Vor zwei Jahren, am 31. Oktober 2015, hat der sprachraum der Stadtbibliothek Köln zum ersten Mal seine Türen geöffnet: für Geflüchtete, Ehrenamtliche, Initiativen – für alle, die ihre neuen Nachbarinnen und Nachbarn kennenlernen und gemeinsam Deutsch lernen wollen.
Und heute?
Nach zwei Jahren ist der sprachraum zu einer festen Größe in Köln geworden. Einige Zahlen zur Verdeutlichung:
6 Tage pro Woche geöffnet
450 Veranstaltungen zum Deutschlernen allein im Jahr 2016
7 regelmäßige offene Veranstaltungen pro Woche
93 Ehrenamtliche sind im sprachraum aktiv
508 Bücher und weitere Deutschlern-Materialien stehen im sprachraum zur Verfügung
Vor einem Monat zeigten euch auf unserem “Tag der virtuellen Realität” zehn Firmen und Institutionen was man mit Virtual und Augmented Reality alles anstellen kann. Nun ist unser Nachbericht fertig. Viel Spaß beim Lesen!
Am 14.07. machten Gunnar Lott und Christian Schmidt bei uns Halt, um ihren gemeinsamen Podcast “Stay Forever” im Live-Format “Stay Forever Live – Du kämpfst wie eine Kuh!” vorzustellen. Gunnar Lott und Christian Schmidt waren früher beide Journalisten beim Spielemagazin Gamestar und sind auch heute weiterhin im weiteren Umfeld der Gaming-Szene anzutreffen. In ihrem Podcast diskutieren sie mal mehr mal weniger fundiert aber immer extrem unterhaltsam über alte Computerspiele.
“Es gibt immer ein übergreifendes Thema, ansonsten aber keine Regeln oder gar Rubriken oder sowas. Es ist den Herren auch nicht recht klar, warum das jemand außer ihren Müttern interessant finden sollte.” – stayforever.de
Zumindest in Schrift scheinen sich die Herren in Bescheidenheit zu üben, an diesem Freitagabend jedoch warten bereits eine Stunde vor Einlass die ersten Zuschauer vor den Türen der Stadtbibliothek – bis 19 Uhr formt sich eine beachtliche Schlange.
Als die zwei eine Stunde später unter Applaus auf die Bühne des ausverkauften Veranstaltungssaals treten merkt man davon nicht mehr viel. Es wird geklotzt, nicht gekleckert – in rasantem Tempo bewegen sich die beiden in Anekdoten durch ihre Gaming-Vergangenheit.
Erfrischend zu hören, dass selbst Vielspieler wie diese beiden häufig ganz anders an diverse (Text-)Adventures heran gehen: So klagt Christian darüber, dass er stundenlang den Ausweg aus Geheimraum im Spiel “Die Kathedrale” suchte, nur um später von Gunnar zu erfahren: “Ja das war einfach – ich hab mich halt in den Sarg gelegt – dann wurde ich rausteleportiert.” Passend dazu zieht Gunnar sein T-Shirt aus nur um ein anderes offen zulegen: “Zertifizierter Sarkophag-Teleportierer” Die Show lebt zum einen vom gewitztem Erzählfluss der geübten Unterhalter, zum anderen vom anwesendem Zielpublikum, dass das richtige Hintergrund(nerd)wissen mitbringt. So ist eben dieses T-Shirt eine Anspielung an ein ganz anderes berüchtigtes Computerspiel Puzzle aus dem Jahr 1984: Im “The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” muss an einer Stelle des Spiels ein sogenannter “Babelfisch” aus einem Automaten geholt werden. Der Fisch kann ins Ohr gesetzt werden und fungiert fortan als geübter Übersetzer alle Sprachen. Der Weg zum Fisch im Ohr gestaltet sich besonders schwierig und erst nach einer langwierigen Abfolge von Rätseln ist der Spieler erfolgreich. Seither berühmt gab es seither das T-Shirt “I got the babel fish” (Ich habe den Babelfisch bekommen). Ausführlicher kann man das auch hier lesen “The Six Most Infamous Puzzles In Adventure Game History”. Der Abend schreitet locker und erfreulich kurzweilig voran, zu späterer Stunde nutzen die Podcaster ihr Sponsoring durch eine Pizzakette, um Pizza im Saal zu verteilen.
In einem unterhaltsamen Rollenspiel versucht Christian als fiktiver Entwickler Gunnar (als Geldgeber) angepasst an populäre Gaming-Regeln des jeweiligen Jahrzehnts den Spielklassiker “Pac-Man” zu verkaufen. Unterhaltsam, fast beiläufig wird so auch gleich Spielegeschichte abgehandelt.
Auf eben die kommt es auch beim Publikums-Quiz an, dass die beiden in jeder Stadt durchführen. Maximal acht Punkte können erlangt werden. Schnell wird ein Freiwilliger ausgewählt, der mithilfe des Publikums, die ausschlaggebende Antwort geben darf. Köln ist erfolgreich und kann gemeinsam mit Berlin die aktuelle Höchstpunktzahl von sieben Punkte erreichen.
Nach knapp 100 Minuten verabschieden sich Gunnar Lott und Christian Schmidt unter tosendem Beifall vom Kölner Publikum.
Am 10. Juli widmete sich unsere Veranstaltungsreihe geeks@cologne den Themen Robotik und Künstliche Intelligenz. Ein Abend mit Roboter-Live-Demos, Kurzvorträgen und einer abschließenden Diskussion. Hier unser Nachbericht mit Fotos, Vortragsfolien und Mitschnitten der Vorträge!
Bedeutet: Wir bringen euch in Workshops bei, wie man die Brille und den dazugehörigen Computer richtig bedient – und danach könnt ihr Termine reservieren und unsere HTC Vive kostenfrei und selbstständig nutzen. Bis zu drei Stunden täglich.
Voraussetzungen
ein gültiger Bibliotheksausweis
ein Mindestalter von 16 Jahren
That’s it. Wenn ihr das erfüllt, steht einer Lizenz für die virtuelle Realität nichts im Wege. Es entstehen keine weiteren Kosten.
Kick-Off
Am 20. Juni findet um 14:00 Uhr die Eröffnung der VR-Station auf der dritten Etage der Zentralbibliothek statt. Wer direkt eine Lizenz erwerben möchte, muss sich anmelden!
Die Plätze sind für diesen ersten Termin auf 15 beschränkt. Ab Juli wird es dann regelmäßige Termine geben, sodass möglichst viele Leute die Chance erhalten eine Lizenz zu erwerben.
Was ist die VR-Station?
Zur Zeit bauen wir noch dran, daher gibt es noch keine Bilder. Aber die VR-Station ist ein Ort, der euch alles bietet, was ihr für ausgedehnte Spaziergänge in der virtuellen Realität braucht: Ein Gaming-Rechner ist integriert und wir ermöglichen euch den Zugang zu zwei Vive-Controllern und der Brille. Ihr bedient Hard- und Software selbstständig. Unter Steam findet ihr eine Auswahl von Spielen, die laufend aktualisiert wird. Noch Fragen? Dann ab in die Kommentare. Wir freuen uns auf den 20. Juni und die Zukunft!
Ein Jahr ist es her – die Kirschblüte vor der Zentralbibliothek war in vollem Gange. Ich kam zur Arbeit und stieg unerwarteter Weise nicht am Kölner Neumarkt aus, sondern in Dortmund Mitte. In unserem sprachraum trafen sich keine Geflüchteten und Deutschlernenden sondern Bankangestellte. Auf dem Vorplatz sah ich Nashörner mit Flügeln und daneben ein auf den Kopf gedrehtes Polizeiauto in einer Wolke aus Asche und Staub. Und Sondereinsatzkommandos schlichen lautlos über den Platz. Verrückte Welt, wenn der Dortmunder Tatort zu Gast ist.
Am 16. April 2017 wurde die Folge “Sturm” nun ausgestrahlt nachdem sie mehrfach verschoben wurde. Viele haben erkannt, dass die Zentralbibliothek als Location gewählt wurde und einige Kölnerinnen und Kölner können sich sicher noch an die Drehtage erinnern. Zum Beispiel daran, dass sie während der Außenaufnahmen das Haus weder betreten noch verlassen konnten bis es von draußen hieß: “Danke AUS! Straße auf, Fußgänger auf, Tiefgarage auf, Bibliothek auf!” Der ein oder andere bahnte sich in seiner Not sogar einen Weg zum Mitarbeitereingang, um in unsere heiligen Hallen zu gelangen. Öfter hörte man quietschende Reifen und Schüsse. Man sah brennende Wrackteile, blutverschmierte Komparsen und große Gebläse, die Rauch simulierten. Doch irgendwann hatte man sich daran gewöhnt und hörte Kollegen sagen: “Die letzten zwei Stunden waren nicht so spannend. Da wurde immer und immer wieder die gleiche Szene gedreht. Da sind dann ein paar Vermummte aus dem Auto gesprungen und herumgelaufen, mehr war nicht.” Aber der Dortmunder Tatort ließ sich nicht lumpen und setzte zur Sprengung an!
Mit den Osterferien endet ein tolles erstes Maker Kids Programm im Jahr 2017. Wir konnten mit externen Partnern wieder Tolles auf die Beine stellen. Ein ganz großes Dankeschön vorab an alle Workshop-Anbieter und auch an die Kinder für den tollen Einsatz. Wie immer stellen wir hier nun die neuen Angebote vor, die wir auf die Beine stellen konnten.
Programmiere den humanoiden NAO-Roboter
Einen humanoiden Roboter zu programmieren – das wurde insbesondere dadurch möglich, dass wir im letzten Jahr einen bekommen haben. Die Kinder konnten nun Bewegungsabläufe und Dialoge mittels der Software Choregraphe vorgeben. Im besten Fall hat der Roboter das so ausgeführt, wie die Kinder das wollten, doch die Tücken steckten im Detail.
Fiete – von der Zeichnung zur App
Ehrenfeld ist die Heimat des App-Entwicklers Ahoiii und diese machten sich mit ihrer Hauptfigur Fiete erstmals auf den Weg (und zwar alle mit dem Rad), um bei uns eine tolle Veranstaltung anzubieten. Die Kinder durften erst Papiertiere basteln und auf weißes Papier aufkleben, ehe diese fotografiert und freigestellt wurden. Anschließend konnten die Kinder ein passendes Geräusch einsprechen und Futter für ihr Tier basteln. Zwischendurch gab es sogar ein Bilderbuchkino, denn das App-Entwickler-Studio hat auch eigene Literatur in petto. Vorgelesen wurde aus dem brandneuen “Fiete – Das verrückte Rennen” und parallel schuftete man im Hintergrund ganz viel, um auch die letzten Tiere in die App zu integrieren. Demnächst erscheint dann die neue Version von “Fiete KinderZoo” mit allen Neuzugängen.
Roboterbau
Roboter bauen, das scheint Jungssache zu sein, denn erstmalig in der Geschichte der Maker Kids, waren bei einem Workshop nur Jungen. Und das bei 20 Teilnehmerplätzen. Roboter können so abschreckend nicht sein, denn schließlich bieten wir das schon länger an, es muss also am Bau liegen. Völlig unabhängig davon war es aber ein großer Spaß, denn etliche Rotoren und Motoren sorgten für einigen Wirbel. Heißklebepistolen und Lötkolben liefen heiß und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen!
Entdecke Calliope mini – einen kleinen Computer voller Sensorik
Die Platine Calliope mini ist derzeit in aller Munde, wenn es um die Zukunft von Coding für Kinder geht und ist bereits in manchen Bundesländern für den schulischen Lehrplan angedacht. Bei uns durften die Kinder den kleinen Computer jetzt ganz entspannt kennenlernen und ein erstes Beschnuppern förderte einen digitalen Würfel und ein Rechenprogramm für das Ein-mal-Eins zu Tage. Und das wo doch eigentlich Ferien sind.
Hier noch mal alle neuen Workshops in bewegten Bildern.
In den Herbstferien starten wir dann wieder durch und wie immer wird ab vier Wochen vor Ferienbeginn das Programm feststehen und die Anmeldung geöffnet.
Seit Kurzem stehen auf der 4. Etage der Zentralbibliothek am Neumarkt zwei Sichtungsplätze des Kurzfilmfestivals Köln (KFFK) zur Verfügung. Unter dem Namen „AVA – Die Kurzfilmbibliothek“ ist hier erstmals eine eindrucksvolle Kurzfilmsammlung entstanden, die KFFK zur Verfügung gestellt wird. Alle Besucherinnen und Besucher der Stadtbibliothek können nun während der Öffnungszeiten kostenlos Filme anschauen, die sonst nur während des Festivals gezeigt werden.
Zum Start mehr als 50 national und international erfolgreiche Kurzfilme
Die Installation AudioVisualAccess (AVA) hat das Kurzfilmfestival mit der Stadtbibliothek Köln vereint, was eine Bereicherung für alle darstellt. Die Filmemacherinnen und Filmemacher haben so die große Chance ihre Zielgruppe dauerhaft zu erreichen. Die Suchmöglichkeiten sind vielseitig und das System ist einfach zu bedienen.
Für Kinder wurde ein Filmprogramm mit Altersempfehlung zusammengestellt, das sie ganz einfach auswählen und anschauen können. Studierende und Interessierte der Richtungen Medien und Film können die breit gefächerte Kurzfilmsammlung für Studien- und Recherchezwecke nutzen.
Das Kölner Kurzfilmfestival ermöglicht somit einen Zugang zu den Produktionen der erfolgreichsten lokalen und internationalen Künstler und Künstlerinnen. Auch einzelne Filme oder ganze Programme der letzten zwei Festivalausgaben sind dort zu finden: Von den stärksten deutschen Produktionen und Koproduktionen, die im Deutschen Wettbewerb gegeneinander antraten, über Beiträge der Sonderprogramme bis hin zu den internationalen Festivalgewinnern ist alles vertreten und das Programm wird weiter ausgebaut.
Gezeigt wird etwa „Kaputt” von Volker Schlecht und Alexander Lahl. Der dokumentarische Animationsfilm über Hoheneck, das berüchtigste Frauengefängnis der DDR, gewann nicht nur den Ersten Jurypreis des KFFK N°10, er wurde auch etwa bei dem Sundance Film Festival als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Das mit dem Europäischen Kurzfilmpreis prämierte Werk „9 Days – From My Window In Aleppo” dokumentiert hingegen die Aufzeichnungen des renommierten syrischen Fotografen Issa Touma aus seinem Fenster in der Altstadt Aleppos zu Beginn des dortigen Aufstands. Aber auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz.
Wir freuen uns, damit unser Medienangebot zu erweitern und Cineasten und allen anderen Interessierten damit einen Zugang zu interessanten Filmbeiträgen geben zu können.
Als wir die Einladung erhielten, waren wir euphorisch: Ein Stand auf der CeBIT 2017 für uns und unseren NAO-Roboter! Im gemeinsamen Bereich der Behörden und Einrichtungen Nordrhein-Westfalens, Stand B28 in Halle 7, dem „Public Sector Parc”. Wir durchliefen die Anmeldungen, schickten Fotos und Texte, gaben beim Messebau einen Tisch mit Plexiglaswänden in Auftrag und rückten am 19. März zum Aufbau an. Am 20. März öffnete die CeBIT dann ihre Tore. Viele der diesjährigen Messethemen passten gut zu dem was uns momentan beschäftigt: Digitalisierung, Robotik, Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität. Perfekt positioniert an einem der Hauptgänge der Halle 7 zog unser Roboter viel Aufmerksamkeit auf sich. Selten verging eine Minute ohne dass jemand fasziniert stehen blieb und mehr über unseren NAO erfahren wollte. Oft bildeten sich richtige Menschentrauben oder wir gingen wie ein Staffelstab vom einem zum nächsten Gesprächspartner.
Anfangs schien es schwierig von dem allgegenwärtigen „Und was kann der so?“ wegzukommen, doch nach kurzer Zeit hatten wir den Bogen raus. „Der Roboter stellt sich Ihnen am besten erstmal selbst vor.“ Und schon erzählte NAO von seiner Mission: Mit seinem niedlichen Auftreten ist er die perfekte Motivationshilfe, um Kindern und Erwachsenen den Einstieg in die Programmierung zu versüßen. Er bringt eine ganze Reihe von Sensoren, Motoren und Basiseigenschaften mit, um verblüffend komplexe Programme zu erlauben. Allerdings fällt der Einstieg leicht, da in der Programmierumgebung “Choregraphe” sowohl mit echtem Python-Code als auch mit vorgefertigten Code-Blöcken gearbeitet werden kann. NAO ist nicht unser erster Roboter (wir hatten bereits Kurse mit Lego Mindstorms und Finch-Robotern) aber wir sehen ihn als unseren Einstieg in das Thema Robotik, mit dem sich auch unsere Veranstaltungsreihen geeks@cologne und wissenswert beschäftigen werden. Und da sich die Stadtbibliothek auch in der MINT-Förderung stark macht, wird NAO Vorlesestunden begleiten, in denen Kinder mehr über Wissenschaft und Technik erfahren und kleine Experimente durchführen. Auf dieser Basis fielen die Gespräch mit den Messebesuchern leicht. Viele informierten sich über die Eigenschaften des Roboters, ließen sich die Programmierumgebung erklären, philosophierten über die Zukunft der Mensch-Roboter-Interaktion, gaben uns ihre Visitenkarten für zukünftige Kooperationen oder zeigten sich verblüfft über die Angebote unserer Bibliothek. Unsere Antwort zu letzterem: Wir sind eine Kultur- und Bildungseinrichtung, ein Ort jenseits des Konsumzwangs. Ja, wir verleihen Bücher und engagieren uns in der Leseförderung, aber wir beschränken uns bei weitem nicht auf das Medium Buch und das geschriebene Wort. Wir sind nicht passiv und statisch, sondern ein aktiver Ort, der Wissen vermittelt, Kreativität fördert und zum Selbertun aufruft. Dazu dienen unser Makerspace, unsere Workshops und unsere Veranstaltungen. Über unsere Angebote in der digitalen Bildung hielt unsere Direktorin Dr. Hannelore Vogt am 23. März einen Vortrag auf der CeBIT. Da wir uns nur weiterentwickeln können, wenn wir am Ball bleiben, nutzten wir den CeBIT-Besuch natürlich auch für eine Erkundung der insgesamt 14 Hallen. Hier zum Beispiel unsere Erlebnisse vom 24. März: Wir fuhren mit einem selbstfahrenden Schweizer Postbus, der uns den Weg durch eine der weitläufigen Hallen ersparte. Dieser Bus ist bereits auf einer 1,5km langen Rundstrecke in Sitten im Testbetrieb. Neben unserem Stand in Halle 7 präsentierte die Bundesdruckerei die ID MiniFab. Diese kompakte Maschine ist mit Roboterarmen, Förderbändern, Rollen, Fräsen und Nähmaschinen ausgestattet und produziert den neuen Reisepass. Sie ist eine Eigenproduktion der Bundesdruckerei und kann ohne Umrüstzeiten zwischen den verschiedenen Reisepass-Varianten wechseln. Am Stand des Fraunhofer Instituts konnte man u.a. bei einer Hacking-Schnitzeljagd mitmachen und sein Alter durch ein neuronales Netzwerk schätzen lassen (Merke: Lächeln macht dich jung!). Spannend war es, in die Haut eines KFZ-Mechanikers zu schlüpfen, der sich Montageanleitungen per Augmented Reality direkt am Objekt ansehen kann, indem er ein Tablet davorhält oder eine AR-Brille aufsetzt. Hier wurde mir zum ersten Mal die Microsoft HoloLens aufgesetzt durch deren durchsichtige Gläser ich meine Umgebung immer noch normal wahrnahm, aber gleichzeitig durch Fingerbewegungen einzelne Bauteile anwählen und virtuell herausheben konnte. Dann wurden mir die Platzierung der Schrauben und die empfohlenen Drehmomente angezeigt. Stand ich an der Seite des Autos konnte ich mit der AR-Brille das Innenleben der Fahrertür sehen.
Am Stand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) kam dann unsere nächste AR-Erfahrung. Mit der HoloLens konnte ich Greifarme und Roboterfahrzeuge im per Webcam live dazugeschalteten DFKI-Labor in Saarbrücken bewegen. Hier zeigte sich wie klein der AR-Bildschirm der Hololens ist. Als sich ein Roboter partout nicht anwählen lassen wollte, musste ich feststellen, dass sich das gesuchte Bewegungsmenü schon längst geöffnet hatte: es schwebte aber außerhalb meines AR-Sichtfeldes, so dass ich erst hochgucken musste. An einer anderen Station des DFKI zeigte ein Mitarbeiter wie er mithilfe eines Oberkörper-Exoskeletts die Roboterdame AILA steuern kann. Alle Bewegungen die er mit seinen Armen und Fingern ausführte, übertrugen sich auf den Roboter, der dadurch kleine Kippschalter umlegen konnte. Nebenan konnte sich eine DFKI-Mitarbeiterin per Videochat auf einen Amy-Roboter schalten und so als Telepräsenz herumfahren und mit Besuchern sprechen. Als Einsatzgebiet kommen zum Beispiel allein lebende Senioren in Frage. Ein weiterer Roboter am Stand des DFKI: der kleine NAO. Hier war er in ein Sporttrikot gehüllt und gehörte dem RoboCup-Team B-Human, das ihm seit Jahren höchst erfolgreich das Fußballspielen anprogrammiert. Bei den Fußballwettkämpfen des RoboCup ersetzt der humanoide NAO seit 2007 den Roboterhund AIBO. Am Stand der Telekom wurde ein Projekt vorgestellt, welches in Kooperation mit der Hansestadt Hamburg ein stadtweites digitales Parkleitsystem etablieren soll. Autofahrer können mit diesem System per App freie Parkplätze suchen. Hierfür werden Narrowband-IoT-Sensoren genutzt, also Sensoren die in einem Netz miteinander kommunizieren, welches für geringe Datenmengen, aber lange Distanzen und eine stabile Übertragung optimiert ist.
Bei IBM stand die Künstliche Intelligenz “Watson” im Vordergrund. Im selbstfahrenden Bus Olli wird Watson zur Konversation mit den Fahrgästen eingesetzt: die KI beantwortet Fragen zur Wegstrecke und zu seinen Funktionen. Hat man Hunger, so schlägt sie passende Restaurants vor. Dabei muss man sich bei Fragen kaum an die KI anpassen. Hat man von Olli den Wetterberichte erhalten, kann man “Und wie sieht es morgen aus?” fragen, ohne dabei das Wort Wetter noch einmal zu wiederholen. Olli erkennt den Zusammenhang und antwortet entsprechend. Mit der Hilfe von Watson soll Olli sogar in der Lage sein, sarkastische Antworten der Mitfahrer zu erkennen und darauf adäquat zu reagieren. Ebenfalls am Stand von IBM trafen wir zum ersten Mal NAOs große Schwester Pepper, die ebenfalls an Watson angeschlossen war und Fragen zu Finanzdienstleistungen beantworten konnte. Wie unser NAO kam sie mit der heftigen Geräuschkulisse der Messe aber nicht gut zurecht. Wenn man sie ansprechen wollte, musste man die Umgebung übertönen. Am Stand von Huawei fiel vor allem das Intelligent Operation Center ins Auge. Auf mehreren verbundenen Großbildschirmen waren Informationen zu Peking visualisiert: Bruttoinlandsprodukt, Verkehrsindex, Luftqualität, Live-Bilder von Videoüberwachungsanlagen, Anzahl und Verteilung von Rettungskräften im gesamten Stadtgebiet und speziell im Nationalstadion.
Ein zweites Mal trafen wir Pepper am Stand ihres Herstellers Aldebaran/SoftBank. Hier war sie mit Apps von Humanizing Technologies ausgestattet und konnte zum Beispiel personalisierte Grüße wiedergeben. Pepper ist im Gegensatz zu NAO übrigens kein Forschungsroboter sondern soll als Service-Roboter zum Beispiel in Kaufhäusern eingesetzt werden. Sie ist 1,20m groß, hat Räder statt Beinen und ein Akku das stattliche 12 Stunden hält.
Eine ganze Roboterfamilie trafen wir am Stand von Henan Tanscorp Technology. Der Smart Robot UU tanzte vor großem Publikum während der kleine UNO und der mittelgroße Baymax (Eva aus Wall-E?) eine Pause einlegten. Nebenan fand gerade ein FPV-Racing-Event statt. Dabei wurden kleine, mit Kameras ausgestattete Drohnen von ihren Piloten durch einen Parcour gesteuert. Die Piloten trugen Brillen, an die das jeweilige Kamerabild live übertragen wurde, so dass sie den Flug im First-Person-View (FPV) erlebten. Partnerland der CeBIT 2017 war Japan. Hier nur drei beispielhafte Stände der vielen japanischen Unternehmen: So gab es einen Stand an dem ein neuronales Netz in einem kleinen Bauteil implementiert war, welches dann den Weg zwischen 4 Zielobjekten lernte. An einem anderen Stand konnte man mit einem bloßen Blick ein Objekt auswählen, welches dann durch einen Greifarm herbeigeholt wurde (ich habe mich für den Fuji entschieden). Ein weiterer Stand bot Schuhe an, die einem in einer Virtual-Reality-Umgebung unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten vorgaukeln sollen (Wasser, Schnee, Sand etc.) und gleichzeitig die Position der Füße an die Software weitergeben können.
Wie ihr seht hatten wir in jeder Hinsicht einen erfolgreichen CeBIT-Aufenthalt. Wir konnten unsere Geschichte erzählen und haben viel gesehen und gelernt. Vielen Dank an IT.NRW für die Einladung, auf der CeBIT als Aussteller dabei zu sein und für die großartige Standorga! Ebenso einen lieben Gruß an die Kolleginnen und Kollegen, die die anderen Stationen des NRW-Standes betreut und so die Woche mit uns verbracht haben. Ein riesiges Dankeschön an unseren NAO-Praktikanten, der dem NAO-Team der Stadtbibliothek mächtig unter die Arme gegriffen hat und den Roboter mit kleinen Beispielprogrammen und einer Menüstruktur messetauglich gemacht hat. Und wir drücken der CeBIT die Daumen, denn nächstes Jahr will sie sich neu erfinden. Statt einer Messe möchte sie sich zur einem Innovationsfestival wandeln. Gutes Gelingen!
Dass das Digitale und das Analoge schon seit Jahrzehnten verschmelzen, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Manche finden das gut, manche finden das schlecht. Wir halten es mit Richard David Precht: Die Digitalisierung ist ohnehin nicht aufzuhalten! Darum brauche man positive Utopien, statt nur zu sagen: “Mag ich nicht.” Wir wären nicht wir, wenn wir nicht an der Umsetzung dieser positiven Utopien arbeiten würden.
Smart City Cologne – die Stadtbibliothek zieht vor
Smart ist eine City, wenn sie u.a. technologisch fortgeschritten ist. Aus diesem Grund installieren wir ab sofort in der gesamten Zentralbibliothek so genannte Urban Screens. Das besondere: Es sind nicht einfach Bildschirme, die an der Wand hängen oder in der Gegend herumstehen, sondern diese Urban Screens ersetzen sämtliche Fenster im Gebäude. Die Fenster werden mit einer touch-sensitiven AMOLED-Folie beschichtet, sodass sie weiterhin transparent bleiben. Es lassen sich aber alle möglichen denkbaren Anwendungen hinzuschalten. Unsere Auszubildende Eileen hat den serienreifen Prototypen für euch getestet.
Der Urban Screen in der Praxis
Eileen kann die Beleuchtung der Etagen über Schieberegler am Urban Screen steuern. Foto: Stadtbibliothek Köln Es handelt sich hier um ein effizientes Werkzeug für das Gebäudemanagement. Statt dass der Hausmeister das Licht auf jeder Etage separat an- und ausschalten muss, kann er nun an einem beliebigen Fenster die Innenlichtsteuerung aufrufen. Das selbe gilt für die Aufzugsteuerung und alle anderen vitalen Gebäudefunktionen. Pause! Eileen entspannt mit einer Runde DOOM. Foto: Stadtbibliothek Köln Selbstverständlich kann der Urban Screen jedwede Anwendung aufrufen, die an anderem Ort, quasi in der Cloud, betrieben wird. Das Computerspiel im Bild wird von einem leistungsfähigen Zentralrechner aus gestreamt. Nutzerinnen und Nutzer vor Ort werden ihre Geräte via WLAN mit einem Urban Screen verbinden können. Stadtbild: ein Fluss in Oklahoma. Foto: Stadtbibliothek Köln Stellt es euch so vor: Ihr sitzt auf der zweiten Etage und büffelt für eine Klausur. Hebt ihr den Blick, seht ihr nicht die – durchaus attraktive – Umgebung des Kölner Neumarktes, sondern einen Sandstrand in der Karibik, ein Pyrenäen-Panorama oder den Westerwald. Mehr Holodeck geht nicht! Die Urban Screens vermögen, in Reihe geschaltet, ein ganzes Stadtbild neu zu prägen.
Durch eine spezielle Beschichtung ist es außerdem möglich geworden, dass der Urban Screen Wärme abstrahlt. Gerade in den kalten Jahreszeiten können wir unsere Heizung so entlasten.
Und jetzt?
Dies sind nur einige wenige Anwendungsbeispiele – die wahre Wirkungsmacht der Urban Screens wird sich in Zukunft zeigen. Ab sofort werden wir das neuartige Display nach und nach in der Zentralbibliothek installieren. Bald auch schon auf eurer Lieblingsetage! Eure Stadtbibliothek Köln – die Smart Library für Smart People in der Smart City Cologne. P.S.: Übrigens können wir die Screens auch so bespielen, dass sie von außen sichtbar sind. Wir planen, künftig alle FC-Spiele auf der Außenfläche unseres Gebäudes zu übertragen.
sa
EDIT:
Ihr werdet es schon vermutet haben: Nach dem Einsatz von Google Glass 2014, dem Transport von Medien per Quadrokopter 2015 und der Dating-Plattform 2016 waren die Urban Screens unser Aprilscherz 2017! 😉 Aber: Tatsächlich gibt es für eine unserer Zweigstellen Planungen für Urban Screens. Wie sich dieses Projekt entwickelt, werden wir natürlich auch hier im Blog berichten.