten, dass es in Köln so viel Affen wie Einwohner gibt. Allerdings ist dieser Bereich noch weitgehend unerforscht. Man ist auf Beobachtung und Hypothesen angewiesen…
Warum ist ausgerechnet Köln so affengeil?
Ob Köln “affengeil” im wörtlichen Sinn ist, weiß ich nicht. (Ist dieses ehemalige Jugendsprachwörtchen nicht fast schon wieder ausgestorben?) Außer auf dem Pavianfelsen im Zoo scheint mir der Testosteron-Ausstoß in der Stadt im deutschen Durchschnittsmaß zu liegen. Köln ist aber – anders als andere deutsche Städte – “affenartig” und manchmal auch unartig. Das liegt unter anderem an einer gewissen – sagen wir – offensiven Unkenntnis von Pflicht- und Moralvorstellungen und einer relativ ungebändigten Trieborientierung bei gleichzeitiger Verweigerung von Verantwortung. Zum Triebhaften passt natürlich das Adjektiv “geil”. Aber ich möchte trotzdem nicht von “affengeil” sprechen – um die Affen nicht zu diskriminieren.
Tatsächlich zielt der kölsche Trieb auch weniger in den sexuellen Bereich. Der Kölner will ganz allgemein: nur spielen.
Allenthalben klagt man in Köln oft über den Niedergang der kölschen Art. Die Kinder können kein Kölsch mehr sprechen, wollen es auch gar nicht. Und die Imis feiern schon ihren eigenen Karneval. Droht dem Äffischen im Kölner die Nische in der eigenen Heimatstadt?
Die “kölsche Art” wandelt sich – wie alle Sitten und Gebräuche und wie der Mensch überhaupt. Und wer da “Artenschutz” fordert, der verwechselt Lebensgefühl mit historischen Denkmälern. Andererseits: der Dom bleibt ja stehen, die geographische Lage Kölns verändert sich auch nicht. Und auch andere äußere und innere Gegebenheiten der Stadt erweisen sich als erstaunlich beharrlich. Deshalb glaube ich, dass “Imis” in Köln nur begrenzt ihren eigenen Karneval in Kölner Kulissen feiern können. Denn die Stadt und ihre “Art” lässt das gar nicht zu. Ob mit mehr oder weniger kölscher Sprache: wer hier ist, der wird Kölner – ob er will oder nicht und oft, ohne dass er (oder sie) es merkt. Daher mache ich mir ums Äffische keine Sorge. Petermann lebt… und lässt sich täglich aufs Neue erleben.
Klaus Bittner
Was braucht man mehr als eine Haushälterin und deren köstliche Linsengerichte? Gilbert Kaplan, unser Titelheld, ist zufrieden damit und mit seinem Leben. Vielleicht noch ab und an eine kleine Plauderstunde und ein Gläschen Wein mit seinem Nachbarn, einem alten Veterinär, wenn man sich elend fühlt oder erkältet ist. Der hat zwar auch keine Ahnung von Erkältungskrankheiten, dennoch fühlt man sich hinterher leichter und besser, fast geheilt, vor allem wenn Monsieur Kaplan aus seiner Pariser Wohnung dann noch dem Treiben auf den Straßen zuschauen kann. Wenn nur nicht dieser große Preis wäre, den man ihm neuerdings verleihen will. Es ist ihm peinlich, für etwas geehrt zu werden, das so viele Jahre zurückliegt und an das er sich nicht mehr erinnern kann. Erinnern tut er sich allerdings noch an viele kleine Episoden seines Lebens, z. B. an seine unglückliche Frau oder seinen eigenwilligen Sohn, den er so viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Nach China fährt er aber auf jeden Fall nicht, die Chinesen haben ihn zwar eingeladen, aber das ist ihm zu weit und dort gibt es auch viel zu viele Menschen, dies ist ihm unangenehm. Und einen neuen Anzug will er auch nicht haben. Am Besten er geht gar nicht zur Preisverleihung. Doch Madame Ambrunanz wünscht es sich so sehr! Véronique Bizot gelingt mit dieser knappen Novelle ein kleines Meisterwerk, das uns gerührt, melancholisch, nachdenklich, aber auch amüsiert und beschwingt zurücklässt. Dem Roman finden Sie in der Zentralbibliothek unter “U Bizot, Véronique”.
Klaus Bittner
„Er sang die Geschichte hingebungsvoll wie eine Hymne und energisch wie ein Anrufer, aber vor allem machte er sie anschmiegsam, damit die Leute sie mit Beinen und Hüften lernten und später wiederholen konnten.“
Mit diesem Auftritt beginnt der Dienst des Sängers, der im Mittelpunkt des kleinen Romans steht und aus dessen Sicht und durch seine Balladen seine und die Geschichte des Königs erzählt wird. Aber wer ist der König? Nur ein Drogenboss, nur ein Herrscher über ein riesiges Gebiet in der Wüste Mexikos, von dem alle abhängig sind in Gutem wie im Bösen? Der die Polizei oder Politiker, eigentlich alle an „Hof“, für sich arbeiten lässt, solange sie seinen Interessen dienen. Das erinnert natürlich an Mafiastrukturen. Und natürlich ist der Künstler der Hofnarr, solange gewünscht und geduldet, wie er die Heldentat seines „Königs“ besingt und seine Nase nicht zu tief in seine Geheimnisse steckt. Aber zum Glück ist unser Corrida-Sänger zu naiv oder doch instinktiv zu schlau, um sich ganz in diesem Sumpf zu verlieren. Er beobachtet, durchschaut, singt und liebt. Aber wie Herrera durch die Augen seines Sängers den Charme der Macht, die Gier, und die Verführbarkeit deren Handlanger schildert, ist so wundersam und meisterhaft, dass man sich am Ende verwundert den Sand aus den Augen reibt. „ Gehen wir, gehen wir endlich.“ Den Roman finden Sie in der Zentralbibliothek unter “U Herrera, Yuri” .
Ich muss ja zugeben, dass ich wirklich drauf reingefallen bin:
Ein aufwändig und kurvenreich ausgeschnittener Zeitungsausschnitt in einem unserer Bücher von Seite 9 einer unbekannten – weil abgeschnittenen – Zeitung. Das ganze aus der Rubrik “POLIZEI AKTUELL” mit einer sehr haarsträubenden Beschreibung einer Mordserie durch einen Augenarzt. Für “aktuelle Informationen zum Fall” soll man den weiter unten abgedruckten QR-Code einscannen – und weil ich mich aufgrund eines Projektes gerade viel mit diesen Codes beschäftige, probierte ich dies natürlich – in diesem Fall sehr skeptisch – aus. Zum Glück wird auf Smartphones nach dem Scannen von QR-Codes ja immer zuerst der hinterlegte Link angezeigt, sonst hätte ich hier eine noch größere Finte befürchtet… andererseits fand ich die Auflösung doch wirklich sehr beruhigend! Wenn Ihr Euch auch beruhigen möchtet, dann packt doch mal Euer Smartphone aus (oder ladet euch gegebenenfalls eine App für QR-Codes herunter) und folgt dem Code..
“Hengelo kan trots zijn op zijn prachtige bibliotheek!” schreibt die website der Gemeinde (diese liegt in der Provinz Overijssel, Region Twente, ca. 7 km nordwestlich von Enschede). Wenn man nun “trots” mit “stolz” übersetzt, ist der Sinn eigentlich schon klar. Und der Grund ist die Wahl der Bibliothek Hengelos zur besten Bibliothek der Niederlande 2011.
Durchsetzen konnte sich das eindrucksvolle Haus an der Beursstraat gegenüber 11 Konkurrenten, jede Provinz hatte eine Bibliothek in der Endrunde. Ausgelobt wird der Preis vom Bibliotheeksblad und eine unabhängige Jury unter Leitung der Schriftstellerin Mieke van der Weij bestimmte den Gewinner. Der hieß dieses Jahr Hengelo, weil die dortige Bibliothek “Unternehmungslust und Gastfreundschaft ausstrahlt”. Bei 1500 Besuchern täglich hob die Jury die “persönliche Betreung und das gute Auge für den Kundenservice” hervor.
Von hier aus noch mal:
“Herzlichen Glückwunsch an die Kolleginnen und Kollegen in Hengelo!”
Dieses Datum gibts nur alle 100 Jahre! Und Kölscher geht gar nicht! Deshalb wird sich diese Woche Freitag, 11.11.11 pünktlich um 11 Uhr 11 (und vermutlich diesmal 11 Sekunden) die Stadt auf Knopfdruck in einen brodelnden Vulkan des Frohsinns und ein Inferno der guten Laune verwandeln.
Und wer dabei sein und sich musikalisch oder kostüm- bzw. partykreativ präparieren will, findet in der Zentralbibliothek und in allen Stadtteilbibliotheken karnevalistisches Medienfutter ohne Ende.
gp
P.S.: Und wenn Ihr die Liedzeile: “Dreimol noll es null es null” hört, immer dran denken: hier wird einer der Gründerväter der Stadtteilbibliothek Kalk besungen, Heinrich Welsch.
Der Kracher sind die Kommentare! Die meisten bekommt Zack aus New York. So bittet Melissa: “Wanna read together?” Und Tania fordert: “I’d love to be oriented by a librarian like Zack! Wow!!”. Tiffani spitzt es zu: “He definitely brings the sexy to the library.”
Zack sieht nicht nur top aus, er führt auch ein Leben jenseits der Bibliothek. Er kann Rugby spielen und Lasso werfen. Er fährt Fahrrad, engagiert sich sozial und kennt die romantischsten Plätze in NY. Zack ziert das Januar-Blatt des 2012 Kalenders „The men of the stacks”. Wobei „stack” auf Deutsch mit „Magazin” wohl am treffendsten übersetzt ist. Was der Übersetzung eine zusätzliche Note verleiht. Im Bibliotheksmagazin, so die gängige Auffassung, werden die seltenen, wertvollen Bestandsexemplare vor eigenmächtigem Zugriff geschützt aufbewahrt. Berücksichtigt man(n) nun, dass das amerikanische Bibliothekspersonal zu 80 % weiß und 72 % weiblich ist (bei uns sind beide Anteile höher), erfasst frau sofort die Absicht dieses Wandschmucks, der monatlich einen Mann zum Model macht, das in einer Bibliothek arbeitet.
Dazu einer der Macher: “We can’t just leave it to others to tell the people who we are; that’s why the stereotypes about librarians continue to flourish. We have to be the ones to go out there and tell people who we are. It’s not enough to complain about inaccurate images of librarians; we must be able to present alternative, positive images in movies, books and, yes, blogs.”
Dem ist nicht hinzu zu fügen (Deb: “Mmmmrowr“)! Hier endlich was fürs Auge!
P.S.: Der Erlös des Kalenderverkauf kommt dem “It gets better project” zugute. Viele Promis unterstützen dieses weltweite Egagement gegen Mobbing von schwulen und lesbischen Jugendlichen.
Am 11. November bekommen wir Besuch, auf den ich persönlich ganz besonders gespannt bin. Ranga Yogeshwar, dafür bekannt, dass er Phänomene unseres täglichen Lebens verständlich erklären kann, wird sein Buch “Ach so!” vorstellen und mit uns eine Reise zu den Rätseln des Alltags unternehmen. Start ist um 20.30 Uhr in der Zentralbibliothek. Sich den Termin zu merken, sollte für Kölner ja kein Problem darstellen 😉 Und ja, wir tun es wieder! Wir verlosen 2×2 Karten für die Veranstaltung. Schreibt uns bis zum 6. November einen Kommentar, warum Ihr gerne 2 Karten gewinnen möchtet und nehmt somit an der Verlosung teil. Viel Spaß! ck
Die Planungen begannen in den 60er Jahren. Herzstück der sogenannten “Neuen Stadt Chorweiler” sollte ein sozial-kulturelles Zentrum werden. Heute nennt es sich schlicht “Bürgerzentrum”. 1977 beschloss der Kölner Stadtrat, dass an diesem Ort auch die Bezirksbücherei eingerichtet werden sollte. Als modernes Kommunikationszentrum ergänzt durch Mediothek, Artothek, eine Kunstsammlung und Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen für alle Altersgruppen.
Im gleichen Jahr begann der Bau und 1978 der Bestandsaufbau der Bibliothek. Im Juni 1981 wurden die Räumlichkeiten bezogen und die Regale bestückt. Feierlich an den Start ging das neue Zentrum am 30. Oktober 1981. Der Ausleihbetrieb begann am 2. November 1981 mit 42.000 Büchern. Unter den 100 abonnierten Zeitungen und Zeitschriften waren auch etliche für “Gastarbeiter” (wie man damals sagte). 2000 Schallplatten (auch zum Sprachenlernen) und 1250 Platten, Kassetten und Spiele für Kinder rundeten das Angebot ab.
“So können die Bewohner der Betonstadt sich glücklich schätzen, nach der Zentralbücherei in Köln die größte Ansammlung von Gedrucktem in ihrer Zweigbücherei vorzufinden”, schrieb die Kölnische Rundschau am 4. November 1981 und verschwieg nicht: “Das alles in einer Ausstattung, die noch einmal die fetten Jahre öffentlichen Bauens spiegelt.”
Und heute? Die Schallplatten und Kassetten sind verschwunden. Erweitert wurde der Buchbestand durch CDs, DVDs, CD-Roms, Konsolenspiele und Internet. Ein Raum speziell für junge Erwachsene und eine gemütliche Seniorenecke mit Großdruckbüchern sind eingerichtet. Ein großer Lernbereich für Schüler steht zur Verfügung. Klassen- und KiTA-Führungen flankiert von Hausaufgabenbetreung und Entspannung beim Spiel an der Wii zählt ebenso zum aktuellen Angebot wie Kunstausstellungen und Veranstaltungen.
Besonder engagiert ist die Stadtteilbibliothek Chorweiler im Bereich der Alphabetisierung. gp