Weihnachtsfilm mit Bibliothekarin: „Ist das Leben nicht schön?“

22 Dez

Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsfilm im Fernsehen? Zum Beispiel der Klassiker „Ist das Leben nicht schön?“ von 1946. Zwar gewann er keinen Oscar, gilt aber trotzdem als einer der besten Filme der Filmgeschichte. ARD oder ZDF zeigten ihn immer zum Fest (zuletzt wenigsten nachts), aber diesmal läuft er nur im Bezahl-TV. Umsonst und dank YouTube könnt Ihr ihn gleich hier und in voller Länge sehen.

Bibliothekarinnen genießen die Tragikkomödie mit James Stewart und Donna Reed allerdings nur mit gemischten Gefühlen. Denn der Erfolg des Streifens von Regisseur Frank Capra prägte maßgeblich (und das leider bis heute) das Image ihres Berufsstandes.

 Zur Erinnerung kurz die Story: Kleinstadtbürger George Baily (James Stewart), ein Gutmensch wie er im Buche steht, erleidet ähnlich wie Hiob in der Bibel, schwerste Schicksalsschläge. Ausgerechnet am Heiligabend verlässt ihn der Lebensmut. Schutzengel Clarance (Henry Travers) verhindert seinen Selbstmord. Quasi therapeutisch erfüllt er Georges Wunsch, nie geboren worden zu sein. Dadurch erlebt George, was aus seinem sein Heimatstädtchen geworden wäre (ein nacktes Grauen), hätte es ihn und seine guten Taten nicht gegeben. Geläutert kehrt er ins reale Leben zurück und wird mit einem Happy Ending belohnt, das schwer auf die Tränendrüse drückt.

 In der Schlüsselszene des Films will er vom Engel erfahren, wie es seiner Ehefrau ergangen wäre? Diese Begegnung verläuft für ihn besonders niederschmetternd und ist der Wendepunkt der Story. Seine hübsche, lebensfroh blühende Mary (Donna Reed) hat sich in eine schwache ängstliche „alte Jungfer“ verwandelt, eine Bibliothekarin.  So sahen die Amerikaner 1946 die Frauen in diesem Beruf: unattraktiv, unverheiratet und unglücklich. Ohne George ist Mary ein lediges Nichts und in einer Bibliothek trifft sie keinen Mann fürs Leben.

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 Glücklicherweise hat sich inzwischen auch im Film das Bild der Bibliothekarin gewandelt. Aber die ständige Wiederholung dieses Films mit seiner extrem emotionalen Wirkung, ausgestrahlt für ein sentimental weihnachtlich gestimmtes Publikum, lässt doch Zweifel aufkommen, ob sich Klischees jemals ausrotten lassen. In diesem Fall zumindest nicht unbedingt bei jenen, die nie eine Bibliothek betreten.

gp

P.S.: Die kurze aber umso bedeutendere Szene mit Mary als Bibliothekarin beginnt ab 1:54 h/min. Zur ihrer Entschuldigung muss man natürlich sagen, dass jede Frau ähnlich reagieren würde. Schließlich wird sie von einem vermeintlich Irren aufgelauert, der behauptet, ihr Mann zu sein.

Bilder aus dem Film: Oben glückliche Ehefrau, unten unglückliche Bibliothekarin.

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