Bei dem Gerase fällt es mir zugegebermaßen doch etwas schwer mich auf den Bildschirm zu konzentrieren. Irgendein Filmmensch dachte sich wohl, heute mal ein paar Polizei-Oldtimer-Verfolgungsjagden schön zentral in der Innenstadt hinter der Stadtbibliothek zu drehen. „Achtung: Polizeieinsatz hinter der Bibliothek!“ weiterlesen
Neubrücker Literaturkreis diskutierte über Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht
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Dieser Roman besticht durch seine wunderbare Sprache.
Kathrin Schmidt bekam 2009 den Deutschen Buchpreis für “Du stirbst nicht”. Sie erzählt die Krankengeschichte von Helene Wesendahl, die im Alter von 44 Jahren eine Hirnblutung erlitt. Der Roman trägt autobiografische Züge. Er beschreibt den schmerzlichen Wiedereinstieg in ein neues Leben . Ein Schritt folgt dem nächsten, ein Wort nach dem anderen.
Fazit:
Trotz einiger Längen ein sprachlich ausgezeichneter Roman mit einem Thema, das 2011 aktueller denn je ist.
Im nächsten Literaturkreis am 1. April besprechen wir
Miriam Meckel: Brief an mein Leben

Quadratisch, praktisch, aber nichts für ungut…

…lieber Werbetexter, der Du diesen dämlichen Spruch gefunden hast (s. Bild). Für die Schokolade, die jetzt allen per Kampagne noch einmal richtig schmackhaft gemacht werden sollte. Zumindest allen, die in den letzten Wochen auf einem großen deutschen Bahnhof wartend herum standen.
Dabei ist schon fast jede fünfte Tafel Schokolade, die in Deutschland verzehrt wird, viereckig. So richtig verständlich ist die Werbung aber nur, wenn man ihre Geschichte kennt. Vor 99 Jahren heirateten Clara und Alfred Ritter. Sie brachte einen Süßwarenladen, er eine Konditorei mit in die Ehe. Erstes gemeinsames Kind noch im gleichen Jahr waren die die “Alfred Ritter Schokoladenfabriken”. 1932 ärgerte sich Clara, dass bei ihren Reitausflügen immer die Schokoladentafeln in ihrer Jackentasche brachen. Prompt erfand der Gatte eine dicke, bruchfeste Variante. Geboren war “Ritters Sportschokolade”, heute als “Ritter Sport” ein Begriff. Als Ende der sechziger Jahre, die Deutschen einer Fresswelle erlagen und plötzlich auf ihre Figur achteten, ging der süße Umsatz zurück. Prompt erfanden die Rittersleut’ 1969 eine neue Marketing-Strategie: “Ritter Sport ist eher ein Nahrungsmittel. Diese Schokolade wird nicht aus Kummer im stillen Kämmerlein gegessen und schon gar nicht gelutscht. [Sic!] In die Ritter Sport wird hineingebissen und zwar herzhaft.” An dieser Philosophie der krachenden Zähne hat sich bis heute nichts geändert.
“Für den Verzehr in Kirchen, Opern und Bibliotheken leider zu knusprig.” Der Appell an die genussfrohen Schokobeisser paart sich mit leicht hämischem Bedauern für das Publikum, welches an den erwähnten Orten zum vermeintlichen Schweigen gebracht wird. Keks und Nuss passen nun mal nicht zu Gebet, Gesang und Lesen, so die message sportlicher Kalorienzufuhr.
Berücksichtigt man nun noch die Auswahl und Reihenfolge dieser Orte der Stille, könnte man auf die Idee kommen, dass es in den Bibliotheken totenstill zugeht. Das geht uns nun wirklich auf beides, Keks und Nuss! Und dem Texter dieser Werbezeilen wird dringend empfohlen, tatsächlich mal eine Stadtbibliothek aufzusuchen, um sich endgültig von diesem Klischee zu befreien, anstatt es zwanghaft wieder zu beleben. Und alle Schokoladenfans sind hiermit aufgerufen, ihrem zivilisierten Schokogenuss auch in der Bibliothek zu frönen. Muss ja nicht die Viereckige sein.
gp
Quelle: Wolfgang Hars: "Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche" in der Zentralbibliothek unter der Signatur Qen 2 Hars
Wenn Ihnen bald die Bibliotheksbücher auf den Kopf fallen…
…dann haben wir bei Designern eingekauft:
Zugegeben, das wäre mal was anderes für die Bibliothek. Würde auch sicher für Spannung im Regal sorgen (für manche Sachgebiete sicher von Vorteil). Zum täglichen Einstellen der zurückgegebenen Bücher wäre das aber ein bisschen anstrengend. Als Designermöbel bestimmt auch nicht ganz billig. Gut, dass wir sowieso fast durchwegs verglast sind, da muss man nicht über sowas nachdenken. Aber sicher ne Idee für zu Hause (für die Bücher, die man sowieso nie wieder aus dem Regal nimmt – da kann man sie auch getrost festkleben).
Mehr Regale…und Regale….und Regale…gibt’s bei ..ähem..www.bookshelfporn.com.
Und anzüglich ist hier wirklich nur der Name. Denn das Konzept der Seite heißt “Porn for book lovers. A photo blog collection of all the best bookshelf photos from around the world for people who *heart* bookshelves.”
Na dann mal nach Inspiration furchforsten!
Rauf auf die “kleine Königin”!

“La petite reine” (Die kleine Königin) nennt man es liebevoll in Frankreich, während die Deutschen mitleidlos “Drahtesel” sagen. Dabei wäre es höchste Zeit, die Namen auszutauschen. Denn immer mehr Menschen entdecken hierzulande das Vergnügen und die Vorteile des Radfahrens, während der Franzose sein einst so kultiges “velo” lieblos im Keller verrosten lässt. Uneinholbare Europa-Meister auf dem Zweirad sind (wie kann es anders sein) die Niederländer mit über 1000 Kilometern pro Einwohner und Jahr, dicht gefolgt von den Dänen. Gerade 300 schaffen die Deutschen. Abgeschlagen mit peinlichen 87 die Drahteselstrampler aus Frankreich.
Nichtdestotrotz: der Frühling ist da! Höchste Zeit die “kleine Königin” aus dem Keller zu holen, sie fit zu machen, um dann mit ihr auf Entdeckungstour zu fahren. Am besten beginnt man in der näheren Umgebung und bringt sich so langsam in Form für größere Strecken und Steigungen.
In der ersten Etage der Zentralbibliothek befindet sich eine komplette Regalwand mit Radwanderführern und -karten und unzähligen Tourenvorschlägen weltweit. Auch in allen Stadtteilbibliotheken gibt es ein reichhaltiges Angebot.
Wer sofort in den Sattel springen will, um Köln von seinen interessantesten Seiten kennen zu lernen, klickt hier.
gp
Blitzgescheites Buschgirl und sinnende Finnen


Wer genug hat von der sauertöpfisch-verbissenen Integrationsdiskussion des letzten Jahres, dem sei dringend ein Lektürewechsel empfohlen. Diese beiden Erfahrungsberichte schildern mit scharfer Beobachtungsgabe und viel Humor den Schritt in ein anderes Land. Auf der einen Seite wählt Rose-Anne Clermont, Tochter haitianischer Eltern, geboren in New York, den Weg nach Deutschland. Und Wolfram Eilenberger zieht es von hier nach Finnland. Beide folgen der Liebe, entdecken so eine andere Gesellschaft und sich selbst neu.
“Buschgirl” Rose-Anne kontert die penentrante “German Besserwisserei” mit Witz und Schlagfertigkeit. Wobei ihre Hautfarbe meistens der Auslöser für die absonderlichsten Assoziationen ist. Etwa, wenn der mondäne Zahnarzt aus der Kudammpraxis in Berlin sie fragt, ob sie bei Hitze auch schwitze. Oder im ICE beim Lernen von Vokabeln: “Aus irgendeinem Grunde hatte eine Fahrt erster Klasse genausoviel gekostet wie eine zweiter, und ich saß in der ersten Klasse schräg gegenüber von zwei Männern in schicken Geschäftsanzügen. (…) ‘Das arme Ding’, sagte der erste zu seinem Freund. ‘Kannst Du Dir vorstellen, wie schwer es sein muss, Deutsch zu lernen, besonders, wenn man ihre Dialekte bedenkt? Für uns klingt es ja, als schnalzten sie immer nur mit der Zunge.’ ‘Ach Gott’, sagte der zweite Mann nur mitleidig. ‘Vermutlich muss sie erst einmal das lateinische Alphabet lernen.’
Redeten sie wirklich über mich? Hier in Deutschland mit Hochgeschwindigkeitsinternet und Hochgeschwindigkeitszügen? Oder fuhr ich in einer klapprigen Eisenbahn durch Tiflis?”
Rose-Anne Clermonts Erfahrung sind nicht immer amüsant, aber gerade die Mischung aus bizarren und erheiternden Episoden macht das Buch so interessant.
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Bei aller Liebe zu einer Finnin, was spricht eigentlich dafür, ausgerechnet in Finnland zu leben, Wolfram Eilenberger? “Ich meine, wir reden hier von hundertneunzigtausend Waldseen – alle immer kalt! ,- von acht Monaten unter null, von einer Landesfläche, die zu 25 % nördlich des Polarkreises liegt, von einem Meerbusen, der Eisbrecher benötigt, um befahrbar zu bleiben, und von sommerlichen Fluginsekten, deren Biomasse das Gesamtgewicht von fünf Millionen mehrheitlich übergewichtigen Finnen um ein Vielfaches übersteigt.” Kälte und Mücken halten den Verliebten nicht davon ab, der Geliebten in den hohen Norden zu folgen. Und was folgt ist ein höchst vergnüglicher Blick auf eine “fundamentale Fremderfahrung”, die ebenso exotisch erscheint wie die finnische Sprache und ihre Tücken. Mit der Hochzeit kommt die integrative Erkenntnis: “Ich muss das Land mitheiraten, sonst geht es nicht.”
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gp
Die Stadtteilbibliothek Sülz wird 85 Jahre alt : ein kleiner Rückblick
Am 18.03.1926 wurde die Volksbücherei IV in Sülz eröffnet.

Allerdings existierte die Volksbibliothek IV durch eine großzügigen Spende des Bankiers Camphausen bereits seit 1897 in der Richard-Wagner-Straße. Die Gründung hatte das Ziel, den sozialen Misständen entgegenzuwirken. Die Bibliothek sollle sich daher an alle Bevölkerungsschichten richten. Das Personal der Volksbibliothek IV war zunächst ehrenamtlich und die Bücher waren nur am Schalter erhältlich.

Ab 1914 sollte die Volksbibliothek IV dann einen neuen Standort in Sülz erhalten und erstmalig nur mit städtischen Mitteln finanziert werden. Doch durch den 1. Weltkrieg musste dieses Vorhaben ersteinmal verschoben werden.
1926 wurde schließlich die Volksbibliothek in der Palanter Str. in Sülz mit einem Bestand von 4600 Büchern eröffnet.
Doch dort konnte die Bibliothek nur bis 1942 bleiben, denn nach einem Luftangriff war das Gebäude schwer beschädigt worden. Im 2. Weltkrieg musste die Bibliothek zweimal umziehen. Zunächst fand sie ein Café in der Zülpicher Str. als Bleibe, musste jedoch, nach erneuten Zerstörungen mit dem übriggebliebenen Bestand in den Keller einer Schule in der Euskirchener Straße, erneut umziehen. Ab 1944 wurden schließlich alle Kölner Bibliotheken komplett geschlossen.

Nach dem 2. Weltkrieg konnte die Bibliothek IV in der Euskirchener Straße wieder eröffnet werden und hatte einen Bestand von 5100 Büchern. Bereits 3 Jahre später zog sie wieder um, diesmal in die Emmastraße.
Am 10.01.1966 gab es dann den letzten Umzug in die Wichterichstraße 1, wo sich die Bibliothek noch heute befindet. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Bibliothek IV eine reine Thekenbibliothek gewesen. Doch in den neuen Räumlichkeiten wurde auf einer Fläche von 390 m² eine moderne Bibliothek aufgebaut, dessen Buchbestand für jedem frei zugänglich sein sollte.

Mittlerweile befindet sich die Stadtteilbibliothek Sülz schon seit 45 Jahren in dem jetzigen Gebäude und ist fest verankert in dem Stadtteil Sülz. Als 2003 die Schließung der Stadtteilbibliothek Sülz drohte, setzten sich viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Stadtteil für den Erhalt der Bibliothek ein, woraus der Förderverein der Stadtteilbibliothek Sülz lesezeichen e.V. entstand.
Das Medienangebot (insgesamt über 30.000 Medien) umfasst nun nicht nur mehr Bücher, sondern auch DVDs, Hörbücher, Musik-CDs und Games. Es finden regelmäßig Lesungen für Kinder und Erwachsene statt. Ganz neu sind zweisprachige Kinderbuchlesungen in Italienisch, Spanisch und Englisch, die einmal im Monat stattfinden.
Weitere Informationen zu der Stadtteilbibliothek Sülz finden Sie hier.
aFri
DIY in der Bibliothek?
Die DIY-Welle (für die Uneingeweihten: Do It Yourself) ist inzwischen auch schon etwas länger nach Deutschland herübergeschwappt, langsam scheint sie auch das Publikum von Bibliotheken zu erreichen. Eine doch etwas abgefahrene Idee, gibt’s im folgenden Video. Aber ein Hinweis vorab: Bitte nicht mit unseren Büchern nachmachen!
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Wer nicht gerade ein Buch zu Hause liegen hat, auf das er verzichten kann, der findet auf der 4. Etage der Zentralbibliothek am Neumarkt unseren Bücherflohmarkt. Ab 1 Euro für ein Hardcover ist man dabei! Zum Teil gibt’s da sehr lohnenswerte Raritäten…
Rebecca James: Die Wahrheit über Alice

Wer ist Katherine Patterson? Ein niemand, die Neue, die keiner kennt. Katherines Leben ändert sich, als Alice sie unter ihre Fittiche nimmt. Zusammen mit ihr und ihrem Freund Robbie beginnt für Katherine eine schöne, fast unbeschwerte Zeit. Doch nach und nach verändert sich das schöne Mädchen… Alice Grausamkeiten und Attacken auf Katherine beginnen sich zu häufen. Erst ein wenig, dann immer mehr, bis ihr Wahnsinn sie zu übermannen scheint. Da muss sich Katherine endlich fragen, wen hat sie sich da “ins Haus” geholt?
Katies Leben ändert sich von dem einen auf den anderen Tag. Rachel, ihre kleine Schwester, wird ermordet und ihre Familie kommt ziemlich ins Gerede. Alles was Katie sich von da an wünscht, ist eine andere Person zu sein…
Die Wahrheit über Alice ist ein wirklich beeindruckendes Buch. Rebecca James verfolgt drei Handlungsstränge, die Gegenwart, die Erinnerung an jenen Tag als Rachel starb und die Zeit mit Alice. Dabei geht sie sehr behutsam an die Gesamtgeschichte ran. Stück für Stück wird der Leser tiefer in den Sumpf gezogen. erfährt er mehr über Katherine und Katie, und erst nach längerer Zeit entspinnt sich das Gewirr um Alice Persönlichkeit.
Alice begegnet einem Anfangs sehr sympathisch, man fragt sich nur, was ist passiert, das die Katherine der Gegenwart so abwertend fühlt und denkt? Doch dann beginnt die Geschichte sich zu entwickeln, man fühlt sich Katherine und Katie näher, findet sie nett. Beide “Persönlichkeiten” sind sehr transparent, jedes Mädchen könnte – wenn auch nur in Teilen – in die Rolle der beiden schlüpfen. Jeder könnte auf seine eigene Alice reinfallen… Das gibt dem Leser viel Stoff zum Nachdenken.
Die Geschichte ist wirklich spannend. Man kann einfach nicht aufhören, ehe man erfahren hat, wer Alice wirklich ist. Ich kann gut verstehen, warum dieses Buch in so vielen Ländern erschienen ist. Es ist ein Thriller, der zeigt, was aus Menschen passieren kann, wenn ihre Psyche auseinander driftet. Die Wahrheit über Alice, mit absoluter Gänsehautgarantie, ist ein wirklich packendes “Szenario”. Ein Buch, das man einfach lesen muss!
lab
Auf ein Wort, Herr Özdogan!
Gibt es ein Zuhause in der Bibliothek?
Selim Özdogan: “Ja! Bei mir begann es mit fünf, sechs Jahren an der Haltestelle der Busbibliothek. Mit 10 habe ich dann begonnen, die Stadtteilbibliothek Mülheim leer zu lesen. Danach wechselte ich zur Zentralbibliothek. In der Bibliothek habe ich Sachen entdeckt, Welten haben sich für mich geöffnet. Ich habe Autoren gefunden, von denen ich sonst nie erfahren hätte. Solange ich mich in der Bibliothek aufhielt, war die Welt in Ordnung. Die Sorgen lagen außerhalb und wenn ich meine Sorgen in Büchern wiedergefunden habe, hat das auch dazu geführt, dass ich mich besser gefühlt habe.”
Selim Özdogan ist Schriftsteller und Mitglied der Stadtbibliothek Köln.
gp

