Schon gelesen? Teil 33 – “Nacht über Tanger”

Dem Winter entfliehen in die flirrende Hitze Marokkos

“Nacht über Tanger” von Christine Mangan

Alice und Lucy könnten unterschiedlicher nicht sein, als sie sich auf dem College in Vermont kennen lernen. Alice ist introvertiert und stammt aus gutem Hause, während Lucy selbstbewusst und fröhlich ist und aus einfachen Verhältnissen stammt. Sie werden unzertrennlich, bis sich Alice in Tom verliebt.

Lucy kann ihre Eifersucht auf Tom nicht verbergen, woraufhin sich Alice immer mehr von Lucy zurückzieht. Nachdem Tom bei einem Autounfall stirbt, entfernen sich die beiden gänzlich voneinander. Ein Jahr später spürt Lucy Alice in Tanger auf und möchte an die alte Freundschaft anknüpfen. Alice ist ein Jahr später (1956) überstürzt hinter ihrem vergnügungssüchtigen Mann her nach Tanger gezogen.

Es wird dem Lesenden direkt klar, dass an der Ehe und auch mit Alice etwas ganz und gar nicht stimmt. Sie hat sich in Tanger nicht einleben können und verlässt kaum die Wohnung. Im Gegensatz zu Lucy, sie stürzt sich sofort in das lebhafte, andersartige und politisch aufgeheizte Tanger.  Für einen kurzen Moment scheint die alte Freundschaft und auch Alice an Lucys Seite wieder aufzublühen, bis Lucy Alices Mann John mit einer anderen Frau erwischt. Darauf hin versucht sie Alice zur Trennung zu überreden. Als das nicht funktioniert, schmiedet Lucy einen tödlichen Plan. John verschwindet plötzlich, und die Erinnerungen an den Unfall von damals drängen sich wieder in Alices Bewusstsein. Lucys Verhalten verändert sich immer mehr und Alice empfindet eine unbestimmte Bedrohung. Sie beginnt langsam an ihrem Verstand zu zweifeln.

Dieser Roman ist psychologisch vielschichtig und spannend wie ein Thriller. Mit dem ersten Satz entwickelt das Buch einen unwiderstehlichen Sog. Dadurch, dass man die Kapitel abwechselnd aus der Perspektive von Alice und Lucy liest, verdichtet sich die Handlung zunehmend und nimmt an Tempo auf, bis am Ende die Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn verschwimmen.

Ich habe diesen Roman im ersten Lockdown an zwei Tagen verschlungen. Eine seltene Mischung aus einem Schmöker und psychologischen Thriller. Die Geschichte beginnt im verschneiten Vermont und endet im flirrend-heißen Tanger. Ebenso wie die Temperatur spitzt sich die Handlung bis zum Showdown immer weiter zu.

Unbedingt lesen!

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