Vor 80 Jahren rollte die erste Busbibliothek in Köln

28 Mrz

1928 regte ein Kölner Stadtverordneter an, „einen Lesewagen“  für die Vororte einzurichten. In der letzten März-Woche 1931 ging der erste Kölner Bücherbus auf  Tour und machte Station in Riehl, Bayenthal, Dünnwald, Zollstock,

Dellbrück, Höhenberg und Holweide. In der ersten Autobücherei der Stadt (Typ Daimler-Benz) gab es Platz für 2.000 Bücher und eine Theke. In einem Magazin der damaligen Volksbücherei Mülheim standen weitere 1.000 Bände zur Verfügung. Die Beratung erfolgte in Schulräumen durch eine Bibliothekarin. Die Ausgabe der Bücher übernahm der Fahrer. Bereits der erste Bücherbus war ein großer Erfolg,. Die Ausleihzahlen stiegen sprunghaft an. Bis 1934 die Nazis Schluss machten mit der Literaturversorgung. „Aus Sparsamkeit“ wurden der Bus stillgelegt. Und der Krieg zerstörte nicht nur alle Bibliotheken der Stadt, sondern auch dieses Fahrzeug.

30 Jahre sollte es dauern, bis wieder eine Autobücherei – diesmal als Sattelschlepper – rollte.  Zeitzeugin und heute noch in der Stadteilteilbibliothek  Haus Balchem Mitarbeiterin ist Romana Janke. Mit 14 Jahren begann sie bei der Stadtbibliothek (das Foto ist von 1968).  Zusammen mit einer Bibliothekarin und dem Fahrer begleitete sie 9 mal wöchentlich 3200 Bücher zu Haltestellen in Poll, Ostheim, Rath, Brück, Lindenthal, Höhenhaus, Dünnwald, Stammheim und Flittard. Wieder mit durchschlagendem Erfolg,  3.400 Busbenutzer entliehen in einem Jahr 85.000 Bücher. „Im Fahrzeug war es längst nicht so komfortabel wie heute“, erzählt sie rückblickend. „Es gab nur ein kleines Waschbecken und auf die Toilette konnte man nur in Gaststätten an den Haltestellen gehen. Und das war nicht umsonst. Man musste jedes mal für ein Getränk bezahlen.“

14 Meter lang, 15 Tonnen schwer, 3000 Bücher an Bord: 1965 ging der dritte Sattelschlepper auf Fahrt. Insgsamt wurden jetzt 34 Haltepunkte im Stadtgebiet angefahren. 1969  liehen 10.000 Benutzer 270.000 Bände aus. Möglich wurde dies durch ein großen Magazin im Johannishaus in der Innenstadt, derweil die Fahrzeuge in Bickendorf übernachten mussten. So entstand der Plan in einem eigenen Depot beides zu verbinden. 1971 eröffnete es in Müngersdorf am Girlitzweg. Es war nicht nur das größte Deutschlands, sondern präsentierte mit dem vierten Bus einen bundesweit einmaligen Prototypen mit mehr Platz für Publikum und Bücher, Toilette und eine Reihe technischer Finessen, wie z.B. einer Innen- und Außenlautsprecheranlage.

Beim 50jährigen Jubiläum der Busbibliothek 1981 verzeichnete die Bilanz 6 Busse (darunter zwei Flagschiffe:  18 Meter lange Gelenkbusse, die  8000 Bücher, 360 Zeitschriften und 250 großformatige Kinderbücher transportierten).

Mit den kommunalen Finanzkrisen der 80ziger Jahre begann der Niedergang des Busbibliothekswesens in Deutschland. Auch Köln blieb nicht verschont. 2004 fuhr gar nichts mehr. Mit großen Engagement hat der Förderverein Stadtbibliothek Köln e.V. einen Bus von Juli 2005 bis Oktober 2007 unterhalten. Dies trug entscheidend dazu bei, dass der der einzige Bibliotheksbus seit dem 1. November 2007 wieder in städtischer Trägerschaft fährt. 18 Tonnen schwer transportiert er heute 5.000 Medien an 18 Standorte.

gp

One Response to “Vor 80 Jahren rollte die erste Busbibliothek in Köln”

  1. esta 04/04/2011 at 00:42 #

    Wäre es nicht ein großartiger Fortschritt, wenn nach 80 Jahren Männerwirtschaft am Steuer, endlich eine Frau diesen Bus fahren würde? Die Größe spielt doch keine Rolle!

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