Rolling Stone tötete wertvolle Bibliothekspflanze

Tatort: New York Public Library
Tatzeit: Freitag, 29. Oktober 2010, vermutlich zwischen 18 u. 19 Uhr
Seine lange rabenschwarze Liste ergänzte der “Böse Bube” der Rolling Stones um eine weitere Übeltat: Keith Richards vergiftete eine wertvolle Bibliothekspflanze.
Die Umstände: Eingeladen von der New Yorker Bibliothek sollte der Gitarrist bei einem Podiumsgespräch seine Biografie “Life” vorstellen. Innerhalb von 42 Sekunden waren die 600 Eintrittskarten per Internet verkauft  (neuer Rekord für derlei Veranstaltungen der NYPL).
Der Tathergang: Vor seinem Auftritt stellte ihm eine der Direktorinnen des Hauses, Mairie d´Origny, ihr Büro quasi “backstage” zur Verfügung. Dort allein gelassen machte es sich der “Stone” an ihrem Schreibtisch gemütlich. Kurz darauf bat ein Richards-Agent Frau d´Origny für den Star ein Fenster ihres Büro zu öffenen. Als sie den Raum betrat fand sie den Rock-Musiker grinsend eine Zigarette rauchend vor. Den Topf-Untersetzer ihrer Orchidee benutzte er zudem als Aschenbecher. An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass im ganzen Gebäude strengstes Rauch-Verbot herrscht.
Direktorin d´Origny öffenete das Fenster, um für die gewünschte frische (und schon kalte) Oktober-Luft zu sorgen. Der anschließende kurze small-talk verlief sehr harmonisch (“Er war ein echter Gentleman, so gar nicht der teuflische Rock-Star”). Richards signierte ihr sogar den Untersetzer.
Das Ergebnis: 4 Tage später war die Orchidee tot – es handelte sich übrigens um eine eine Phalaenopsis amabilis! Der Zigarettenqualm und der kalte Luftzug gaben ihr keine Chance.

Der signierte Untersetzer

und Marie d’ Origny mit ihrem Orchideen-Rest.

Quelle: NYDailyNews.com 09.10.2010

 
Im Video: Keith Richards kurz nach der Tat. Noch ahnt hier keiner die Folgen.

gp

P.S.: Die Biografie “Life” von  ist sowohl als  “Bestseller” im Bestand der Stadtbibliothek als auch unter der Signatur “Lbm 9.1 Richards, Keith” auf der 4. Etage.

 
 
 
 
 
 
 
 

 

Tess Gerritsen: Totengrund


“Sie war die Auserwählte.
Schon seit Monaten beobachtete er das Mädchen, seit dem Tag, als sie mit ihrer Familie in die Siedlung gezogen war. Ihr Vater war George Sheldon, ein  mittelmäßiger Zimmermann, der im Bautrupp arbeitete.  Ihre Mutter, eine farblose und unauffällige Frau, wurde der Gemeinschaftsbackstube zugewiesen. Sie waren beide arbeitslos und verzweifelt gewesen, als sie zum ersten Mal seine Kirche in Idaho Falls betreten hatten, auf der Suche nach Trost und Erlösung. Jeremiah hatte ihnen in die Augen geblickt, und er hatte gesehen, was für ihn das Entscheidene war: verlorene Seelen auf der Suche nach Halt, nach irgendeinem Rettungsanker.
Sie waren reif für die Ernte…”
 
Die Protagonistinnen in Tess Gerritsens Thriller-Serien sind die Ermittlerin Jane Rizzoli und die Gerichtsmedizinerin Maura Isles aus Boston. In diesem achten Teil der Rizolli-Serie geht es weniger um Jane Rizzoli, als mehr um die Gerichtsmedizinerin, die nach einem Ausflug zu einer Pathologentagung nach Wyoming nicht mehr zurückkehrt.
Die Geschichte ist zweigeteilt. Anfangs entwickelt sich die Story zu einem Horrorthriller. Auf dem Weg zu einer Skihütte werden fünf Reisende, unter ihnen die Gerichtsmedizinerin Maura, von einem Schneesturm überrascht und bleiben mitten in den Bergen mit ihrem Fahrzeug liegen. Auf der Suche nach einer Unterkunft, werden sie auf ein Dorf aufmerksam – es ist fluchtartig verlassen worden. Was ist hier geschehen und wo befinden sich die Dorfbewohner…?
Durch den Prolog kann der Leser erahnen, dass es sich hier um “Sekten” handelt und dass die Siedler einer solchen angehört haben, doch was ist mit ihnen passiert?
 
Ein aufreibender Thriller, rätselhaft und beklemmend!

Und:  Ganze 40x in der StadtBibliothek Köln.

(Standort: U *Krimi/Thriller* Gerritsen, Tess  bzw.  *Bestseller*)

Lab

Ich lese gerade…

Klaus Bittner

William Faulkner, Licht im August

Was ist das, das einen veranlasst, ein Buch noch einmal zu lesen? Nach 25 Jahren. Man erinnert sich noch genau  an die Begeisterung, an all die körperlichen Reaktionen wie Hitze, Schwitzen, Atemlosigkeit und Fassungslosigkeit, wenn das Buch zu Ende ist und man erschöpft, aber auch erleichtert zurück bleibt. Und dass das gar nicht so häufig passiert in einem Leseleben. Aber dies gerade der Maßstab ist, den man eigentlich erwartet, immer wiederzufinden; bei jedem neuen Buch, bei jeder neuen Lektüre. Und ständig enttäuscht wird von der ewigen Flut an belanglosen Neuerscheinungen, die uns unterhalten und das ist ja immerhin auch schon etwas. Die uns allen aber als Sensation, als Jahrhundertbuch vom Markt der Verlage und des Feuilletons angepriesen werden. Und dann erscheint die Neuauflage dieses wirklich großen Jahrhundertsromans in einer neuen Übersetzung. Und du erinnerst dich wieder, schleichst drum herum, nimmst es endlich in die Hand und mit nach Hause und du bist für 3 Tage und Nächte verdorben für den Buchalltag. Und alles wiederholt sich. Und du bist wieder in Yoknapatawpha County in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderst, diesem Nest in Mississippi. Hitze, Staub, Dreck setzen die Poren zu, der Lärm des Sägewerks dröhnt in den Ohren. Die schwangere, obdachlose Lena Grove trottet  wie die Jungfrau Maria eine schier endlose  Landstrasse entlang auf der Suche nach dem Vater ihres Babys. Und allmählich werden alle Figuren Faulkners lebendig. Byron Bunch, der in Lena verliebt ist. Pastor Gail Hightower, dessen Frau auf mysteriöse Weise umgekommen ist und deshalb sein Amt niedergelegt hat. Joe Christmas, Arbeiter im Sägewerk, der eines Mordes beschuldigt , fliehen muss. Percy Grimm, der hasserfüllte Rassist. Und wie Faulkner die Handlung vorantreibt, immer wieder unterbrochen durch Rückblenden, ist meisterhaft. Armut, Bigotterie, religiöser Fanatismus, Rassismus des Südens prallen aufeinander in einem fulminanten Höhepunkt. Nur Lena Grove, mit ihrem ungeborenen Kind im Leib, zieht weiter, begleitet von Byron Bunch, nach Tennessee.

William Faulkners ‘Licht im August’ finden Sie in der Zentralbibliothek auf der 2. Etage (Signatur: U Faulkner, William).

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