re:publica 2015 – #rp15 – Tag 2

Zweiter Tag, zweite Runde eklektizistischer Internetspaß.
Bildungssystem der Zukunft
Jöran Muuß-Merholz spricht über das Bildungssystem der Zukunft und entwirft eine doch recht haarsträubende (weil pessimistische) Timeline der nächsten Zahn Jahre. Sie sieht ungefähr so aus:

  • 2015 geht es darum, die mediale Kontrolle über Schüler zurück zu gewinnen. Bedeutet: Smartphone-Verbot, Peilsender auf dem Klo und spezielle Filtersoftware. Die Wirtschaft beginnt, sich für digitale Bildung zu interessieren. Es gibt im Rahmen des adaptive learning maßgeschneiderte Angebote an Material und Lernumgebungen. Die Grundidee ist: zunächst durch Tracking herausfinden, was der Lernende kann.
  • 2016: Smart Watches mit Sprachsteuerung im Unterricht.
  • 2017: Jeder Schüler bekommt ein eigenes Gerät, landesweit in gleicher Ausstattung (Google?). Bundesweit ist das bis 2019 durchgesetzt, finanziert durch Microsoft. Danach gibt es Schulvereinbarungen zur Überwachung. Schüler beobachten sich gegenseitig und “leaken”, wer betrogen hat. Es gibt starke Kontrollmechanismen. Bring-your-own-device (BYOD) weit verbreitet. Schulmaterisl verbessert sich über Big Data. Kameratechnologie ermöglicht bessere Aus- und Bewertung der Lernenden.
  • 2019: Eltern werden digital über Lernfortschritte informiert, sind Teil des Systems. Erste Privatschulen verzichten auf digitale Systeme. Schüler bewerten per App die Pädagogen.
  • 2020: Das Jahr der großen Zentralisierung. Es gibt eine staatliche Bildungscloud, jeder Klassenraum verfügt zwecks Verhinderung von Missbrauch über eine Kamera. Generalverschlüsselung kann aufgegeben werden, Prüfungen können jetzt unabhängig vom Ort abgenommen werden (z.B. zu Hause).
  • 2023: Mumpsepidemie. Darum wird jetzt mit Teleunterstützung gelernt, in Isocamps, im Krankenhaus. Augmented Reality setzt sich durch.
  • 2024: Lernprozesse können jetzt vollständig nachvollzogen und darum auch vorhergesagt werden (adaptive  learning). Uhren messen Puls und Stresslevel der Lernenden.
  • 2025: Körperfunktionen und Lernprozesse werden ganzheitlich erfasst, protokolliert und gespeichert.

Bleibt abzuwarten, ob sich diese Dystopie erfüllt. Allzu unrealistisch scheint es sowohl den Vortragenden als auch uns nicht.
Let’s Play Geschichte
Zeit für etwas mehr Lebensfreude: Stephan Wirth ist Student der Uni Trier. Er hat mit seinem Team und in Kooperation mit dem SWR ein empathy game programmiert. Das ist ein Computerspiel, das darauf abzielt beim Spielenden verschiedene Mitgefühle zu erzeugen – was einerseits die Identifikation mit den Spielfiguren fördert und durch diese emotionale Verknüpfung Lerninhalte leichter transportiert. 
Das Game handelt vom Mittelalter im Südwesten Deutschlands und mutet auf den ersten Blick wie ein klassisches Adventure-Spiel an,  das stark mit Dialogen arbeitet. Je nach Episode schlüpft man in die Rolle eines aufgeklärten Geistlichen, der einer angeklagten “Hexe” die letzte Beichte abnehmen soll. Oder man spielt einen aufständischen Bauern vor Gericht. Oder die Mutter eines Pestkranken Mädchens. Stets muss man Entscheidungen treffen und ethische Selbstkonflikte austragen, was den Spieler emotional involviert.
Was an dem Projekt fasziniert, ist jedoch die hohe Professionalität aller Beteiligten. Unter der Projektleitung des SWR waren Historiker, Autoren, Fernsehredaktionen, Game Writer und Schauspieler beteiligt. Der exklusive Einblick verspricht ein qualitativ hochwertiges Produkt, das demnächst erscheint. 
Ethnographie und Anonymous
Gabriella Coleman (McGill University) ist die wohl profilierteste Erforscherin des eigenartigen Anonymous-Kollektivs, das seit 2008 irgendwo zwischen harmloser Netzkultur und handfesten Hackerangriffen oszilliert. 
Heute beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang von Anonymous und Terrorismus. In den USA wird seit 2001 Terrorismus qua Gesetzen definiert – so sind zum Beispiel Tierschutzaktivisten früher einfach Aktivisten gewesen. Heute gelten sie vor der Justiz als Terroristen. 
Doch ist Anonymous das Online-Equivalent zu al Qaida? Offenbar wird es nicht so wahrgenommen. Dabei gibt es drei Gründe, die laut Coleman dafür sprechen würden. Erstens: Anonymous’ Aktivität kann durchaus als  Cyberextremismus begriffen werden. Und der Sprung von Extremismus zu Terrorismus ist nicht weit. Zweitens: Es sind (auch) kriminelle Hacker. Drittens: es wurden Versuche der Regierung unternommen, Anonymous mit dem Label Terroismus zu assoziieren. 
Und wieso hat es nicht geklappt? Coleman nennt vier Punkte.

  1. Anonymous hat die “richtigen” Ziele attackiert (PayPal) und die “richtigen” Leute unterstützt (Wikileaks). Sie unterstützten Proteste in Tunesien und Occupy – beide gelten gemeinhin als “gut”.
  2. Die ikonische Guy Fawkes-Maske. Diese Figur wird eigentlich mit positivem, ehrbarem revolutionärem Widerstand verbunden. Dazu kommt die Aufmerksamkeit in der Popkultur (Comic, Film). 
  3. Anonymous ist flexibel und inkohärent. Es kann nur schwer als ein Phänomen verstanden werden. 
  4. ACTA. Anonymous hat eine Pressmeldung herausgegeben, in der sie im Kontext des Freihandelsabkommens Attacken gegen polnische Webseiten ankündigten. Später haben polnische Parlamentarier im Parlament die Fawkes-Maske getragen. Das hat das Phänomen legitimiert. 

Das ist der aktuelle Status, der sich laut Coleman aber auch schnell wieder ändern kann. Entweder durch Aktionen von Anonymous selbst – oder durch die US-Regierung.
Ein schneller, schlaglichtartiger Vortrag – da wäre mehr drin gewesen. 
Von der Netzwerk- zur Plattformgesellschaft
Sebastian Gießmann (Medienwissenschaftler, Uni Siegen) und Michael Seemann (Kulturwissenschaftler, Autor) skizzieren in einem überfüllten Saal den Wandel von Manuel Castells’ Netzwerkgesellschaft hin zur zeitgenössischen Plattformgesellschaft – so die These. Es ist einer der Säle, wo wir Kopfhörer tragen, um andere Sessions nicht durch fette Boxenanlagen zu stören. Leider sind alle Kopfhörer schon verteilt. Keine Sitzplätze mehr, schlechte Akustik – echtes Unifeeling! Darum kommt aber nicht alles rüber. Es folgt ein zum Scheitern verurteilter Versuch.
Die Kreditkarte sei eines der ersten Objekte der Plattformgesellschaft, da sie Transaktionen zwischen Unbekannten organisiert und absichert. Plattformen setzen Standards, Kooperationsbedingungen und reduzieren Selektionsoptionen – ein sehr anschauliches Beispiel ist MySpace, das in den nuller Jahren noch viel mehr gestalterischen Spielraum ermöglichte als heute die Plattform Facebook.
Zuletzt seien Plattformen zwiegespalten. Einerseits sind sie Erfüllungsgehilfen von Regierungen, denn wenn man unliebsame Inhalte loswerden will, muss man nur noch eine Plattform (z.B. YouTube) abschalten. Andererseits sind sie Antagonisten von Regierungen, da gerade ebendiese Plattformen die Verbreitung unliebsamer Inhalte ermöglichen (vgl. arabischer Frühling). 
Sehr theorielastig, aber auch sehr erkenntnisreich, trotz der Umstände.
Cory Doctorow!  
Muss man zu Doctorow noch was sagen? Na gut: zeitgenössischer kanadischer und jetzt in London lebender Science Fiction-Autor, Journalist und Blogger. Er spricht ohne Projektion, total frei und es ist eine Freude, ihm zuzuhören.
Heute spricht er zunächst von der Omnipräsenz der Computer. Wir sind in Computern (sprich: modernen Häusern) unterwegs und Computer werden zunehmend Teil unserer Körper. Prothesen, Schrittmacher, Implantate sind digitale Computer mit kabellosen Schnittstellen. Gleichzeitig ist es unmöglich Computer zu bauen, bei denen Funktionen ausgeschlossen sind.
Es folgt ein Schwenk zum bei dieser Konferenz obligatorischen Komplex der Überwachung. Die ist beim Handy in der Hosentasche schon mindestens unangenehm – geht es jedoch um Geräte (und die Möglichkeit der Fremdsteuerung ebendieser) innerhalb des Körpers, werden andere Qualitäten erreicht. Doctorow bringt ein sehr eindrückliches Beispiel von finanzierten robotischen Beinprothesen, die von selbst zurück zum Hersteller laufen, wenn plötzlich der Besitzer wechselt. Dystopischer Slapstick, aber nicht ohne Sprengkraft.
Und sonst? Wird wenig besser. Was bleibt, wirkt wie ein etwas ratloser Appell, für seine Lieben zu sorgen – indem man ihnen das Netz und seinen aktuellen Stand erklärt. Unabhängig von Opti- oder Pessimismus. “We all do what we can”‘ sagt er.
 

Quellcodelesung mit viel Reflexion über Natur der Algorithmen

cd & sa

Die Bibliothek, die Bibliothekarin und Orson Welles

In dieser Bibliothek gibt es keine Regale. Das gesuchte Schriftstück befindet sich in einem Safe und die Bibliothekarin Miss Anderson ist so unterkühlt wie das ganze Ambiente.

Im Film „Citizen Kane” (1941) von Orson Welles findet eine Schlüsselszene in diesen Räumlichkeiten statt. Reporter Jerry Thompson (William Alland) recherchiert über das Leben des Pressemagnaten Charles Foster Kane (als Vorbild diente der US-amerikanische Verleger William Randolph Hearst).

Die Bibliothekarin (gespielt von Georgia Backus) tritt konzessionslos professionell und nicht (wie man vorschnell meinen könnte) klischeehaft altjüngferlich auf. Dazu ist sie eine souveräne Lesbe. Maskulin, stark und dominant, und in jeder Sekunde Frau der Lage. Mit ihr zu diskutieren erweist sich als völlig zwecklos.

Für die Zeichnung der Bibliothek reichen ein Stuhl, ein Tisch und ein Buch. Wie bei der Herrscherin über diesen Raum fehlt jedes Willkommensgefühl. Im Gegenteil… alles erinnert eher an ein Gefängnis. Für die Story des Films wäre das Bild einer klassische Bibliothek auch kontraproduktiv.

Für viele gilt “Citizen Kane” als bester Film aller Zeiten. Regisseur Orson Welles wäre heute 100 Jahre alt geworden.

gp

re:publica 2015 – #rp15 – Tag 1

Geschichte, Anlass und Seele der großen Netzkonferenz re:publica lassen sich vorzüglich in der Wikipedia nachlesen. Insofern liefern wir (das sind Constanze und Sebastian) euch auf Twitter und 1x täglich hier unsere Highlights, Erfahrungen und Eindrücke. Subjektiv, fragmentarisch und mit heißer Nadel gestrickt – eben so, wie es sich für ein Halb-Liveblog gehört.
Opening
Keine re:publica ohne fulminantes Opening. Ca. 3.000 Menschen warten im Saal und wir fragen uns, wie viele davon ohne Smartphone/Laptop/Tablet unterwegs sind. Einer? Zwei? Egal: Wer keines hat, wird von den Leuten mit drei oder mehr kompensiert. Orga und Geschäftsführung machen das Themenspektrum auf.
 

Stage 1

 
Markus Beckedahl, Chef von netzpolitik.org, richtet zuerst das Wort an die Netzgemeinde – und fühlt sich in den letzten Jahren vom Murmeltier gegrüßt: Snowden sei passiert… und dann erstmal nichts (politisches). Immerhin habe man durch die indirekte Folge des BND-Skandals aber nun doch so etwas wie eine Debatte. Der zweite Murmeltiergruß sei der “Zombie” Vorratsdatenspeicherung. Mal gibt es sie, dann wieder nicht, heute lebendig, morgen tot und übermorgen wiederbelebt. Beckedahl fordert klar: Sie muss weg, und zwar für immer. Und drittens: Netzneutralität.
Allen drei Phänomenen ist gemein, dass sie ganz grundlegend die Rahmenbedingungen bestimmen, unter denen wir online zsammen leben. Und diese Rahmenbedingungen werden mittlerweile in großen Stücken in Europa bestimmt – das erklärt den diesjährigen Untertitel finding europe. 
spreeblicks Johnny Haeusler zieht eine Analogie von Berlin zu Europa. Beiden waren bzw. sind von Mauern umgeben… Und 2015 sind es eben die Mauern um die “Festung Europa”. Diese gelte es abzubauen. Tanja Haeusler schlägt in eine ähnliche Kerbe, wenn sie das doch sehr wohl funktionierende Sozialgefüge verschiedener Ethnien junger Menschen beobachtet.
re:publica-Geschäftsführer Andreas Gebhard und Elmar Giglinger sprechen noch kurz über Business und Medienboom – klar und prägend bleibt jedoch der starke netzpolitische und medienkulturelle Impetus der Veranstalter. Na dann mal los!
Opening Keynote
Ethan Zuckerman (MIT Cambridge) ist der erste große Stargast und hält die Keynote. Seine Thesen sind politisch pessimistisch: das System der USA sei festgefahren, vom Geld bestimmt und die Wahlbeteiligung erreiche historische Tiefstände. Ähnliche Beobachtungen macht er für Europa. Und was sei die Standardantwort auf diesen Verdruss? Die faule Jugend, die Zeit im social web verplempere.
Die Wahrheit ist aber, dass zeitgenössische Protestkulturen fast nur aus jungen Menschen bestehen! Als Beispiel dient Zuckerman der arabische Frühling in all seinen Ausformungen. Dieser habe sich in der westlichen Welt als eine Bewegung gegen Politik generell umgesetzt. Das Problem dabei ist nur, dass eine politische Bewegung kaum die Grenzen zum tatsächlichen politischen System zu überschreiten vermag – im Parlament landen Revoluzzer eher selten. Dabei sei Protest dank sozialer Medien so viel einfacher geworden. Was fehlt, ist Konsens unter den Protestierenden, um eine Bewegung in handfeste Politik münden zu lassen.
Und die Politik insgesamt? Sei schwach und machtlos, da sie nur aus Anpassungsstrategien an die Märkte bestehe. Was also tun? Wie lässt sich das Netz für politische Teilhabe und echten Einfluss instrumentalisieren? Zumindest in den 90ern sah man dort großes Potential – heute, mit Snowden im Hinterkopf zurückblickend, sei man jedoch unfassbar dumm gewesen. Das basisdemokratische Potential, wenn überhaupt vorhanden, wurde von Anfang an von Geheimdiensten untergraben.
Und heute? Sei Open Data noch kein Garant für Veränderungen. Es fehlt an Werkzeugen, die diese Daten erschließen und nutzbar machen. Das wichtigste Problem sei jedoch Misstrauen – genauer das Misstrauen der Menschen gegenüber Institutionen an sich, egal ob privat oder öffentlich. In einer Ära steigender Ungleichheit ist das nachvollziehbar, bleibt dennoch zersetzend für eine Gesellschaft.
Und wie können wir Nutzen aus diesem Misstrauen schlagen? Zuckerman provoziert Änderungen auf vier Ebenen: Gesetze, Code, Märkte und Normen. Code kann gegen Überwachung eingesetzt werden, Märkte gegen Klimawandel, Normen können von Medien geformt werden. Und mit den richtigen Tools könne ein gewisses kultiviertes, bürgerliches Misstrauen auf lokaler Ebene tatsächlich etwas bewegen.
Großartiger, sehr spannender Vortrag!
3D-Drucker aus Abfall
Spannend, aber völlig anders dann ein Workshop im Makerspace des GIG Hub: ein afrikanisches Projekt wollte ursprünglich Schuhe 3D-drucken, ging dann aber einen Schritt zurück und baut nun funktionierende 3D-Drucker aus altem Elektroschrott. Wir dekonstruierten also eine Nähmaschine (ca. 5.000 Schrauben), einen Tintenstrahldrucker und einen alten Laptop. In allen ließen sich Komponenten finden, die für einen 3D-Drucker essenziell sind: Schrittmotoren, Streben, Keilriemen, Rahmen etc. Toll!
 
3D-Drucker aus Altgeräten (Nähmaschinenstadium)

 
Maker Faire Berlin
Wir lernten Philip Steffan, Redakteur bei Make, kennen. Er organisiert u.a. die Maker Faire in Hannover, die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet – und im Oktober auch in Berlin. Inspirierende Ideen und ein wertvoller Kontakt für uns. Mal sehen, was wir draus machen. 🙂 Maker Faire Köln, anyone?
Lügen für die Vorratsdatenspeicherung 
Zuletzt nimmt Andre Meister von netzpolitik.org Richtlinien, Gesetze und Argumente von Politikern aller Parteien auseinander, die versuchen das massenhafte Abspeichern von sog. “Vorratsdaten” zu rechtfertigen. Und zwar im Detail und sehr textnah. Und was gibt’s? Meister vergibt verschiedene Pinicchios als Award, analog zur goldenen Himbeere. Anhand von Beispielen illustriert er, welche tiefgreifenden Erkenntnisse Vorratsdaten über eine Person zulassen: Bewegungsprofile, aber auch Persönlichkeitsprofile. Dableiben einem das Lachen dann doch gerne mal im Halse stecken.
Dies war unser erster klitzekleiner Bericht vom ersten Tag – so viel Konferenz, so wenig Text. Die ganzen Begegnungen und Eindrücke lassen sich nur schwer (per Tablet) festhalten, aber glaubt nur: noch fühlt es sich sehr inspirierend an, hier in Berlin.
sa & cd

#graem3: Zwischen Medientheorie und Taubenscheiße

Tweet von @Kill_Til: Twitter als Geisteszustand
 
Til Strasser fasst unsere dritten Vergraemungen eigentlich ganz gut zusammen. Bloß: Welcher Geisteszustand gehört zu welchem Twitterer? Wer ist denn jetzt der bekloppteste? Darüber soll dieser kurze Nachbericht Auskunft geben.

Teppiche am Nordpazifik für die Medienwissenschaft

Herr @geruchtekellner ist im echten Leben Medienwissenschaftler und schreibt seine Dissertation über Twitter. Genauer gesagt: Er untersucht mit den Methoden der Ethnographie, wie das Sozialleben von Twitterern online und offline funktioniert. Nur ohne Tropenhut.
Einen Schwank aus ebendieser Doktorarbeit verlas er. Das war intellektuell anspruchsvoll, weil wissenschaftlich – aber auch erbaulich, weil unterhaltsam. Wer würde angesichts von awkwarden Offline-Treffen mit Twitterern wie @BillyGerwitz schon von “Kippfigürlichkeit” der Medienrepräsentation sprechen? Eben: ein Kulturwissenschaftler. Und zwar einer, der behauptet, @BillyGerwitz habe “DEN Bahn-Tweet schlechthin” geschrieben.
Wir möchten ihm zustimmen, ja!, stets nickend, aber nur die Hälfte verstehend. Doch soviel ist angekommen: Wenn sich Indianer am Nordpazifik zum Potlatch getroffen und Geschenke ausgetauscht haben ist das im Prinzip wie bei Twitter – dort werden nämlich Favorites und Retweets ausgetauscht. Geradezu kartellhaft. Als Gabe, die eine Gegengabe impliziert. Danke, wir haben was gelernt!

Dramen im #printtwitter

Frau Wibke “@sinnundverstand” Ladwig hat ein Hobby: Jeden morgen blättert sie sich durch den Kleinanzeigenteil der Zeitung und forscht nach Skurrilem, Lustigem oder fast ekelhaft Romantischem. Das Substrat gibt es dann unter dem Hashtag #printtwitter zu lesen.
Und ein Best-Of des Best-Of zeigte uns die selbsternannte Social Media-Rangerin am Montag. Man kann sich durchklicken – das ist für sich genommen schon lustig genug, aber dann fehlt einem Wibkes fantastischer roter Faden, der die sonst so kryptischen Kurztexte in zwischenmenschliche Dramen verwandelt. Karin und Wolfgang, wir werden euch nicht vergessen.
Und was lernen wir daraus? Getwittert wurde offenbar schon immer – nur halt nicht im Internet, sondern auf Klowänden oder in der Zeitung. Und Höhlenmalerei gilt als frühes Instagram.

Düsentriebesquer Professor

Ziemlich akademisch, diese Vergraemungen: Stephan Porombka heißt auf Twitter @stporombka und ist eigentlich Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin. Und zur Stunde hat er den Twitteraccount der ZEIT gekapert und tritt dort u.a. in Unterhosen aus Totholzmedien auf. Das ist beispielhaft, denn mit seinen Experimenten lotet er die Grenzen aus zwischen neuen und alten Medien.  Und doch kehrt er, ganz Slapstick, immer wieder zum Buch, zum Papier, zurück.
Uns stellte er einige seiner Erfindungen vor: Ein Fakirstift, der den Schmerz des auteurs auch körperlich erfahrbar macht. Ein Pillendöschen, das die tägliche Lese-Medikation portioniert. Ein Lesezeichen als Vogelschablone, die verhindert, dass einem bei der Lektüre im Park Federvieh gegen’s Haupt donnert. Getragene Bücher, die analog zu den legendären getragenen Höschen aus Japan, den Flair der Körperlichkeit zum Leser bringen. Und – ganz wichtig – fein gehackter Bücherstaub verschiedenster Couleur, der Nasenschleimhäute und Sinne betört. Danke für das beeindruckende Sammelsurium.

Verquarzte spanische Liebhaber

Frau @Menschette ist Urgestein der Vergraemungen, wenn man so will. Gewohnt gelassen verlas sie zwei wundervolle Texte – und beide Male fragt man sich wieder, wieviel Realität denn nun letztlich dran ist an Frau @Menschette. (Wahrscheinlich verstörend viel.)
Zunächst handelte sie ihre kindliche Sozialisierung zur Tabakkonsumentin ab. Ihrer Biographie nach wurde sie von Kindesbeinen an behutsam an Quarzware jedweder Sorte herangeführt, nur um dann an ihren Erzeugern vorbeizuziehen, was Toleranz und Konsum betrifft. Stolz! Und heute? Raucht sie nicht mehr.
Themenwechsel hin zu Jorge: Eine spanischstämmige Liebschaft, von der wir auch nur rätseln können, ob sie tatsächlich existiert. Vor lauter Begeisterung habe ich vergessen, worum es im Detail ging, aber es war wirklich ganz vorzüglich (ehrlich!). Danke, @Menschette.

Köln, Tauben und Tauben in Köln und anderswo

@pigeonista heißt in Wirklichkeit Anne Weiß und hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Ebendieser macht zwar unsterblich, enthält aber nicht, dass Anne Tauben hasst. So ähnlich wie @Vergraemer, nur irgendwie gefährlicher. Und so erzählt sie aus ihrer Kölner WG-Zeit, in der Freundin Jutta ihr zu schlichter Meditation rät, um dem Taubenproblem Herr zu werden – aus sich selbst heraus. Und Gewaltfrei. Der Plan geht auf, allerdings ein bisschen zu gut. Denn am Ende kennt Anne mehr Tauben als echte Menschen. Und hat praktisch keine Freunde mehr.
Immerhin: Ohne Freunde hat man mehr Zeit, um seinem leicht gruseligen Hobby Taubenfotografie nachzugehen.  @pigeonista ergänzt ihre Instagram-Wunderwerke sodann mit entsprechenden Textfetzen – und das macht dann wirklich großen Spaß. Kann man nicht erklären, müsst ihr euch angucken.

sa

 
Ihr könnt euch noch auf Videos der Lesung freuen. Noch läuft die Bearbeitung, aber sobald die Clips veröffentlichungsreif sind, editieren wir den Blogeintrag an dieser Stelle.
Einen völlig gramfreien Dank an den großartigen @vergraemer, der uns durch den Abend geführt hat, und an das Hochschulradio KölnCampus für die liebe Unterstützung!
PS: Die Vergraemungen waren Teil der Veranstaltungsreihe geeks@cologne der Stadtbibliothek Köln. Alle Infos auf www.geekscologne.mixxt.de. Als nächste Veranstaltung folgt am 20. Juni der 3Day: einer Aktionstag voller 3D-Drucker, 3D-Scanner und VR-Brillen!

PSSST! Vernissage und Eröffnung der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen in der Zentralbibliothek

Annette_Herzog

Die diesjährigen Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen sind Dänemark gewidmet und starten am Samstag, 9. Mai um 14 Uhr in der Zentralbibliothek, Josef-Haubrich-Hof 1 mit der Vernissage der Ausstellung “Pssst!”. „Pssst” zeigt Zeichnungen und Drucke aus der gleichnamigen Graphic Novel von Katrine Clante (Illustrationen) und Annette Herzog (Text) für Mädchen im Teenie-Alter.

Die Ausstellung wird in Anwesenheit der beiden Künstlerinnen eröffnet und ist eine Vorschau für Neugierige, denn die deutsche Ausgabe von “Pssst!” erscheint erst im Frühjahr 2016 im Peter Hammer Verlag.

PSSST! ist eine Graphic Novel für Mädchen im Tween-Alter und beleuchtet das Thema Identität von verschiedenen Seiten. PSSST! ist ein poetisches, philosophisches und zum Nachdenken anregendes Buch, das in einem einzigartigen Zusammenspiel von Text und Bildern die kleinen und großen Fragen des Lebens behandelt, wie sie sich einem Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenenwerden stellen. In 12 selbständigen Kapiteln bekommt der Leser einen Einblick in die Gedanken und Überlegungen, die sich die ca. 12-jährige Hauptperson Viola über das Leben, den Tod und die Einsamkeit, über ihre Freunde, Familie, ihr Aussehen und die Anerkennung durch andere macht.

Zur Eröffnung begrüßen: Kulturattaché Brigitte Torberg Jensen, Prof. Hans-Georg Bögner, Geschäftsführer der SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn und Dr. Hannelore Vogt, Direktorin der Stadtbibliothek Köln

Die Ausstellung wird vom 10.- 29. Mai auf der dritten Etage der Zentralbibliothek während der Öffnungszeiten gezeigt:

Dienstag und Donnerstag: 10 bis 20 Uhr
Mittwoch und Freitag: 10 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 15 Uhr

Während der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen 2015 – Dänemark kommen vom 9. bis 24. Mai neun der bekanntesten zeitgenössischen dänischen Kinder- und Jugendbuchautoren und Illustratoren nach Köln, um in Kölner Schulen und Bibliotheken zu lesen. Zum Programm gehören des Weiteren ein “Kinderbuchkino”, eine Filmreihe, ein Marionettentheater und eine Ausstellung.

Die jährlich stattfindenden Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen werden seit 1996 von der SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn, dem Kulturamt der Stadt Köln, der StadtBibliothek Köln, den Katholischen Öffentlichen Büchereien sowie dem JFC Medienzentrum.

Zur Ausstellungseröffnung und den Lesungen in den Stadtteilbibliotheken sind alle Interessierten herzlich willkommen.

Nähere Informationen zu den Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen sind unter www.kibuwo-koeln.de zu finden.

 

Claus Leggewie – Eine persönliche Zeitgeschichte

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Navid Kermani spricht mit Claus Leggewie in der Zentralbibliothek
Im Gespräch mit Navid Kermani stellt Claus Leggewie am Dienstag, 5. Mai 2015, um 20 Uhr seine aktuelle Autobiografie „Eine persönliche Zeitgeschichte. Beobachtungen von der Seitenlinie“ in der Zentralbibliothek am Neumarkt vor.
In dem Buch spiegelt sich der Lebenslauf vieler Altersgenossen: kosmopolitisch, ökologisch engagiert, quer denkend haben sie Deutschland entscheidend mitgeprägt. Schlüsselszenen sind häufig von Zufällen, Brüchen und Gefährdungen geprägt. Da spürt der Kölner Junge plötzlich die Nähe der NS-Vergangenheit und begreift durch einen Blumenstrauß im Rinnstein eines Pariser Nobelviertels die Gewalt der Macht. 1968 betrachtet er von der Seitenlinie, seither macht er als Beobachter und Berater gelegentlich selbst Politik. Seine Reisen führen in alle Kontinente, Begegnungen mit Menschen und Ideen schrieb er auf. Leggewie vergewissert sich der Erinnerungsspuren des eigenen Lebens und einer Generation, mit der sich fast alles änderte.
Claus Leggewie lehrt Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen und leitet das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen. Zu seinen Themen gehören zum Beispiel die Grundlagen des kooperativen Verhaltens in multikulturellen Gesellschaften und die aktuellen Chancen der Demokratie.
Navid Kermani ist habilitierter Orientalist und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für seine Romane, Reportagen und wissenschaftlichen Werke wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken.
Die Veranstaltung ist Teil der Reihe “wissenswert – Themen am Puls der Zeit”, die Stadtbibliothek organisiert sie in Kooperation mit der Buchhandlung Klaus Bittner.
Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Im Vorverkauf sind die Karten bei „Köln Ticket“ im Internet und telefonisch unter 0221/2801 oder ab 19 Uhr an der Abendkasse der Zentralbibliothek erhältlich. Kartenreservierungen nehmen die Buchhandlung Klaus Bittner, Albertusstraße 6, Telefon 0221/257 48 70 oder die Stadtbibliothek unter 0221/221-23939 gerne entgegen.

Haikus vom Blütenfall im Haubrich-Hof

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So fällt sie dahin

die Pracht von den Kirschbäumen-

vermischt sich mit Staub.

Ein rosa Teppich

lockt in den Wissens-Tempel –

den Lohn abholen!

Büchereibesuch –

Blüten wehen durch die Tür

Blätter überall!

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Schon ist sie fast vorbei, unsere Kirschblütenzeit. Morgen wird ihr der Regen den Rest geben. Ein dichtender Anonymus widmete der Vergänglichkeit der Schönheit vor unserer Tür diese Haikus.

gp

Hornist ohne Arme erobert die Welt

Felix Klieser - Fußnoten
Felix Klieser im Gespräch mit Gisela Steinhauer in der Zentralbibliothek
Als Vierjähriger verkündete Felix Klieser wie aus dem Nichts seinen Eltern: „Ich will ein Horn!” Den Vorschlag der heimischen Musikschule, es doch lieber mit Blockflöte oder Xylophon zu versuchen, lehnt der kleine Felix ab. Dabei bringt er für dieses Instrument die schlechtesten Voraussetzungen mit, die man sich denken kann: Er wurde ohne Arme geboren. Doch Felix nimmt Unterricht und übt wie ein Besessener. Und er hat Erfolg. Dass der 23-Jährige sein Horn mit den Füßen spielt, wird dabei zur Nebensache!
In seiner Autobiographie „Fußnoten” erzählt Klieser seine ungewöhnliche Geschichte mit viel Humor und einer gesunden Portion Eigensinn. Er zeigt damit, wie man trotz Handicap den eigenen Zielen treu bleiben und das eigentlich Unmögliche schaffen kann. In dem Werk findet sich auch der Satz „Die Schwierigkeit am Leben ohne Arme liegt nicht darin, es zu führen, sondern sich anderen Leuten gegenüber darin zu verhalten…”
Der weltbekannte Hornist, der zu den besten an seinem Instrument zählt, stellt sein Buch am Mittwoch, 29. April 2015, um 19 Uhr im Gespräch mit Gisela Steinhauer in der Zentralbibliothek am Neumarkt vor.
Klieser trat schon mit Sir Simon Rattle und dem Popstar Sting auf. 2014 wurde er mit der renommierten Auszeichnung „ECHO Klassik” geehrt.  Letzten Freitag war er zu Gast im „Kölner Treff” bei Bettina Böttinger. Gisela Steinhauer arbeitet als freie Journalistin vor allem für den WDR. Sie moderiert Sendungen wie „Mittagsmagazin” und „Montalk”. Für ihr Format „Sonntagsfragen” erhielt sie den Deutschen Radiopreis 2012 in der Kategorie „Bestes Interview”.
Das Gespräch ist Teil der Reihe „wissenswert – Themen am Puls der Zeit” der Stadtbibliothek Köln.
Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Im Vorverkauf sind die Karten bei „Köln Ticket” im Internet, telefonisch unter 0221/2801 oder an der Abendkasse (ab 18.30 Uhr) erhältlich. Unter der Telefonnummer 0221/221-23939 nimmt die Stadtbibliothek zusätzlich Reservierungen entgegen.
Buchcover: Copyright Patmos Verlag

Steffi Graf kocht armenisch…

Die Headline mag angesichts des Datums von heute despektierlich erscheinen. Denn genau vor 100 Jahren, am 24. April 1915 begann die Deportation der armenischen Elite aus Konstantinopel und jährlich wird der 24. April in  Armenien als “Genozid-Gedenktag” begangen. Wer in den letzten Tagen und Wochen die diesbezügliche Medienberichterstattung verfolgt hat, weiß um die aktuelle Bedeutung der “Völkermord“-Diskussion.
Aber an dieser Stelle soll der Anlass genutzt werden, um auf die Leistungen einiger armenischer und armenisch-stämmiger Persönlichkeiten hinzuweisen. Manche Namen werden bekannt sein, aber nicht unbedingt deren armenische Wurzeln. Und auch die Frage warum unsere Tennis-“Gräfin” Steffi armenisch kochen gelernt hat, wird hier eine Antwort finden.
Aram Chatschaturjan, armenisch Արամ Խաչատրյան, wissenschaftliche Transliteration Aram Xač‘atryan. Die Die Werke des berühmten Komponisten sind beeinflusst von der armenischen-georgischen und kaukasischen Volksmusik. Hierzulande am bekanntesten ist sein “Säbeltanz“.

Charles Aznavour  (eigentlich Schahnur Waghinak Asnawurjan,  armenisch Շահնուր Վաղինակ Ազնավուրյան / Šahnowr Vałinak Aznavowryan, auch Charles Aznavourian) – Der Chansonnier, Liedtexter, Komponist und Filmschauspieler ist auch armenischer Botschafter in der Schweiz und bei den Vereinten Nationene in Genf. Hier singt er mit seiner Tochter Seda ein armenisches Lied:

https://www.youtube.com/watch?v=Eoxr2N0w9K4

Cher (Cherilyn Sarkissian), der Vater der Sängerin und Schauspielerin aus den USA  ist Armenier. In ihrem Hit “Half Breed” setzt sie ihm ein musikalisches Denkmal:

Andre Agassi (Andre Kirk Agassi) –  Der Tennisspieler aus den USA stammt von einem iranischen Vater armenischer Herkunft ab. Verheiratet ist er mit Steffi Graf, die inzwischen alle armenischen Nationalgerichte kochen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=yjuV_2v2IB4

Garri Kasparow,  jüngster Schachweltmeister der Schachgeschichte und Schachbuchautor armenischer Abstammung. Tigran Vartanovich Petrosian (armenisch: Տիգրան Պետրոսյան) war ein anderer berühmter armenischer Schachweltmeister.

Mike Connors, US-amerikanischer Schauspieler armenischer Herkunft. Vor allem bekannt durch die Titelrolle in der Krimi-Serie “Mannix”:

Balyan (oft auch Balian) ist der Familienname mehrerer bedeutender osmanischer Baumeister und Architekten armenischer Abstammung.

https://www.youtube.com/watch?v=1rfk7FM_6LY

Atom Egoyan, armenisch Ատոմ Էգոյան – In Kanada lebender Regisseur.  Sein Filmdrama Ararat von 2002 erinnert an den Völkermord und dessen filmischer Darstellbarkeit. 

https://www.youtube.com/watch?v=PmNw_7NoWms

William Saroyan, US-amerikanischer Schriftsteller armenischer Herkunft. Seine Geschichten handelten meist über das Aufwachsen als Sohn armenischer Einwanderer.

Samvel Yervinyan (Սամվել Երվինյան) armenischer Violinist. Hier einer seiner temperamentvollsten Auftritte:

Arto Tunçboyacıyan, armenisch Արտո Թունջբոյաջյան.  Musiker und Angehöriger der armenischen  Minderheit der Türkei. 2008 komponierte und arrangierte er für die türkischen Pop-Sängerin Sezen Aksu und begleitete sie bei der Aufnahme ihres  Albums Deniz Yıldızı.

https://www.youtube.com/watch?v=SnscAiHSDro

Gerade das letzte Lied ist als Hoffnungschimmer hinzugefügt worden. Es geht um Frühling, einen Neubeginn und die Möglichkeit über kulturelles Zusammenwirken Signale zu setzen.

gp

Kirschblütenprinzessin 2015: Blühendes Leben im Blütenmeer

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Wer da so blütenverwandt aus der rosa Pracht heraus schaut, ist Kaja I. unsere Kirchblütenprinzessin dieses Frühlings. Wie in den Jahren zuvor, kommt bei uns die Prinzessin zur Blüte. D.h. erst wenn das Feuerwerk leuchtet, steht die Jury parat, um die Krönung zu vollziehen.

Diesmal war es also Kaja, die auf dem Weg zur Bibliothek im Josef-Haubrich-Hof angesprochen wurde und sich sofort bereit erklärte das Amt zu übernehmen. Prompt bekam sie die Krone aufs Haupt gesetzt (diesmal eine handgefertigte). Natürlich erhielt sie wie ihre Vorgängerinnen zur Feier des Tages Geschenke, die alle mit Japan zu tun hatten.

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Kaja I. studiert an der FH-Köln am Cologne Institute of Conservation Sciences (CICS) die Kunst der Papierrestaurierung. Dazu gehört auch die Unterweisung in japanischen Techniken und der Umgang mit japanischem Werkzeug. Japanisch essen geht sie auch gerne und verriet uns einen Restaurant-Tipp an der Ulrepforte. Bunt und laut mag sie es auch gerne, besonders bei den Filmen aus dem Studio Ghibli, einem japanischen Zeichentrickfilm-Studio. Ihr Traum („Da will ich auf jeden Fall mal hin!”) ist selbstredend eine Reise nach Japan.

Bei soviel Japan-Begeisterung freuen wir uns besonders, dass gerade sie unsere Prinzessin wurde.

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gp

Die schönen Fotos schoss übrigens Marcus Becker, der in unserer Stadtteilbibliothek Rodenkirchen als studentische Aushilfe arbeitet (hier noch ein paar Impressionen aus seinem Blog).

Ein Dankeschön auch an unseren Hausmeister, der mit seinen Leitern dafür sorgte, dass Kaja zwischen den Blüten schweben konnte.
Bilder: Copyright Marcus Becker

Kirschblüten-Prinzessin 2013

Kirschblüten-Prinzessin 2014