Ein hinreißendes Buch: “Meine algerische Familie” von Alice Schwarzer


Alice Schwarzer hat ein hinreißendes Buch geschrieben – so das Fazit in ttt (titel-thesen-temperamente) in der Sendung am 4. 3.
 
Alice Schwarzer ist am Donnerstag, 22. 3. um 19:30 in der Kölner Zentralbibliothek zu Gast, um ihr aktuelles Buch „Meine algerische Familie“ vorzustellen.
Der Muezzin und die Kuckucksuhr. Dieses Buch ist eine Überraschung. Denn wer wusste schon, welch enge und liebevolle Beziehung Alice Schwarzer seit Jahrzehnten zu einer Familie in Algerien hat, einer Familie, die in ihrer Vielfalt und Lebendigkeit ein regelrechtes Abbild dieses nordafrikanischen Landes zwischen Tradition und Moderne ist, zwischen islamistischer Bedrohung und demokratischen Hoffnungen?
Zuerst traf Alice Schwarzer 1989 Djamila, eine algerische Journalistin, die nach dem drohenden Wahlsieg der Islamisten und dem von ihnen angezettelten Bürgerkrieg mit über 200.000 Toten in den 90er-Jahren wie viele andere um ihr Leben fürchten musste und für einige Jahre nach Deutschland emigrierte. Doch Djamila hat Eltern und Großeltern, Brüder und Schwestern, Neffen und Nichten, die Alice Schwarzer in deren Heimat bei Neujahrsfeiern, Ferienbesuchen und Hochzeiten kennen und lieben lernte. Diese Familie lässt Alice Schwarzer zusammen mit der Fotografin Bettina Flitner in ihrer ganzen Vielfalt lebendig werden: die Generation der Alten, geprägt von der Kolonialzeit, dem Befreiungskrieg und den Jahren des Aufbruchs, in dem Algier »das Mekka der Revolution« war; die Generation, die die »schwarzen Jahre« des islamistischen Terrors und der politischen Repression durchlebte – und die jungen Leute von heute zwischen High Heels und Verschleierung, zwischen Instagram und spätsozialistischer Stagnation.

(c) Bettina Flitner

Alice Schwarzer ist eine deutsche Journalistin und Essayistin. In ihrer Zeit als politische Korrespondentin in Paris war sie zu Beginn der 1970er Jahre eine der Pionierinnen des Mouvement de la liberation des femmes (MLF). Ihre Gespräche mit Simone de Beauvoir in den Jahren 1971-1983 erschienen als Buch in mehreren Sprachen. 1971 initiierte sie in Deutschland die Aktion „Ich habe abgetrieben” – und forderte das Recht für jede Frau dazu. 1977 gründete sie das politische Frauenmagazin EMMA, dessen Verlegerin und Chefredakteurin sie bis heute ist. Sie veröffentlichte bisher insgesamt 21 Bücher als Autorin und 22 Bücher als Herausgeberin. Darunter 1975 den in 12 Sprachen übersetzten Bestseller »Der kleine Unterschied und seine großen Folgen« (über die Rolle von Liebe und Sexualität bei der Unterdrückung von Frauen), sowie Biografien u.a. über Gräfin Dönhoff und Romy Schneider. 2013 publizierte sie als Herausgeberin: »Prostitution – ein deutscher Skandal«. Über den Islamismus veröffentlichte Schwarzer seit 1979 zahlreiche Artikel und gab bei KiWi drei Bücher heraus: »Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz« (2002), »Die große Verschleierung. Für Integration, gegen Islamismus« (2010) sowie »Der Schock – Die Silvesternacht von Köln« (2016). 2011 erschienen die Lebenserinnerungen von Alice Schwarzer: »Lebenslauf«.
Das Buch ist am 15. 2. 2018 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.
Gerne signiert Alice Schwarzer nach der Buchpräsentation.
Mehr Informationen unter www.aliceschwarzer.de
 
 
Die Veranstaltung findet  im Rahmen des Literatur-in-Köln-Archivs der Stadtbibliothek Köln und in der Reihe „wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit“ statt.
Weitere Veranstaltungen im Kulturprogramm.
Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro für Schüler, Studenten und Köln-Pass-Inhaber. Karten sind im Vorverkauf über KölnTicket und an der Abendkasse erhältlich.

Gibt es einen sozialverträglichen Kapitalismus?

Innerhalb des Themenspektrums Kapitalismus und Demokratie in „wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit“ findet am Montag, 19. März, um 19:30 Uhr in der Zentralbibliothek eine Diskussion zwischen Colin Crouch und Wolfgang Streeck statt. Die Moderation übernimmt Smail Rapic.

Zum Inhalt

Im Westen herrschte Jahrzehnte lang die Überzeugung, dass Demokratie und Marktwirtschaft zusammengehören. Nach dem Ende des sogenannten „real existierenden Sozialismus“ in Osteuropa schien dem westlichen System die Zukunft zu gehören. Die 2008 ausgebrochene Weltfinanzkrise, deren Folgen bis heute andauern, erschütterte jedoch das Vertrauen auf die nachhaltige Prosperität des globalisierten Marktes. Die Rechtspopulisten in Europa und den USA verdanken ihre Wahlerfolge dem Versprechen, den Leidtragenden der kapitalistischen Globalisierung in ihren Ländern zu neuem Wohlstand zu verhelfen. Gleichzeitig mehren sich Bestrebungen, wirtschafts- und verteilungspolitische Probleme an technokratische Institutionen und internationale Organisationen auszulagern, die gegenüber demokratischen Wahlen und egalitären Umverteilungsforderungen immun sind.
Lässt sich der globalisierte Kapitalismus auf demokratischem Weg zähmen? Oder sind seine sozialen Verwerfungen zur essentiellen Bedrohung der Demokratie geworden? Hierüber diskutieren zwei international führende Experten, deren Krisendiagnose in vielen Punkten übereinstimmt, die aber unterschiedliche Zukunftsszenarien entwerfen.

Colin Crouch. Copyright: Jürgen Bauer.

Colin Crouch ist emeritierter Professor für Governance and Public Management an der Universität Warwick. Seine Bücher Postdemokratie (2008) und Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus (2011) sind Klassiker der Zeitdiagnose. Für weitere Informationen bitte hier klicken: https://www.britac.ac.uk/users/professor-colin-crouch.
 
Wolfgang Streeck. Copyright: Jürgen Bauer.

Wolfgang Streeck ist emeritierter Professor für Soziologie und war bis 2014 Direktor am Max Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Seine Bücher Gekaufte Zeit, Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus (2013) und How will Capitalism End? Essays on a Failing System (2016) wurden internationale Bestseller. Weitere Informationen findet ihr auch unter: https://wolfgangstreeck.com/.
Smail Rapic ist Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Wuppertal.

Die Reihe

Die Veranstaltung findet in der Reihe „wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit“ der Stadtbibliothek Köln statt. Weitere Veranstaltungen findet ihr im Kulturprogramm.
Das Event ist eine Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal und der Buchhandlung Bittner.
Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Köln-Pass-Inhaberinnen und-Inhaber. Karten sind im Vorverkauf über die Buchhandlung Klaus Bittner und an der Abendkasse erhältlich!
Bitte merkt euch auch folgende Veranstaltung vor:
Mittwoch, 9. Mai, 19 Uhr – Jens Beckert: Imaginierte Zukunft. Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus. Moderation: Gert Scobel

Steampunk für Einsteiger

Bereits im Karneval sah man ein Verkleidungsthema zunehmend: Steampunk. Jules Vernes wahrgewordene Träume. Retrofuturistische Visionen eines viktorianischen Zeitalters des Dampfes. Begeisterung für Technik, Handwerk und Ästhetik in einer Symbiose von Vergangenheit und Moderne.
Kommt mit auf eine Entdeckungsreise in die phantastischen Welten dieser Subkultur, die längst den Mainstream beeinflusst. Von Literatur- und Musikgenre, über Fashionstyle bis hin zu Ingenieurskunst und Gesellschaftsetikette, stellen wir Euch in Vorträgen, Lesung und Ausstellungen das breite Spektrum des Steampunks vor.

Steampunk © Ulli Leimkötter

// Veranstaltungsort: Erdgeschoss der Zentralbibliothek (Stadtbibliothek Köln)
// Datum: 6. März 2018 (Dienstag)
// Uhrzeit: 19 – ca. 22.00 Uhr (Einlass in den Bereich ab 18:30 Uhr)
// Eintritt: kostenlos
// Anmeldung: nicht erforderlich (aber Gästezählung auf Facebook)
// Hashtag: #geekscgn
Weitere Informationen!

bp

15. Februar: Finissage zur Ausstellung “Kölner Clubs – früher und heute”

Am kommenden Donnerstag, 15.2.2018, findet um 18 Uhr im Erdgeschoss der Zentralbibliothek am Neumarkt die Abschlussveranstaltung zur Ausstellung „Kölner Clubs – früher und heute“ statt, die noch für eine Woche auf der 4. Etage in der Musikbibliothek zu besichtigen ist. Die Ausstellung des Musikarchivs NRW hat viel positives Echo hervorgebracht und auch die Finissage verspricht ein schöner Abschluss zu werden. 🙂 Der Eintritt ist frei.

 
Ole Löding liest Passagen aus dem Buch „Sound of the Cities“, präsentiert faszinierende Songs aus den Pophauptstädten der Welt und bringt exklusive Ausschnitte aus Interviews mit musikalischen Pionieren zu Gehör.
Zwei Jahre lang sind die beiden Journalisten Philipp Krohn und Ole Löding in die 24 faszinierendsten Musikstädte der Popgeschichte gereist, um vor Ort zu erspüren, welchen Einfluss Städte auf ihre Künstlerinnen und Künstler haben. Auf der Suche nach den Entstehungsorten, an denen Soul, Punk, Indierock oder Elektro erfunden wurden, trafen sie mehr als 150 Musikerinnen und Musiker. In legendären Clubs und stickigen Backstageräumen, an historischen Plätzen und während persönlicher Stadtführungen, in Aufnahmestudios und Proberäumen haben sie Mitglieder von weltberühmten Bands wie The Velvet Underground, Genesis oder Einstürzende Neubauten ebenso befragt wie einflussreiche Produzenten, Nachwuchskünstler und Plattenladenbesitzer. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an Städte und ihre Musik sowie eine einzigartige popmusikalische Entdeckungsreise.
Ole Löding schreibt als Autor und Musikjournalist über Musik und kulturpolitische Themen, hat über politischen Pop promoviert, als Popreferent und Radiomacher gearbeitet und das erfolgreiche Buch „Sound of the Cities“ geschrieben. Er ist für das Institut für Kulturpolitik in Bonn wissenschaftlich tätig, Redaktionsmitglied der „Kulturpolitischen Mitteilungen“, Mitglied in Pop-Jurys und hält deutschlandweit Vorträge über Popkultur und kulturrelevante Fragestellungen.

Noch zu retten? Dias und Filmstreifen digitalisieren

Wer noch Dias und Filmstreifen irgendwo auf dem Dachboden stehen hat, fragt sich das beim Aufräumen bestimmt jedes Mal. Was macht man damit? Lassen sich die Fotos noch retten oder hilft nur noch wegschmeißen?
Halt! Bevor die güldenen Schätze in der Mülltonne laden:
Mit unserem brandneuen „Epson Perfection V550 Photo Scanner“ können Sie selbständig 35mm-Dias, 35mm-Filmstreifen und auch Filmstreifen im Mittelformat (sog. Mittelstreifen) einscannen und als Dateien auf einem USB-Stick speichern.

Die Dias und Filme werden in passende Halterungen eingelegt und dann, wie bei einem normalen Scanner, auf dem Scannerglas positioniert. Nur noch Deckel zu und schon kann es losgehen!


Aus jedem einzelnen Dia und Filmfoto macht der Scanner automatisch eine Fotodatei. Es gibt verschiedene Scan-Modi, mit denen weitere Einstellungen angepasst oder geändert werden können. Beispielsweise lässt sich die Bildschärfe einstellen, Farbkorrekturen vornehmen und das Bild mit einer umfassenden Auswahl von Werkzeugen, wie Farbwiederherstellung, Staubentfernung und Hintergrundbeleuchtung-Korrektur bearbeiten.
 
Eine Anleitung steht in gedruckter Form bei dem Gerät oder lässt sich (detaillierte Anleitung) als Anwendung „Epson-Benutzerhandbuch“ auf dem angeschlossenen PC finden. Dieses Angebot ist ein Teil unseres Makerspaces auf der 4. Etage unserer Zentralbibliothek.
Eine Reservierung des PCs, der für die Digitalisierung verwendet wird, ist möglich, aber nicht unbedingt notwendig.
 
Auf der 4. Etage gibt es bereits verschiedene Geräte zur Digitalisierung von Schallplatten an unserer Vinylbar, von Audio-Kassetten an unserer Kassettenbar und von VHS-Kassetten an unserer Filmbar.
 
Viel Spaß beim Digitalisieren!

Low Carb kochen & Pfunde verlieren – aber gesund!

Zum Beginn des neuen Jahres wollen viele Menschen abnehmen und fit werden für den Sommer. Ein manchmal schwieriges Unterfangen, denn es grüßt schon bald der allzu bekannte Jo-Jo-Effekt: Hat man erst einmal das Wunschgewicht erreicht, fällt es schwer nicht in alte Essensgewohnheiten zurück zu fallen. Abhilfe will hier die Low Carb-Ernährungsweise versprechen. Genau: Ernährungsweise – nicht Diät!
Es geht darum, Pfunde zu verlieren, aber langsam und gesund. Das soll man erreichen, indem man wenig Kohlenhydrate isst (= low carb), bzw. nur die “richtigen” Kohlenhydrate. Interessante Bücher rund um diese Thematik findet ihr unter der Signatur Wcl 3.
Weitere spannende Rezeptideen findet ihr (in der Zentralbibliothek) unter dem Themenkreis “Fitnessküche” bei den Kochbüchern (Signatur: Vgn, 1. Etage).

Kleine Auswahl an Low Carb Büchern. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

Ich habe das Gericht Ratatouille aus dem Buch Low Carb. Das Rezeptbuch aus der Reihe Iss dich gesund! ausprobiert.
Buch: Low Carb – das Rezeptbuch. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

Für dieses Essen werden viele frische Gemüsesorten verwendet: Auberginen, Tomaten,  Zucchini, rote, gelbe und grüne Paprika, Zwiebeln und diverse Kräuter.
Als Erstes werden die Auberginen in dünne Scheiben geschnitten,  mit Salz bestreut und beiseite gestellt. Nach 10 Minuten können die Scheiben mit einem Küchenpapier abgetupft werden – so werden der Aubergine die Bitterstoffe entzogen.
Auberginen-Scheiben mit Salz bestreuen um Bitterstoffe zu entziehen. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

Die Tomaten werden enthäutet, entkernt und gewürfelt. Die Zucchini, die Paprikaschoten und die Zwiebeln schneidet man klein.
Alle Gemüsesorten werden klein gewürfelt. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

Als nächstes wird jede Gemüsesorte einzeln in der Pfanne angebraten: Aubergine, Paprika und Zucchini.

Zuletzt wird dann alles in einem Topf vereint. Dazu werden die Zwiebelstücke zusammen mit  Knoblauch angeschwitzt; dann das komplette Gemüse hinzugefügt. Es wird mit Salz, Pfeffer, Basilikum gewürzt. Wer kann und mag, kann Thymian, Oregano und Rosmarin in Zweigen obendrauf legen.
Alles zusammen muss auf kleiner Flamme schmoren. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

Nun lässt man das Gericht auf kleiner Flamme noch 25 Minuten schmoren, bevor es serviert werden kann.
Fertig ist die Low Carb Ratatouille. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

Das Gericht ist für 4 Portionen berechnet worden und enthält dann pro Portion ca. 170 Kilokalorien/712 Kilojoule, 5g Eiweiß, 11g Fett und 12g Kohlenhydrate.
Wie schon erwähnt, haben wir in der Stadtbibliothek viele weitere Low Carb-Rezeptbücher, in denen ihr auch Alternativen zu Burgern, Flammkuchen und Pizza findet.  Es ist überraschend, wie man mit einer Kombination aus Quark und Ei einen Teig imitieren kann! Oder bei Burgern ein Burgerbrötchen aus Frischkäse und Ei herstellen kann. Doch probiert es doch einfach mal selber aus und lasst euch überraschen!

fh

Nachbericht zu “Unglück auf Rezept – Die Anti-Depressiva-Lüge und ihre Folgen”

Depressionen sind weltweit die führende Ursache für Berufsunfähigkeit. Seit 1991 hat sich die Verschreibung von Antidepressiva versiebenfacht und die Frühberentungen aufgrund psychischer Ursachen verdreifacht. Auch krankheitsbedingte Fehltage im Arbeitsleben haben trotz medikamentöser Behandlung zugenommen. Ein Thema, das Millionen von Deutschen betrifft: Depressionen – genauer gesagt: Antidepressiva. Die Medikamente, mit denen Depressionen behandelt werden.
Dies sind Fakten, die Hirnforscher Dr. Peter Ansari in der Zentralbibliothek vortrug, und die er (zusammen mit seiner Frau) in dem gemeinsam verfassten Buch Unglück auf Rezept von 2016 belegte. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Gesund leben – Körper Geist Gesellschaft“ hatte er Gelegenheit, seine Thesen erstmals in Köln vorzustellen.
Mithilfe seiner Prezi-Präsentation vermittelte der Referent viele minutiös recherchierte Fakten abwechslungsreich und unterhaltsam. Sein Vortrag umfasste das komplette Spektrum der Thematik – von den Ursachen der Depression bis hin zur Therapie – der Schwerpunkt lag aber auf der medikamentösen Behandlung. Im Publikum saßen viele Betroffene, teilweise aufgrund von Vielfachmedikation nicht mehr arbeitsfähig. Aber auch einige, die beruflich mit dem Thema zu tun haben und die ihr Wissen erweitern wollten. Sogar ein Facharbeitsschüler wollte den Referenten hören und ihn noch zu ein paar Unklarheiten befragen.
Der Facharbeitsschüler und Herr Dr. Ansari. Copyright: Stadtbibliothek Köln

Peter Ansari, der seit 10 Jahren intensiv zum Thema Depression forscht und darüber seine Doktorarbeit geschrieben hat, stellte klar, dass Depression keine neuro-chemische Mangelerscheinung sei. Es gäbe keine einzige Studie, die einen Zusammenhang zwischen niedrigem Serotoninspiegel und Depressionen nachweisen könne.
Er berichtete, dass Mitte der 80er Jahre ein Medikament nach dem anderen von der Gattung SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) wegen Wirkungslosigkeit und ausbleibender Heilerfolge kurz nach Einführung wieder vom Markt genommen wurde. Die Situation änderte sich erst 1988, als das Medikament „Prozac“ auf den Markt kam. Weltweit mit einer gigantischen Marketingkampagne beworben, bei der auch Ärzte als Multiplikatoren mit ins Boot genommen wurden. Unter anderem wurde es auch für andere medizinische Indikationen und sogar bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Trotz massiver Nebenwirkungen, Abhängigkeit, Absetzproblemen und Suiziden haben heute Antidepressiva vom Marktanteil her Tranquilizer und Neuroleptika um ein Vielfaches überholt, schilderte der Referent. Hierzu hätten Studien der Pharmaindustrie, die von den Rahmenbedingungen her so lange verändert wurden, bis das Ergebnis „passte“ (andernfalls in der Versenkung verschwanden), erheblich mit beigetragen – so Peter Ansari.
Der Referent während des Vortrags. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

2002 entdeckte Universitätsprofessor  Irving Kirsch (Placeboforscher an der Harvard Medical School) in einer großangelegten Meta-Studie den Super-Placebo-Effekt der Antidepressiva.  Paradoxerweise sei dieser umso größer, je höher die spürbaren Nebenwirkungen sind (sexuelle Funktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Sedierung, Gewichtszunahme, Dauerschlaflosigkeit infolge Beeinträchtigung normaler Schlafmuster durch Unterdrückung des Rem-Schlafs u.v.m.).
Lediglich bei schweren Depressionen sei die Sachlage etwas anders, fuhr Dr. Ansari fort. Der Forscher Kirsch erklärt dies mit den ausbleibenden Nebenwirkungen, die Patienten in dieser Gruppe erfahren. Er geht davon aus, dass Patienten mit schweren Depressionen in den allermeisten Fällen bereits Erfahrungen mit Antidepressiva hätten und dadurch erkennen würden, dass sie sich in der Placebogruppe befänden. Dieser Umstand würde dann als Nocebo eine Wirkung entfalten, wodurch sich der Gesundungsprozess verzögerte. Hier sei ein kleiner Effekt messbar, der sich möglicherweise allein darin begründet, dass bei schweren Depressionen Placebos nicht sehr viel bewirken. Jedoch ist hier höchste Vorsicht bei der Einnahme geboten, warnte der Referent: Antidepressiva können durch Aktivierung Patienten aus der von ihrem Körper selbstgewählten Starre herausreißen und einen Suizid erst möglich machen. Dazu kann man viele Fälle von Betroffenen im Buch der Ansaris nachlesen.
Auch wenn die Biochemie der Depression (noch) unbekannt ist, eines steht für die Verfasser fest: Der oder die Betroffene befindet sich nicht im seelisch-körperlichen Gleichgewicht. Ihr Ziel:  Mögen alle Betroffenen in ihrer Krankheit die Chance erkennen, dies zu ergründen und zu ändern.

Weiterführende Links

Weitere Bücher zum Thema findet ihr in der Zentralbibliothek auf der 3. Etage unter der Signatur Wdm 9.17.

Ausstellung zum Thema auf der 3. Etage der Zentralbibliothek. Copyright: Stadtbibliothek Köln.

 

 wk

Wiedereröffnung der Zweigstelle Chorweiler

Wir freuen uns auf den 11. Januar 2018, 11 Uhr! Denn: 

Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner und die Beigeordnete für Kunst und Kultur, Susanne Laugwitz-Aulbach, durchschneiden das rote Band, um alle Bürgerinnen und Bürger von Chorweiler mit ihren Kindern in einer umfassend renovierten Bibliothek zu begrüßen.

Die ersten 50 Gäste erhalten Schnupperausweise – gefolgt von einem attraktiven Programm mit Aktivitäten für Kinder und Erwachsene am 11. und 12. Januar 2018.

Im Rahmen der dreijährigen Gesamtsanierung des Bezirksrathauses Chorweiler am Pariser Platz 1 wurden auch die Räumlichkeiten der Stadtteilbibliothek Chorweiler renoviert und neu gestaltet. Die Renovierungsarbeiten wurden bei laufendem Betrieb vorgenommen – dafür hat das Bibliotheksteam keine Mühen gescheut! Auf die Stadtteilbibliothek als Begegnungsort im Herzen des Veedels wollte in Chorweiler niemand verzichten. Lediglich in der Endphase der Renovierung mussten wir die Stadtteilbibliothek vom 4. Dezember 2017 bis zum 10. Januar 2018 schließen.

 

Die Bibliothek ist ein wichtiger Aufenthaltsort – insbesondere für die stärkste Nutzergruppe der Kinder und Jugendlichen – zum Lernen, als Treffpunkt und für die Freizeitgestaltung. Es gibt eine enge Kooperation mit Kindertagesstätten, Kindergärten, Schulen, Vereinen und Institutionen.


Unser Programm am 11. Januar:

  • Beim Glücksrad locken tolle Preise.
  • Für die Jüngsten bieten wir eine interaktive Lesung mit den lustigen Bienenrobotern Bee-Bots an.
  • Wer immer schon mal mit Gemüse Musik machen wollte, sollte sich die Platine MaKey MaKey anschauen. Hier lockt das Bananenklavier.
  • Ältere Kinder und Jugendliche können mit den magnetischen Elektronik-Bausteinen LittleBits erste Programmiererfahrungen sammeln.

ab 16 Uhr

  • Mario Kart Turnier: Fahrt auf der Wii U mit Mario um die Wette!

Unser Programm am 12. Januar:
ab 14 Uhr

  • Entdecke mit Smartphone und Tablet neue Welten: Augmented Reality mit Quiver

ab 15 Uhr

  • Virtual Reality mit Google Expeditions

 
ab 16:30 Uhr

  • Musikalische Lesung: “Nulli und Priesemut op Kölsch” mit Jochen Börner, für Kinder ab 6 Jahre

 
Hier nochmal die Öffnungszeiten von der Zweigstelle Chorweiler ab dem 11.01.18:
Dienstag und Mittwoch, 12 bis 18 Uhr
Donnerstag, 11 bis 19 Uhr
Freitag, 10 bis 18 Uhr
Samstag, 10 bis 14 Uhr
Montag geschlossen
Weitere Infos auch hier.

Unglück auf Rezept – Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen


Niedergeschlagen, antriebslos, ohne Motivation – Menschen mit diesen Symptomen werden immer öfter mit Antidepressiva behandelt. In vielen Fällen können die Medikamente die Erwartungen nicht erfüllen. Dieses Buch deckt auf, wie wenig gesichertes Wissen es über ihre Wirksamkeit gibt, wie gravierend die Nebenwirkungen sein können und wie schwierig das Absetzen ist.
Bundesweit leiden etwa vier Millionen Menschen unter therapiebedürftigen Depressionen. Die Behandlung erfolgt meist über die Einnahme von Antidepressiva. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass Antidepressiva
– die Besserungsrate bei Patienten nicht erhöhen,
– die Krankheitsdauer nicht verkürzen
– und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nicht senken.
Außerdem können sie starke Nebenwirkungen hervorrufen und Suizidabsichten sogar verstärken. Die Autoren stellen die Behandlung mit Antidepressiva infrage und zeigen bewährte Alternativen zur medikamentösen Therapie auf. Sie geben Ratschläge, worauf Betroffene und Angehörige unbedingt achten sollten.
Ein Buch für Betroffene, Angehörige und verunsicherte Ärzte.
Datum: Dienstag, 09.01.2018
Ort: Zentralbibliothek
Zeit: 18:00 – 20:00
Eintritt: € 5,-
Die Veranstaltung wird von einer Buchausstellung zum Thema Depression begleitet.
Anmeldungen sind erwünscht unter Tel.: 0221/221-23937 oder per Mail an zb-paedagogik@stbib-koeln.de
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Referenten.

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