„Köln ist affenartig…“

 

 

 

Drei Tage feiert die Stadtteilbibliothek Sülz in dieser Woche die Wiedereröffnung nach umfassender Renovierung. Auf Einladung des Fördervereins Lesezeichen e.V.  stellt der Kulturjournalist und Kölner Dr. Walter Filz  (im Bild) sein Buch „Der Affe zu Köln“ vor, das mit verblüffenden Erkenntnissen zur Kölner Mentalität und der Geschichte des Affen Petermann aufwartet. Anläßlich seiner Lesung, die morgen, Donnerstag, 17.11.11, um 20 Uhr in der Stadtteilbibliothek Sülz stattfinden, hat er uns ein kleines Interview gegeben.

Herr Dr. Filz, wieviele Affen gibt es in Köln?

Das kommt – wie immer – auf die Definition an. 100prozentige Affen gibt es (hoffentlich) nur im Kölner Zoo. Mindestens 95prozentige Affen sind wir alle, denn so hoch schätzen Forscher die genetische Übereinstimmung zwischen Schimpansen und Menschen. (Manche behaupten sogar, es seien mehr als 98 Prozent). Noch höher können die seelisch-mentalen Übereinstimmungen sein. Allerdings scheint es hier regionale Varianten zu geben. Meiner Einschätzung nach kann die seelisch-mentale Übereinstimmung zwischen Kölnern und Menschenaffen bis zu 99 Prozent betragen, in Einzelfällen liegt sie vielleicht noch darüber. Man könnte also durchaus behaupten, dass es in Köln so viel Affen wie Einwohner gibt. Allerdings ist dieser Bereich noch weitgehend unerforscht. Man ist auf Beobachtung und Hypothesen angewiesen…

 Warum ist ausgerechnet Köln so affengeil?

Ob Köln „affengeil“ im wörtlichen Sinn ist, weiß ich nicht. (Ist dieses ehemalige Jugendsprachwörtchen nicht fast schon wieder ausgestorben?) Außer auf dem Pavianfelsen im Zoo scheint mir der Testosteron-Ausstoß in der Stadt im deutschen Durchschnittsmaß zu liegen. Köln ist aber – anders als andere deutsche Städte – „affenartig“ und manchmal auch unartig. Das liegt unter anderem an einer gewissen – sagen wir – offensiven Unkenntnis von Pflicht- und Moralvorstellungen und einer relativ ungebändigten Trieborientierung bei gleichzeitiger Verweigerung von Verantwortung. Zum Triebhaften passt natürlich das Adjektiv „geil“. Aber ich möchte trotzdem nicht von „affengeil“ sprechen – um die Affen nicht zu diskriminieren.

Tatsächlich zielt der kölsche Trieb auch weniger in den sexuellen Bereich. Der Kölner will ganz allgemein: nur spielen. 

Allenthalben klagt man in Köln oft über den Niedergang der kölschen Art. Die Kinder können kein Kölsch mehr sprechen, wollen es auch gar nicht. Und die Imis feiern schon ihren eigenen Karneval. Droht dem Äffischen im Kölner die Nische in der eigenen Heimatstadt?

Die „kölsche Art“ wandelt sich – wie alle Sitten und Gebräuche und wie der Mensch überhaupt. Und wer da „Artenschutz“ fordert, der verwechselt Lebensgefühl mit historischen Denkmälern. Andererseits: der Dom bleibt ja stehen, die geographische Lage Kölns verändert sich auch nicht. Und auch andere äußere und innere Gegebenheiten der Stadt erweisen sich als erstaunlich beharrlich. Deshalb glaube ich, dass „Imis“ in Köln nur begrenzt ihren eigenen Karneval in Kölner Kulissen feiern können. Denn die Stadt und ihre „Art“ lässt das gar nicht zu. Ob mit mehr oder weniger kölscher Sprache: wer hier ist, der wird Kölner – ob er will oder nicht und oft, ohne dass er (oder sie) es merkt. Daher mache ich mir ums Äffische keine Sorge. Petermann lebt… und lässt sich täglich aufs Neue erleben.

gp

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