„Vielversprechende Einblicke“

4 Sep

Interview mit Nicole James (Teil 1)

Zwei Wochen ist sie inzwischen in Köln: Nicole James von der Indianapolis Public Libray (Indiana, USA). Dort leitet sie die Zweigstelle „College Avenue“ und als “Sister City Exchange Ambassador” ist sie zu Gast bei der Stadtbibliothek Köln. Zeit für ein Gespräch und eine erste Zwischenbilanz.

Ms. James, ist unser Bibliothekssystem, das erste in Deutschland, welches Sie von Innen kennenlernen?

Nicole James: Ja, ich freue mich, dass es gerade Köln ist. Ich bin zwar fast jedes Jahr einmal in Deutschland, aber war auch schon mal kurz in Köln, und über die Bibliothek habe ich mich natürlich schon vor meiner Reise informiert.

Und wie fällt nach 2 Wochen das erste Fazit aus?

Nun, öffentliche Bibliotheken ähneln sich weltweit immer mehr. Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Ob es nun die digitalen Angebote sind, Datenbanken oder E-Books, aber aus fachlicher Sicht sind es schon die kleinen Unterschiede, die interessant sind, von denen man lernen kann und die man gerne übernehmen würde.

Und was fiel Ihnen bei uns auf?

Ich schreibe ja selbst schon in meinem Blog, was mir hier gefällt. Die Recycling-Idee, die sich in Deutschland in so vielen Bereichen findet. Oder dass in der Bibliothek intern und auch für die Besucher kein Geschirr oder Tassen aus Plastik angeboten werden. Oder so einfache und praktische Sachen wie ein whiteboard für Sitzungen und Konferenzen.

Umgekehrt wissen wir, welchen hohen Stellenwert die Public Library in den USA hat!

Die Bibliotheken in den USA stehen in einer großen Tradition. 1742 eröffnete Benjamin Franklin die erste öffentliche Bibliothek Amerikas. Andrew Carnegie ließ zwischen 1889 und 1923 insgesamt 1.681 öffentlichen Bibliotheken bauen, viele von ihnen gibt es noch. Auch zwei unserer Zweigstellen in Indianapolis sind original Carnegie-Bauten. Öffentliche Bibliotheken sind ein wichtiger Teil unserer Kultur, an essential public service. Die Menschen lieben ihre lokale Bibliothek, sie ist eine Art zweites Zuhause für sie und die sehr enge Bindung erleben wir täglich als sehr erfreulichen Teil unserer Arbeit. Nicht gerüttelt wird auch am Gesetz, dass die Nutzung für alle kostenlos bleibt.

Stichwort Gemeinsamkeiten: Köln und Indianapolis aus bibliothekarischer Sicht?

Beides sind große mehrsprachige Städte. Gegenwärtig erleben wir in Indianapolis neben den bestehenden mexikanischen und latino-Communities neue Bevölkerungsgruppen aus Afrika und Südostasien. Das ist eine spannende Herausforderung, diesen Veränderungen müssen wir uns stellen und unsere Angebotspalette entsprechend erweitern.
Donnerstag war ich in der Stadteilbibliothek Mülheim und sehr beeindruckt von der dort geleisteten Arbeit mit der Mehrsprachigkeit, wie auf die Schulen zugegangen wird, wie man mit ihnen zusammenarbeitet und wie professionell die Integrationskurse vorbereitet und durchgeführt werden. Diese vielversprechenden Einblicke werde ich natürlich zuhause mitteilen und mich dafür einsetzen, bei uns Ähnliches zu realisieren.

Teil 2 des Gespräches folgt morgen.

gp

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