Ein Jahr im Bett

13 Dez

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„Er sagte: ‚Es ist nichts zu essen da.’

‚Was zu essen gibt’s im Supermarkt’, sagte sie.“

Vermutlich kennt ihn jeder: den Traum, einfach im Bett liegen zu bleiben, die täglichen Pflichten vergessend sich rein dem süßen Nichtstun zu widmen.

Eva Beaver erfüllt ihn sich. Am Tag, an dem ihre 17jährigen Zwillinge von zu Hause ausziehen, geht sie mit dem Beschluss ins Bett, vorerst nicht mehr aufzustehen. Als Ehe- und Hausfrau tritt sie in den Totalstreik! Und tatsächlich schafft sie es, ein Jahr durch zu halten (Eva: „Ich will mich sortieren.“).

Ihr Verhalten ist so ungeheuerlich, dass es ihr komplettes Umfeld in Turbulenzen stürzt. U.a. ihren intellektuellen Gatten Brian (von Beruf Astronom), ihre mathematisch hochbegabten und durchgeknallten Kinder, ihre nervtötende Mutter sowie ihre Schwiegermutter.

Versuche, sie für verrückt zu erklären, scheitern. Die Medizin attestiert ihr Normalität (Eva: „Ich bin nicht krank. Ich ziehe mich zurück von der Welt…“).

Während sie über sich selbst und ihr Leben nachdenkt, versinkt alles im Chaos. Der Gatte, stellt sich heraus, hat seit 8 Jahren eine Geliebte. Mehr oder weniger gestörte Menschen bevölkern das Haus. Niemand scheut sich mehr, auch unangenehme Wahrheiten offen aus zu sprechen. Die Medien wittern eine Sensation. Eva bekommt Fans, die in ihr eine „Heilige“ sehen. Das alles bringt sie nicht aus dem Schlafgemach („Ich mache Urlaub von meinem ich“).

Über 445 Seiten schafft Autorin Sue Townsend (bekannt auch durch ihre „Adrian-Mole“-Bücher) mit abgrundtiefem britischem Humor puren Lesespaß. Mühelos schlägt sie Bögen zwischen Kosmos und Küche, Astronomie und Apathie, Mathematik und Muße. Überzeugend bestätigt sie die Tatsache, dass wer nichts tut, auch nichts verkehrt machen kann. In diesem Sinne ist die Lektüre das perfekte Vergnügen für relaxte Feiertage.

gp

P.S.: Aus Bibliothekssicht müssen wir anfügen, das Eva in ihrem (für die Story nebensächlichen) Berufsleben als angelernte Bibliotheksassistentin gejobbt hat. Bei dieser Arbeit lernte sie auch ihren Ehemann Brian kennen. Er hatte von ihr einen bösen Brief bezüglich eines nicht zurück gegebenen Buches bekommen. Seine Begründung dürfte selbst für gestandene Bibliotheksmitarbeiter nicht alltäglich sein: „Ich werde [es] nicht zurückgeben […] weil es voll von theoretischen Fehlern und inhaltlichen Narreteien ist, dass ich es in den Soar [Fluss von Leicester] geworfen habe. Ich kann nicht riskieren, dass es meinen Studenten in die Hände fällt“.

P.P.S.: Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wird aus Eva gegen Ende des Buches eine ehemalige „Bibliothekarin“. Ob das aufs englische Original oder die Übersetzung zurück zu führen ist, konnte nicht ermittelt werden. Wie auch immer ist Fakt, dass die Ausübung dieses Berufes ein abgeschlossenes Studium voraussetzt. Eva Bieber ist zwar Bücherfreundin und vielseitig interessiert, aber ansonsten gänzlich unakademisch gezeichnet.

Bei uns im Bestand:

Sue Townsend: Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb. Berlin 2013. (Signatur:  U Townsend, Sue)

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